Ein kleiner Exkurs in die iberische Sterneküche, den ich als besonderes Erlebnis doch mal teilen möchte. Als Geburtstagsdinner gab es letzte Woche in Girona eines der weltbesten kulinarischen Erlebnisse im El Celler de Can Roca. Die drei Roca-Brüder durchbrachen einst die Dominanz von Noma (Kopenhagen) als Seriensieger der World's Best 50 und traten damit in die Fußstapfen von Ferran Adrias El Bulli, der Katalonien mit seiner revolutionären Molekularküche auf die große Fine Dining Landkarte brachte. El Bulli ist heute geschlossen (und das in ein Museum verwandelte Restaurant macht leider auch erst im Mai wieder auf), dennoch kommt die Region auf beeindruckende vier Restaurants mit jeweils 3 Michelin-Sternen und ist damit ein echtes Mekka für Gourmet-Fans.
Stolze 32 Speisen wurden geboten. Aufgrund der Portionsgrößen gut sättigend, aber dennoch nicht zu viel. Also für mich wars jedenfalls ideal - für meine Partnerin am Limit.
Passenderweise hatten wir auch Kellner und Sommelier aus Portugal. Ob Zufall oder bewusst zugeordnet haben wir aber nicht in Erfahrung gebracht.
Den Beginn machte ein Kult-Klassiker mit der sich zu den drei Profilen der Brüder auffüllenden Brühe (Kalbsbrühe für Joan, Pilzbrühe für Josep und Kakaoaufguss für Jordi).
Die weiteren Vorspeisen waren ebenso auf dem Teller nach Kategorien angeordnet. Von Magie über Erinnerung, Tradition und Wein bis Parfüm und Sinn für Humor ging es so durch die 16 Prinzipien der Roca-Küche. Hier gab es ua. Xuixo mit Taubeneintopf, geröstete Süßkartoffelcreme mit Seeigel, Kiefernpollen, Languste gedämpft mit Manzanilla oder ein Austernblatt mit destillierter Erde. Und, ebenfalls ein Klassiker, Jordi Rocas Nase als Granatapfel-Gazpacho Eis am Stiel.
Anschließend ging es in die Hauptspeisen samt Weinbegleitung. Von Mangold Mille Feuille über Seehecht-Cococha, gegrillte Seezunge, marinierte Palamós-Garnelen mit Mandelvelouté bis Spanferkel-Tatin (Fotos sind eine Auswahl, ein paar Speisen fehlen).
Die viel gepriesene Weinauswahl von Josep Roca ließ sich auch nicht lumpen, ganze 18 Weine gab es zu verkosten. Seine Weine konzentrieren sich auf 5 Regionen: Champagne, Burgundy, Katalonien, Jerez und... Deutschland! Josep ist tatsächlich ein großer Riesling-Fan. So hatten wir ua. einen exzellenten Grünhaus Riesling von 2016.
Und final dann natürlich die Dessert und Petit Four von Jordi Roca, mehrfach als weltbester Patissier ausgezeichnet. Bruder und Chefkoch Joan hatte uns schon bei der Ankunft begrüßt und ging im Laufe des Abends zu jedem Tisch. Am Ende kam dann auch Jordi noch kurz, passenderweise als wir genau in einer seiner Kreation mit Mixed Reality Brillen waren.
Ein kleines Geburtstags-Extra gab es in diesem Zuge auch.
Für den Preispunkt werden 3 Sterne in der Zukunft die Ausnahme bleiben, bestenfalls alle paar Jahre mal, wenn überhaupt. Aber ein besonderes Erlebnis und eine tolle Erinnerung war es auf jeden Fall!