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Bia in Portugal

Antónia und Carlos

Zweimal pro Jahr verbrachte ich nun meinen Urlaub in Portugal. Jedes Mal, wenn ich kam, war mein Haus zwar geputzt, aber nicht wirklich sauber. Der Garten war jeweils einfach kahl. In jedem Urlaub fuhr ich in die Gärtnerei, kaufte Pflanzen und setzte sie ein, aber wenn ich das nächste Mal kam, war davon nichts mehr zu sehen. Antónia erklärte mir jeweils, sie habe am Vortag alles gründlich geputzt, aber in der Zwischenzeit sei es halt wieder schmutzig geworden, und was immer ich gepflanzt hätte, sei bei der „grande géada“ erfroren. Jedes Mal hatte ich etwas zu beanstanden, und wenn ich das nächste Mal kam, war das, was ich beanstandet hatte, zu meiner Zufriedenheit erledigt, dafür war etwas anderes nicht gemacht.

Was mich ebenfalls stutzig machte, war die Tatsache, dass ich in meiner Hausbar immer nur Flaschen vorfand, die bis auf einen kleinen Rest leer waren, obwohl ich überzeugt war, dass ich sie fast voll zurückgelassen hatte. Irgendwann fing ich an, den Stand des Flascheninhalts zu markieren und mit Datum zu versehen, ab da fand ich keine fast leeren Flaschen mehr vor.

Irgendwann erwähnte meine (nette) Nachbarin Sofia, sie wisse immer zum Voraus, wann ich komme, nämlich dann, wenn Antónia wie verrückt anfange, alles Verdorrte aus dem Garten zu entfernen. Ansonsten sähe man sie hier nie. Kurz darauf kam Antónia zu mir und verlangte mehr Lohn. Mein Haus und Garten gäben ihr sehr viel Arbeit, sie komme zweimal pro Woche, und das bisschen Gemüse, das sie aus dem Garten ernten könne, kompensiere ihren Arbeitsaufwand in keiner Weise. Ich sagte mir, dass ich mir das überlegen wolle, weil ich ja mit ihrer Arbeit keineswegs zufrieden war. Es ergab sich dann, dass ich Antónia vor meiner Abreise nicht mehr sah und das Problem bis zu meinem nächsten Aufenthalt vertagte.

Böse, wie ich gelegentlich sein kann, kündigte ich beim nächsten Mal meine Ankunft nicht an. Ich kam an einem Donnerstag an, damit hatten Antónia und Carlos nicht gerechnet und mich wohl eher am Wochenende erwartet. Was ich antraf, spottete jeder Beschreibung. Der Weg vom Gartentor bis zur Haustüre war völlig überwuchert, wenn ich auch nur eine Stunde später angekommen wäre, hätte ich mich wohl nicht mehr durchkämpfen können. Der Garten war voller Unkraut. Den grossen Schreck bekam ich aber, als ich das Haus betrat. Ich hatte Antónia immer gebeten, alle Esswaren, die ich zurückliess, mitzunehmen. Ich wollte nichts im Hause zurücklassen, das Mäuse oder Ameisen hätte anziehen können. Nun fand ich auf dem Esstisch schmutziges Geschirr, das nicht von mir stammte, sowie Essensreste und natürlich überall Mäusekot. In den Blumenvasen stanken verwelkte Sträusse, die noch von meinem letzten Aufenthalt stammten. Der Wäscheschrank war geöffnet und an der Schranktüre hing eine schmutzige Küchenschürze. Mein Bett war ungemacht und darauf lagen schmutzige Teppiche. In der Küche fand ich benutzte Töpfe und der Herd war voller Fettkrusten. Zuerst bekam ich einen Heulkrampf, dann packte mich eine unsägliche Wut, und als drittes machte ich mich sofort daran, wenigstens Bad, Küche und mein Schlafzimmer zu putzen, obwohl ich müde von der Reise und ziemlich erschöpft von einer arbeitsreichen Zeit angekommen war.

Den ganzen nächsten Tag verbrachte ich mit putzen, bis mein Haus glänzte. Von einer Nachbarin lieh ich mir eine Mausefalle, und bald war ich auch meine unwillkommenen Gäste wieder los. Am Samstag kam dann Carlos ganz unbeschwert daher, bemerkte meine wütende Miene nicht (oder gab vor, sie nicht zu bemerken) und schüttelte mir überfreundlich die Hand. Er hoffe, sagte er, ich hätte alles zu meiner Zufriedenheit angetroffen, Antónia sei am Vortag dagewesen und hätte alles geputzt. Es sei zwar am Vortag alles geputzt worden, sagte ich, aber nicht durch Antónia, und im Übrigen solle er gefälligst verschwinden und Antónia sagen, sie solle mir den Schlüssel zurückbringen. Daraufhin machte er ein äusserst beleidigtes Gesicht und verzog sich in den Garten, wo er sich daran machte, meine Pfirsiche zu pflücken. Als ich ihm das untersagte, meine er wütend, das sei sein gutes Recht, schliesslich habe er sich die ganze Zeit um die Bäume gekümmert. Dann verzog er sich brummelnd und sehr beleidigt, nicht ohne einen grossen Korb Pfirsiche mitzunehmen. Keine fünf Minuten später kam Antónia daher, fröhlich einen Putzeimer schwingend. Carlos konnte sie noch nicht gesehen haben, so war sie denn sehr erschrocken, als sie sah, dass ich bereits da war. Sie komme, um zu putzen, sagte sie etwas kleinlaut. Ich erklärte ihr, das sei nicht mehr nötig, ohnehin wünsche ich, das Arrangement mit ihr und Carlos zu beenden und sie solle mir bitte die Schlüssel aushändigen. Das tat sie auch und schlich dann wie ein geschlagener Hund davon.

An jenem Abend schaffte ich es nicht, die Schuppentüre abzuschliessen, das Schloss klemmte und ich beschloss, die Türe für einmal offen zu lassen. Am nächsten Morgen war sie abgeschlossen. Auf dem Brunnenrand lag ein Messer, das am Vortag noch nicht dagewesen war, und mein Pfirsichbaum war leer, und auch die Weintrauben, die noch gar nicht richtig reif gewesen waren, waren über Nacht verschwunden. Es war offensichtlich, dass sich die beiden von meinen Schlüsseln Kopien hatten machen lassen, und so blieb mir nichts anderes übrig, als einmal mehr die Schlösser auswechseln zu lassen. Auch das Gartentor verschloss ich für einige Zeit mit einer Kette und einem Vorhängeschloss.

Nun stand ich vor dem Problem, jemanden zu finden, der sich künftig um Haus und Garten kümmern würde. Einmal mehr war es Nachbarin Sofia, die eine Lösung wusste. Durch sie lernte ich das Ehepaar Celeste und Luís kennen. Diesmal hatte ich einen guten Griff getan, die beiden waren absolut zuverlässig und während vieler Jahre wusste ich Haus und Garten in guter Hut. Erst als sie beide gesundheitlich nicht mehr dazu in der Lage waren, mussten sie ihren Job bei mir aufgeben. Gute Freunde sind sie für mich aber auch heute noch. Antónia und Carlos habe ich übrigens nie mehr gesehen, und dass Carlos Alkoholiker war, habe ich auch erst viel später erfahren.
 
Die Prozession

Zwar sind alle meine Nachbarn katholisch, aber offensichtlich nicht praktizierend, denn wie man mir gesagt hat, ist die Kirche sonntags jeweils bis auf eine kleine Handvoll Leute leer. Einmal lud ich meine sehr nette Nachbarin Sofia und ihre Familie für einen Samstag zum Abendessen ein. Am Vortag kam sie zu mir und fragte, ob das nicht auch am Sonntag möglich sei. Am Samstag finde nämlich eine Prozession statt, an der sie gerne teilnehmen würde. Ich staunte ein wenig, denn Sofia gehört sonst nicht zu den eifrigen Kirchgängerinnen, aber natürlich machte es mir nichts aus, die Einladung um einen Tag zu verschieben.

Am Samstagnachmittag erschien eine andere Nachbarin bei mir und sagte, sie würden alle an der Prozession teilnehmen und ich solle doch auch mitkommen. Ich wehrte ab mit der Begründung, ich sei nicht katholisch, aber darauf meinte sie nur, das spiele doch keine Rolle, ich solle einfach trotzdem mitkommen. Na ja, ich tat’s. Um neun Uhr abends versammelte sich eine riesige Menschenmenge in der Dorfkirche, und jeder kaufte eine Kerze. Die Marienstatue war wunderschön mit Blumen geschmückt. In der Kirche ging es zu wie in einem Bienenhaus, aber schliesslich traf der Pfarrer ein und es wurde ruhig. Der Pfarrer murmelte ein bisschen (ich habe kein Wort verstanden), dann ergriffen einige starke Männer die Trage mit der Madonna und gingen hinter dem Pfarrer aus der Kirche. Alle Leute zündeten ihre Kerzen an und folgten dem Zug.

Auf dem ganzen fast zweistündigen Rundgang wurde gesungen und der Rosenkranz gebetet, der Pfarrer ging voran mit einem Megaphon auf der Schulter, die ganze Dorfgemeinschaft folgte mit der brennenden Kerze in der Hand. Beim Tragen der Madonna wechselten sich die Leute ab, für mich sah es so aus, als wäre es eine Ehre, beim Tragen mitzuhelfen. Die Polizei hielt den Verkehr auf. Ein paar junge Motorradfahrer mussten am Strassenrand warten. Als der Zug bei ihnen vorbeiging, zogen sie alle den Helm aus, was mich positiv überraschte. Vor jedem Haus, an dem wir vorbeikamen, standen kleine blumen- und kerzengeschmückte Altare mit Marienstatuen. Das Ganze war sehr feierlich und irgendwie auch schön. Was mich erstaunte, war, dass nicht nur alte sondern auch viele junge Leute und Kinder an dieser Prozession teilnahmen.

Am nächsten Tag sprach mich eine mir völlig unbekannte Frau auf der Strasse an und sagte: „Sie haben an unserer Prozession teilgenommen. Jetzt gehören Sie zu uns“. Da realisierte ich, dass ich ungewollt einen grossen Schritt Richtung Integration gemacht hatte. An dieser Prozession nehme ich seither jedes Jahr teil, auch wenn ich weder katholisch noch sonst sehr religiös bin.
 
Hallo Bia
habe gerade deine Berichte gelesen, boh, sind die schön
Hast du schon mal überlegt, daraus ein Buch zu machen?
Sag mal, hast du jemals erfahren, was die in deiner Abwesenheit für "Feten" gefeiert haben, oder ob die das sogar untervermietet haben?

so eine Prozession haben wir vor zwei Jahren auch gesehen, als wir mit dem Bus von Lissabon nach Ericeira gefahren sind. Eigentümlich, fazinierend, ich kann es nicht mit Worten beschreiben, aber selbst durchs Fenster des Busses war es wunderschön, alle waren ehrfürchtig....

Auf jeden Fall habe ich deine Berichte sehr genossen
Mein Mann möchte auch mal nach Portugal ziehen, aber ich weiß es noch nicht so genau, ich lasse sechs Kinder zurück....
Gut, Deutschland ist nicht so weit entfertn, aber immerhin....
Mal sehen, was wir machen
Aber den Portugal Virus, den hab ich auch, obwohl ich noch nicht sehr viel kenne
Schön, das du jetzt dazugehört, muß ein ganz tolles Gefühl sein

wir werden Mittwoch in Lissabon landen, du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich freue
lg Grisie
 
Grisie schrieb:
Sag mal, hast du jemals erfahren, was die in deiner Abwesenheit für "Feten" gefeiert haben, oder ob die das sogar untervermietet haben?

Wie schon erwähnt habe ich Antónia und Carlos nie wieder gesehen, und was für "Feten" sie bei mir gefeiert haben, weiss ich daher nicht. Ich nehme an, sie haben jeweils einfach ihre "sardinhadas" mit Freunden bei mir durchgeführt. Untervermietet haben sie mein Haus ganz bestimmt nicht, sonst hätte ich sicher nicht noch verwelkte Blumensträusse von meinem letzten Aufenthalt vorgefunden.

Geniesst euren Urlaub in Costa da Caparica!
 
Mein Haus, eine Baustelle

Natürlich war es mir von Anfang an klar gewesen, dass ich noch einiges würde investieren müssen, um mein Haus meinem gewohnten Schweizer Standard anzupassen. Um es gleich vorweg zu nehmen, trotz vieler Investitionen ist mir das nicht gelungen, und das ist auch gut so, mein Haus blieb trotz vieler Verbesserungen das, was es ist: ein portugiesisches Bauernhäuschen.

Die Umzäunung meines Grundstücks war das Erste, was ich an die Hand nahm, sicher verständlich, wenn man bedenkt, in was für einer unmittelbaren Nachbarschaft ich lebte. Weil meine Nachbarn eben so waren, wie sie waren (nämlich böse, streitsüchtig und neidisch) beschloss ich, eine Bewilligung dafür einzuholen, obwohl das nicht nötig gewesen wäre. So kam ich zum ersten Mal mit dem portugiesischen Amtsschimmel in Kontakt. Unglaublich, aber wahr: es dauerte ein volles Jahr, bis ich die Bewilligung hatte! Jedes Mal, wenn ich auf der Câmara vorsprach, hatte man eine andere Begründung dafür. Einmal konnte meine Eingabe nicht gefunden werden, dann war der zuständige Beamte gerade für einen Monat im Urlaub und zu guter Letzt verlangte man von mir noch den Nachweis einer Haftpflichtversicherung, obwohl der Bauunternehmer, der die Arbeit ausführen sollte, eine schriftlich Bestätigung abgab, dass er alle seine Arbeiter gegen Unfall versichert habe. Meine Aussage, dass ich in der Schweiz eine Privathaftpflichtversicherung abgeschlossen hätte, reichte nicht. Ich musste eine Bestätigung der Versicherung vorweisen, selbstverständlich übersetzt und notariell beglaubigt, die dann aber doch nicht akzeptiert wurde, weil es unerlässlich sei, eine Versicherung in Portugal abzuschliessen. Nun, der Zaun wurde dann nach eineinhalb Jahren doch noch erstellt.

Die Decke in meinem Häuschen bestand aus hauchdünnen, an vielen Stellen bereits durchhängenden und mit rostigen Nägeln befestigten Pavatexplatten. Ich entschied mich für eine Holzdecke. Meine Nichte ist Tischlerin. Gemeinsam mit drei Freundinnen verbrachte sie einen zweiwöchigen Urlaub in meinem Haus und als Dank für die Unterkunft zogen die vier Frauen meine neue Decke ein. Das Holztäfer hatte ich vorgängig besorgt, Werkzeug brachte meine Nichte mit, und was ihr fehlte lieh sie sich beim örtlichen Schreiner aus, bei dem ich das Täfer gekauft hatte. Wie sie das geschafft hat, ohne auch nur ein Wort portugiesisch zu sprechen? Mit Hilfe des Wörterbuches und Händen und Füssen gelang es ihr, den Mann zu überzeugen, er lieh ihr bereitwillig und gratis alles, was sie benötigte, und bei meinem nächsten Urlaub fand ich mein ganzes Haus mit einer schönen, weiss lasierten Holzdecke vor.

Als nächstes musste das Dach neu gedeckt werden. Diesmal verzichtete ich grosszügig darauf, eine Bewilligung einzuholen, und die Arbeit wurde in Rekordzeit von Freunden aus der Schweiz, einem Dachdecker mit seinem Sohn, ausgeführt. Als das Dach fertig gedeckt war, sah ich erst, wie schrecklich die Fassade aussah. Die vor vier Jahren für teures Geld aufgetragene Farbe blätterte bereits überall ab. Ein Neuanstrich war also fällig. Diesmal fragte ich Sofia, ob sie einen guten und zuverlässigen Maler kenne. Das tat sie, sie bot ihn auf und er kam, schaute sich mein Haus an und weigerte sich, dieses zu streichen. Der Verputz tauge nichts, sagte er, wenn er jetzt streiche, sähe das Ganze nach zwei Jahren wieder gleich aus. Zweiter Hilferuf an Sofia (was täte ich nur ohne sie?): Kennst du einen zuverlässigen Maurer? Sie empfahl mir ihren betagten Onkel, dieser wiederum erklärte sich bereit, die ganze Fassade neu zu verputzen, den alten Verputz wegschlagen müsse jedoch ein anderer, dazu sei er in seinem Alter nicht mehr fähig. Er wusste aber gleich Rat und bot einen tüchtigen Mann auf, der innerhalb kurzer Zeit aus meinem weissen portugiesischen Häuschen ein englisch anmutendes Backsteincottage machte. Am darauffolgenden Wochenende kam dann der neue Verputz drauf, der nun natürlich trocknen musste, so wohnte ich während einer Woche in einem grauen Betonbunker. Dann endlich kam der Maler zum Zug und bald war mein Häuschen das schönste weit und breit.

Die Holzfensterrahmen und Läden waren verzogen und morsch, es zog durch alle Ritzen, so war denn die nächste Pendenz, alle Fenster zu ersetzen. Weil die Wände innen feucht und oft schimmlig waren, wurde auch innen alles neu verputzt und die Küche gefliest. Als nächstes kam das Bad an die Reihe. In dem winzigen Raum befanden sich nebst dem WC eine Badewanne, ein Bidet und ein Waschbecken. Die Türe konnte nur zur Hälfte geöffnet werden, wenn man auf dem Klo sass, stiess man sich die Knie am Waschbecken und ehe man das kleine Kabäuschen betrat, musste man sich die Zehennägel schneiden, damit man darin überhaupt Platz fand ;). Wozu braucht man eine Badewanne, wenn man ohnehin immer duscht? Sie flog raus, das Bidet ebenfalls, eine Duschkabine kam rein und durch den frei gewordenen Platz konnte das Waschbecken an die andere Wand versetzt werden. Natürlich wurde auch alles gefliest und ein neuer Boden kam rein. Jetzt habe ich zwar immer noch ein winziges, dafür aber ein funktionelles Badezimmerchen.

In meinem Schlafzimmer, im Korridor und in der Küche war auf dem nackten Betonboden billiger Linoleum verlegt worden, so lag es auf der Hand, dass auch hier etwas gehen musste. Ich entschied mich für weisse Fliesen, dadurch wirkt das Haus etwas grösser. Heute würde ich mich etwas anders entscheiden, aber damals hatte ich eben noch keinen Hund.

Irgendwann bemerkte ich, dass die Türrahmen abzubröckeln begannen, der Wurm sass drin! So wurden also auch alle Türen und Türrahmen im Hausinnern ersetzt.

Als Celeste und Luís, nach einem Autounfall beide ziemlich angeschlagen, ihren Job bei mir aufgeben mussten, musste auch mit dem Garten etwas geschehen, denn alleine wäre ich damit nie im Leben fertig geworden (ich werde es auch heute nicht, bin halt inzwischen auch älter geworden!). Der Gemüsegarten wurde also drastisch reduziert, ein grosser Rasen angelegt und eine automatische Bewässerungsanlage installiert.

Damit betrachte ich die Renovierungsarbeiten als abgeschlossen. Nicht, dass es nicht noch einiges zu verbessern gäbe, aber inzwischen bin ich Rentnerin und mein Budget ist beschränkt.
 
Auf einer portugiesischen Hochzeit

Susana, eine Cousine Sofias heiratete und hatte mich zur Hochzeit eingeladen. Da ich sehr viele Überstunden zu kompensieren hatte, bewilligte mein Boss einen Extra-Urlaub, und so reiste ich Ende Oktober 1998 zum dritten Mal in diesem Jahr nach Portugal.

Am Tag meiner Ankunft herrschte in meiner Nachbarschaft Hektik. Da wurde gebacken, gerührt und abgeschmeckt, denn die Tanten und Cousinen Susanas waren für den Nachtisch zuständig. Sofia kam bei mir vorbei, um meine Garderobe zu inspizieren und machte für mich auch gleich einen Termin beim Frisör aus, offensichtlich fand sie das nötig.

Um zwölf Uhr sollte die Trauung in unserer Dorfkirche stattfinden. Um zehn vor zwölf war ich da. Kein Mensch weit und breit zu sehen! Fast eine halbe Stunde stand ich etwas verloren vor der Kirche und wunderte mich, dann traf eine lange Wagenkolonne ein mit lauter mir unbekannten Leuten. Glücklicherweise entdeckte ich dann unter ihnen den Bräutigam und war nun doch sicher, am richtigen Ort zu sein. Kurz darauf traf von der Gegenseite eine weitere Wagenkolonne ein, und das waren nun alle meine Nachbarn, Verwandte und Freunde der Braut. Wie sich herausstellte, hatte man vergessen, mir zu sagen, dass es üblich ist, dass sich die Gäste der Braut in ihrem und diejenigen des Bräutigams in seinem Elternhaus treffen, dort bereits einen Imbiss zu sich nehmen und dann gemeinsam zur Kirche fahren. Lena, die Schwester der Braut entschuldigte sich und meinte, ich gehöre schon so sehr zu ihnen, dass sie manchmal vergässen, dass ich Ausländerin sei und nicht alle ihre Bräuche und Sitten kenne.

Es war beinahe ein Uhr, als endlich alle Gäste in der Kirche sassen beziehungsweise standen, denn unsere Dorfkirche hatte nicht genügend Sitzplätze für eine so grosse Gesellschaft. Als erstes übte nun eine Freundin der Braut mit den Gästen ein Lied ein, das gemeinsam gesungen werden sollte. Irgendwann traf dann auch der Pfarrer ein und gegen halb zwei wurde die Braut am Arme ihres stolzen Vaters zum Altar geführt. Dass während der Trauungszeremonie immer mal wieder ein Handy klingelte, schien höchstens den Pfarrer zu irritieren. Nach der Zeremonie wurde noch ausgiebig fotografiert, während das Brautpaar die Dokumente unterzeichnete. Vor der Kirche drückte man mir getrocknete Rosenblütenblätter gemischt mit Reiskörnern in die Hand, damit wurde das Brautpaar beworfen, als es die Kirche verliess.

Dann wurde die Route bekanntgegeben, die gefahren werden sollte. Meine Nachbarin und Freundin Sofia fuhr mit mir, da ihr Sohn die Ehre hatte, das Brautpaar zu fahren. Nun setzte sich ein Konvoi von über hundert Autos in Bewegung und unter ständigem Hupen machte man eine kleine Rundfahrt, die in einem Park im nahen Städtchen Santiago endete. Ich wurde langsam hungrig, denn inzwischen war es drei Uhr nachmittags, und im Gegensatz zu allen anderen Gästen hatte ich noch nichts gegessen. Ich musste mich aber noch lange Zeit gedulden, denn was jetzt passierte dauerte nochmals fast zwei Stunden.

In dem Park wurde das Brautpaar dekorativ vor einem blühenden Busch parkiert, die Eltern stellten sich daneben. „Klick“, das erste Foto. Die Eltern rannten weg, die Geschwister rannten herbei „klick“. Und so ging es weiter, bis jeder der dreihundert Gäste mindestens einmal zusammen mit dem Brautpaar abgelichtet war. Dass Tante Isabel dabei stolperte und kopfvoran im Bräutigam landete störte keinen, am wenigsten sie selbst, es gab nur ein grosses Gelächter.

Endlich war es dann so weit, wir fuhren zum Mittagessen. Die Brauteltern hatten eine Ausstellungshalle gemietet und dort erwartete uns als erstes ein Apero. Auf riesigen Tischen warteten feine Leckerbissen auf uns, es gab einen Tisch mit kaltem Fleisch, Spanferkel, Braten, Würste und Rohschinken, einen anderen nur mit den verschiedensten Käsesorten, einen mit Meeresfrüchten und einen mit pasteis de bacalhau, gefüllten Krapfen, Hackfleischbällchen und vielem mehr. Dazu gab es Wein, Whisky oder Fruchtsaft. Als wir dann alle so schön satt waren, wurden wir zu Tisch gebeten und man servierte uns ein viergängiges Menü, das keine Wünsche offen liess. Während des Essens klopfte immer mal wieder jemand mit dem Löffel oder der Gabel auf den Tellerrand, dann musste sich das Brautpaar küssen. Die Ärmsten kamen vor lauter Küssen kaum dazu, das späte Mittagessen zu geniessen.

Mehr als satt entschloss ich mich nach der Mahlzeit zu einem Verdauungsspaziergang und das war auch wirklich nötig, denn bereits zwei Stunden später wurde uns ein ebenso üppiges Abendessen serviert. Anschliessend spielte eine Musik zum Tanze auf, da konnte man einige Kalorien wieder loswerden. Um zwei Uhr morgens war ich eine der Ersten, die das Fest verliess.

Am nächsten Tag ging es dann mit dem Mittagessen weiter, allerdings mit bereits etwas reduzierter Gästezahl, denn einige, die von weit her gekommen waren, befanden sich bereits wieder auf dem Heimweg. Den Nachmittag verbrachten wir mit plaudern, spazieren oder spielen, denn noch war das Fest nicht zu Ende. Es folgte, wie schon am Vortag, ein nahrhaftes Abendessen. Gegen Mitternacht verabschiedete sich das Brautpaar und so klang das Fest langsam aus.

Ob alle Hochzeiten in Portugal in diesem Rahmen stattfinden, weiss ich nicht. Letzten Herbst war ich wieder zu einer Hochzeit eingeladen, diesmal aber bei einer sehr reichen und vornehmen Familie. Diese dauerte nur einen Tag, war aber noch üppiger und viel aufwändiger. Doch davon berichte ich dann vielleicht ein anderes Mal.
 
dem kann ich mich nur anschließen :-) und dein Bericht erinnert mich noch an einen kleinen "Streit" welchen ich mal mit einem Portugiesen hatte!

Der hat mir nämlich erzählt, wo er sein Auto parkiert hätte. Ich verbesserte ihn und sagte, es heißt geparkt und nich parkiert.

Er hat mir dann ein Dokument eingescannt, in dem behördlich eine Genehmigung zum Parkieren ausgestellt war lol

Ja, ja, die Schweizer und ihr Deutsch ;-)))

Ellen
 
Und erstens kommt es anders

Mein Plan war, bis 64 zu arbeiten und zu verdienen, in der Zeit noch möglichst viel zu sparen und dann in Rente zu gehen und nach Portugal auszuwandern, um da in Ruhe und Frieden meinen Lebensabend zu geniessen. Leider hält sich das Leben nicht immer an unsere Pläne! Mit 61 verlor ich aus wirtschaftlichen Gründen meinen Job. Eine neue Arbeit zu finden, erwies sich als unmöglich. Dem Idealbild eines Kandidaten (25 Jahre jung und mindestens 15 Jahre Berufserfahrung) entsprach ich halt in keiner Weise mehr. Eigentlich hätte ich noch Anspruch auf Arbeitslosengeld gehabt, aber da ich kurz darauf ernsthaft erkrankte, beschloss ich, den ganzen Bettel hinzuschmeissen, vorzeitig in Rente zu gehen und endlich meinen Traum vom Leben in Portugal zu realisieren.

Nun galt es, viel und gut zu überlegen. Sollte ich meine Zelte in der Schweiz definitiv abbrechen und meinen Wohnsitz nach Portugal verlegen? Wäre es besser, einen Fuss in der Schweiz zu lassen? Wenn man nicht mehr ganz jung und gesundheitlich angeschlagen ist, überlegt man anders als mit zwanzig oder dreissig. Definitiv auszuwandern wäre die billigere Variante, mein Häuschen gehört mir, nicht mir und der Bank, somit kann ich da günstig leben, und für den Lebensunterhalt würde meine Rente gut ausreichen. Andererseits habe ich kein allzu grosses Vertrauen in das portugiesische Gesundheitssystem. Meine zwar teure, aber sehr gute Krankenversicherung hätte ich aufgeben müssen, und nach einer eventuellen Rückkehr in die Schweiz hätte ich in meinem Alter keine Chance gehabt, darin wieder aufgenommen zu werden. Nach langem Überlegen entschied ich mich deshalb, meinen Wohnsitz in der Schweiz zu behalten und zu pendeln und solange ich es mir leisten kann, dort die Miete für meine Wohnung und die Krankenversicherung zu bezahlen, bleibe ich auch bei dieser Lösung. Wenn das irgendwann nicht mehr geht, sehe ich weiter.

So kommt es, dass ich jetzt an zwei Orten daheim bin und mich wohl fühle.

Im März 2003 war es dann so weit! Ich packte meine Koffer, setzte mich ins Auto und fuhr glücklich und erwartungsvoll los ins gelobte Land. Mein Kater folgte mir drei Tage später, meine Freundin brachte ihn mir mit dem Flugzeug. Fast die Hälfte des Jahres verbringen wir jetzt im Alentejo und ich bin dabei mehr als zufrieden. Auch der Kater hat sich gut eingelebt, konnte innert kürzester Zeit portugiesisch miauen und hat viel Gesellschaft bekommen.
 
Ellen schrieb:
Ja, ja, die Schweizer und ihr Deutsch ;-)))

Ellen

Stimmt, Ellen, bei uns werden Autos nicht geparkt, sondern parkiert. Unser Fleisch wird nicht gegrillt, sondern grilliert. Wir ziehen auch nicht um, wir zügeln. Gehsteige gibt es bei uns keine, wir haben Trottoirs, und unsere Kinder gehen nicht mit einem Ranzen zur Schule, ein Ranzen ist bei uns das, was viele Männer vom Biertrinken bekommen. Wir fahren auch nicht in den Urlaub, sondern in die Ferien. Urlaub gibt es höchstens beim Militär oder bei Mutterschaft, Ferien sind viel schöner! Und Sahne essen wir auch keine, Rahm schmeckt uns besser.

Deutschland ist nicht das einzige deutschsprachige Land, und sowohl in Österreich wie auch in der Schweiz gibt es halt sprachliche Unterschiede. Unser Deutsch ist deshalb weder besser noch schlechter, nur einfach anders. Hauptsache, wir verstehen uns, nicht?
 
Ich finde es ja auch einfach nur schön Bia ;-)

In einem Restaurant in Lucern stürzte mal eine Kellnerin auf mich zu und fragte, was ich denn haben wolle und machte (scheinbar) so einige Vorschläge.
Ich schaute meine Freundin an und fragte, ob die irgendetwas verstanden hätte und sie schüttelte den Kopf.
Darauf die Kellnerein : "Aber ich habe sie sehr gut verstanden!" und mit einem Grinsen sagte sie dann, sie kann auch Hochdeutsch reden lol
Hatten wir ein Glück!

Ich mag die Schweiz!
Ok aber nicht alles, wie halt überall auf der Welt.

Ellen
 
Auf den Hund gekommen

Als ich 1963 in Portalegre war, gehörten zur Familie, in der ich angestellt war, auch zwei Hunde. Einer davon, Faruk, war ein Serra da Estrela. Ich liebte ihn genau so heiss wie er mich, zwischen uns entwickelte sich in dem halben Jahr eine grosse Freundschaft. Seither war es mein Traum, einen solchen Hund zu besitzen, aber so lange ich arbeitete und in einer Etagenwohnung lebte, war daran nicht zu denken. Jetzt aber hatte ich die Möglichkeit, mir auch diesen Wunsch zu erfüllen.

Bei früheren Reisen durch die Serra da Estrela hatte ich gesehen, dass da vielerorts am Strassenrand solche Hunde angeboten werden. Die Welpen sassen in viel zu kleinen Käfigen, der vollen Sonne ausgesetzt, und taten mir entsetzlich leid. Mir war klar, dass ich so etwas nicht unterstützen und nicht auf diese Weise zu meinem Traumhund kommen wollte. Ich machte mich also per Internet auf die Suche nach einem seriösen Züchter. Wer dies tut, stösst automatisch auf die Seite . Ich war begeistert, eine Züchterin und erst noch eine Landsmännin! Nach dem Austausch mehrerer Mails und einem Besuch im Zwinger von Suzette war ich mehr als überzeugt, wo ich meinen Hund kaufen würde. Am 27. Oktober 2003 wurde Tessa geboren, und am 7. Januar 2004 konnte ich sie abholen. Wie ein grosser Teddybär sah sie aus! Inzwischen ist sie gross geworden, wiegt 52 Kilo und ist sehr lieb, aber auch sehr, sehr eigensinnig. Sie gehorcht mir aufs Wort, wenn es ihr gerade so in den Kram passt, wenn nicht, habe ich nicht die geringste Chance gegen sie.

Tessa ist ein guter Wachhund, und dank ihrer Grösse flösst sie sehr viel Respekt ein. Niemand getraut sich, ohne meine Erlaubnis meinen Garten zu betreten. So ist sie mir nicht nur eine gute Gefährtin, sie ersetzt mir auch eine teure Alarmanlage! Ihre Lieblingsbeschäftigungen? Fressen, schlafen, meine sämtlichen Putzbemühungen sabotieren und spazieren gehen, in dieser Reihenfolge!
 
Sagt man in der Schweiz nicht bellen statt rufen?
Ich hab das auch mal gehört.
 
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