Antónia und Carlos
Zweimal pro Jahr verbrachte ich nun meinen Urlaub in Portugal. Jedes Mal, wenn ich kam, war mein Haus zwar geputzt, aber nicht wirklich sauber. Der Garten war jeweils einfach kahl. In jedem Urlaub fuhr ich in die Gärtnerei, kaufte Pflanzen und setzte sie ein, aber wenn ich das nächste Mal kam, war davon nichts mehr zu sehen. Antónia erklärte mir jeweils, sie habe am Vortag alles gründlich geputzt, aber in der Zwischenzeit sei es halt wieder schmutzig geworden, und was immer ich gepflanzt hätte, sei bei der „grande géada“ erfroren. Jedes Mal hatte ich etwas zu beanstanden, und wenn ich das nächste Mal kam, war das, was ich beanstandet hatte, zu meiner Zufriedenheit erledigt, dafür war etwas anderes nicht gemacht.
Was mich ebenfalls stutzig machte, war die Tatsache, dass ich in meiner Hausbar immer nur Flaschen vorfand, die bis auf einen kleinen Rest leer waren, obwohl ich überzeugt war, dass ich sie fast voll zurückgelassen hatte. Irgendwann fing ich an, den Stand des Flascheninhalts zu markieren und mit Datum zu versehen, ab da fand ich keine fast leeren Flaschen mehr vor.
Irgendwann erwähnte meine (nette) Nachbarin Sofia, sie wisse immer zum Voraus, wann ich komme, nämlich dann, wenn Antónia wie verrückt anfange, alles Verdorrte aus dem Garten zu entfernen. Ansonsten sähe man sie hier nie. Kurz darauf kam Antónia zu mir und verlangte mehr Lohn. Mein Haus und Garten gäben ihr sehr viel Arbeit, sie komme zweimal pro Woche, und das bisschen Gemüse, das sie aus dem Garten ernten könne, kompensiere ihren Arbeitsaufwand in keiner Weise. Ich sagte mir, dass ich mir das überlegen wolle, weil ich ja mit ihrer Arbeit keineswegs zufrieden war. Es ergab sich dann, dass ich Antónia vor meiner Abreise nicht mehr sah und das Problem bis zu meinem nächsten Aufenthalt vertagte.
Böse, wie ich gelegentlich sein kann, kündigte ich beim nächsten Mal meine Ankunft nicht an. Ich kam an einem Donnerstag an, damit hatten Antónia und Carlos nicht gerechnet und mich wohl eher am Wochenende erwartet. Was ich antraf, spottete jeder Beschreibung. Der Weg vom Gartentor bis zur Haustüre war völlig überwuchert, wenn ich auch nur eine Stunde später angekommen wäre, hätte ich mich wohl nicht mehr durchkämpfen können. Der Garten war voller Unkraut. Den grossen Schreck bekam ich aber, als ich das Haus betrat. Ich hatte Antónia immer gebeten, alle Esswaren, die ich zurückliess, mitzunehmen. Ich wollte nichts im Hause zurücklassen, das Mäuse oder Ameisen hätte anziehen können. Nun fand ich auf dem Esstisch schmutziges Geschirr, das nicht von mir stammte, sowie Essensreste und natürlich überall Mäusekot. In den Blumenvasen stanken verwelkte Sträusse, die noch von meinem letzten Aufenthalt stammten. Der Wäscheschrank war geöffnet und an der Schranktüre hing eine schmutzige Küchenschürze. Mein Bett war ungemacht und darauf lagen schmutzige Teppiche. In der Küche fand ich benutzte Töpfe und der Herd war voller Fettkrusten. Zuerst bekam ich einen Heulkrampf, dann packte mich eine unsägliche Wut, und als drittes machte ich mich sofort daran, wenigstens Bad, Küche und mein Schlafzimmer zu putzen, obwohl ich müde von der Reise und ziemlich erschöpft von einer arbeitsreichen Zeit angekommen war.
Den ganzen nächsten Tag verbrachte ich mit putzen, bis mein Haus glänzte. Von einer Nachbarin lieh ich mir eine Mausefalle, und bald war ich auch meine unwillkommenen Gäste wieder los. Am Samstag kam dann Carlos ganz unbeschwert daher, bemerkte meine wütende Miene nicht (oder gab vor, sie nicht zu bemerken) und schüttelte mir überfreundlich die Hand. Er hoffe, sagte er, ich hätte alles zu meiner Zufriedenheit angetroffen, Antónia sei am Vortag dagewesen und hätte alles geputzt. Es sei zwar am Vortag alles geputzt worden, sagte ich, aber nicht durch Antónia, und im Übrigen solle er gefälligst verschwinden und Antónia sagen, sie solle mir den Schlüssel zurückbringen. Daraufhin machte er ein äusserst beleidigtes Gesicht und verzog sich in den Garten, wo er sich daran machte, meine Pfirsiche zu pflücken. Als ich ihm das untersagte, meine er wütend, das sei sein gutes Recht, schliesslich habe er sich die ganze Zeit um die Bäume gekümmert. Dann verzog er sich brummelnd und sehr beleidigt, nicht ohne einen grossen Korb Pfirsiche mitzunehmen. Keine fünf Minuten später kam Antónia daher, fröhlich einen Putzeimer schwingend. Carlos konnte sie noch nicht gesehen haben, so war sie denn sehr erschrocken, als sie sah, dass ich bereits da war. Sie komme, um zu putzen, sagte sie etwas kleinlaut. Ich erklärte ihr, das sei nicht mehr nötig, ohnehin wünsche ich, das Arrangement mit ihr und Carlos zu beenden und sie solle mir bitte die Schlüssel aushändigen. Das tat sie auch und schlich dann wie ein geschlagener Hund davon.
An jenem Abend schaffte ich es nicht, die Schuppentüre abzuschliessen, das Schloss klemmte und ich beschloss, die Türe für einmal offen zu lassen. Am nächsten Morgen war sie abgeschlossen. Auf dem Brunnenrand lag ein Messer, das am Vortag noch nicht dagewesen war, und mein Pfirsichbaum war leer, und auch die Weintrauben, die noch gar nicht richtig reif gewesen waren, waren über Nacht verschwunden. Es war offensichtlich, dass sich die beiden von meinen Schlüsseln Kopien hatten machen lassen, und so blieb mir nichts anderes übrig, als einmal mehr die Schlösser auswechseln zu lassen. Auch das Gartentor verschloss ich für einige Zeit mit einer Kette und einem Vorhängeschloss.
Nun stand ich vor dem Problem, jemanden zu finden, der sich künftig um Haus und Garten kümmern würde. Einmal mehr war es Nachbarin Sofia, die eine Lösung wusste. Durch sie lernte ich das Ehepaar Celeste und Luís kennen. Diesmal hatte ich einen guten Griff getan, die beiden waren absolut zuverlässig und während vieler Jahre wusste ich Haus und Garten in guter Hut. Erst als sie beide gesundheitlich nicht mehr dazu in der Lage waren, mussten sie ihren Job bei mir aufgeben. Gute Freunde sind sie für mich aber auch heute noch. Antónia und Carlos habe ich übrigens nie mehr gesehen, und dass Carlos Alkoholiker war, habe ich auch erst viel später erfahren.
Zweimal pro Jahr verbrachte ich nun meinen Urlaub in Portugal. Jedes Mal, wenn ich kam, war mein Haus zwar geputzt, aber nicht wirklich sauber. Der Garten war jeweils einfach kahl. In jedem Urlaub fuhr ich in die Gärtnerei, kaufte Pflanzen und setzte sie ein, aber wenn ich das nächste Mal kam, war davon nichts mehr zu sehen. Antónia erklärte mir jeweils, sie habe am Vortag alles gründlich geputzt, aber in der Zwischenzeit sei es halt wieder schmutzig geworden, und was immer ich gepflanzt hätte, sei bei der „grande géada“ erfroren. Jedes Mal hatte ich etwas zu beanstanden, und wenn ich das nächste Mal kam, war das, was ich beanstandet hatte, zu meiner Zufriedenheit erledigt, dafür war etwas anderes nicht gemacht.
Was mich ebenfalls stutzig machte, war die Tatsache, dass ich in meiner Hausbar immer nur Flaschen vorfand, die bis auf einen kleinen Rest leer waren, obwohl ich überzeugt war, dass ich sie fast voll zurückgelassen hatte. Irgendwann fing ich an, den Stand des Flascheninhalts zu markieren und mit Datum zu versehen, ab da fand ich keine fast leeren Flaschen mehr vor.
Irgendwann erwähnte meine (nette) Nachbarin Sofia, sie wisse immer zum Voraus, wann ich komme, nämlich dann, wenn Antónia wie verrückt anfange, alles Verdorrte aus dem Garten zu entfernen. Ansonsten sähe man sie hier nie. Kurz darauf kam Antónia zu mir und verlangte mehr Lohn. Mein Haus und Garten gäben ihr sehr viel Arbeit, sie komme zweimal pro Woche, und das bisschen Gemüse, das sie aus dem Garten ernten könne, kompensiere ihren Arbeitsaufwand in keiner Weise. Ich sagte mir, dass ich mir das überlegen wolle, weil ich ja mit ihrer Arbeit keineswegs zufrieden war. Es ergab sich dann, dass ich Antónia vor meiner Abreise nicht mehr sah und das Problem bis zu meinem nächsten Aufenthalt vertagte.
Böse, wie ich gelegentlich sein kann, kündigte ich beim nächsten Mal meine Ankunft nicht an. Ich kam an einem Donnerstag an, damit hatten Antónia und Carlos nicht gerechnet und mich wohl eher am Wochenende erwartet. Was ich antraf, spottete jeder Beschreibung. Der Weg vom Gartentor bis zur Haustüre war völlig überwuchert, wenn ich auch nur eine Stunde später angekommen wäre, hätte ich mich wohl nicht mehr durchkämpfen können. Der Garten war voller Unkraut. Den grossen Schreck bekam ich aber, als ich das Haus betrat. Ich hatte Antónia immer gebeten, alle Esswaren, die ich zurückliess, mitzunehmen. Ich wollte nichts im Hause zurücklassen, das Mäuse oder Ameisen hätte anziehen können. Nun fand ich auf dem Esstisch schmutziges Geschirr, das nicht von mir stammte, sowie Essensreste und natürlich überall Mäusekot. In den Blumenvasen stanken verwelkte Sträusse, die noch von meinem letzten Aufenthalt stammten. Der Wäscheschrank war geöffnet und an der Schranktüre hing eine schmutzige Küchenschürze. Mein Bett war ungemacht und darauf lagen schmutzige Teppiche. In der Küche fand ich benutzte Töpfe und der Herd war voller Fettkrusten. Zuerst bekam ich einen Heulkrampf, dann packte mich eine unsägliche Wut, und als drittes machte ich mich sofort daran, wenigstens Bad, Küche und mein Schlafzimmer zu putzen, obwohl ich müde von der Reise und ziemlich erschöpft von einer arbeitsreichen Zeit angekommen war.
Den ganzen nächsten Tag verbrachte ich mit putzen, bis mein Haus glänzte. Von einer Nachbarin lieh ich mir eine Mausefalle, und bald war ich auch meine unwillkommenen Gäste wieder los. Am Samstag kam dann Carlos ganz unbeschwert daher, bemerkte meine wütende Miene nicht (oder gab vor, sie nicht zu bemerken) und schüttelte mir überfreundlich die Hand. Er hoffe, sagte er, ich hätte alles zu meiner Zufriedenheit angetroffen, Antónia sei am Vortag dagewesen und hätte alles geputzt. Es sei zwar am Vortag alles geputzt worden, sagte ich, aber nicht durch Antónia, und im Übrigen solle er gefälligst verschwinden und Antónia sagen, sie solle mir den Schlüssel zurückbringen. Daraufhin machte er ein äusserst beleidigtes Gesicht und verzog sich in den Garten, wo er sich daran machte, meine Pfirsiche zu pflücken. Als ich ihm das untersagte, meine er wütend, das sei sein gutes Recht, schliesslich habe er sich die ganze Zeit um die Bäume gekümmert. Dann verzog er sich brummelnd und sehr beleidigt, nicht ohne einen grossen Korb Pfirsiche mitzunehmen. Keine fünf Minuten später kam Antónia daher, fröhlich einen Putzeimer schwingend. Carlos konnte sie noch nicht gesehen haben, so war sie denn sehr erschrocken, als sie sah, dass ich bereits da war. Sie komme, um zu putzen, sagte sie etwas kleinlaut. Ich erklärte ihr, das sei nicht mehr nötig, ohnehin wünsche ich, das Arrangement mit ihr und Carlos zu beenden und sie solle mir bitte die Schlüssel aushändigen. Das tat sie auch und schlich dann wie ein geschlagener Hund davon.
An jenem Abend schaffte ich es nicht, die Schuppentüre abzuschliessen, das Schloss klemmte und ich beschloss, die Türe für einmal offen zu lassen. Am nächsten Morgen war sie abgeschlossen. Auf dem Brunnenrand lag ein Messer, das am Vortag noch nicht dagewesen war, und mein Pfirsichbaum war leer, und auch die Weintrauben, die noch gar nicht richtig reif gewesen waren, waren über Nacht verschwunden. Es war offensichtlich, dass sich die beiden von meinen Schlüsseln Kopien hatten machen lassen, und so blieb mir nichts anderes übrig, als einmal mehr die Schlösser auswechseln zu lassen. Auch das Gartentor verschloss ich für einige Zeit mit einer Kette und einem Vorhängeschloss.
Nun stand ich vor dem Problem, jemanden zu finden, der sich künftig um Haus und Garten kümmern würde. Einmal mehr war es Nachbarin Sofia, die eine Lösung wusste. Durch sie lernte ich das Ehepaar Celeste und Luís kennen. Diesmal hatte ich einen guten Griff getan, die beiden waren absolut zuverlässig und während vieler Jahre wusste ich Haus und Garten in guter Hut. Erst als sie beide gesundheitlich nicht mehr dazu in der Lage waren, mussten sie ihren Job bei mir aufgeben. Gute Freunde sind sie für mich aber auch heute noch. Antónia und Carlos habe ich übrigens nie mehr gesehen, und dass Carlos Alkoholiker war, habe ich auch erst viel später erfahren.