Meine Fahrt nach Paris, subjektiv und mein ureigener Eindruck.
Ich bin am Bahnhof angekommen, dreckig, chaotisch, laut, lärmend und stinkend nach Fäkalien und Erbrochenem. Die Bundespolizei wirkte in dem Trubel hilflos und verloren. Die Anzeigetafel zeigte lauter Verspätungen...nur für den Eurostar nicht. Der Zug kam pünktlich und fuhr pünktlich ab. Ein großer roter Wurm, sehr komfortabel ausgestattet, rote Sitze, jede Menge Stromanschlüsse, ein Bordbistro mit nachhaltiger Kost für jeden Geschmack, sehr nette und zugewandtes Personal. Das Internet im Zug war schnell und völlig problemlos.
Es erwartete mich eine Reise, bei der die Landschaft wie ein Gemälde an mir vorbeigezogen ist, ein Übergang von der rheinischen geordneten Frohnatur zur französischen Eleganz. Der Zug rollte an, ein leiser, stählerner Lindwurm, der mich von den gotischen Türmen des Kölner Doms wegtrug. Das Wetter war bedeckt. Ich sah die rheinische Ebene, eine Weite, in der die deutsche Ordnung in jeder Ackerfurche und jedem korrekt geschnittenen Waldstück sichtbar wurde. Ein vorüber gleitendes dynamisches Bild, flache fruchtbare Ländereien, durchzogen von glänzenden Bahnschienen unter einem grauen Himmel.
Es ging über Aachen durch Belgien. Die Landschaft wurde hügliger, die Bebauung dichter und ländliche, oft verschachtelte Dörfer prägten das Bild. Ich durchquerte die Region um Lüttich, wo die Spuren der Industriegeschichte in das Grün der Natur eingebettet sind. Danach raste der Zug durch die weiten, leicht gewellten Ebenen, die mit einer Mischung von Weideflächen und kleinen Gehöften überzogen sind. Ein ländliches Szenario, die eine Ruhe ausstrahlte. Kleine Wälder huschten vorbei, unterbrochen von den Flecken teilweise abgeernteter Felder. Ein Landstrich, der den Übergang von der klaren deutschen Struktur zu einer entspannteren, fast schon leicht verwilderten Schönheit markierte.
Nachdem wir Brüssel passiert hatten, erreichen wir die Grenze nach Frankreich. Das Landschaftsbild veränderte sich leicht, die weiten Ebenen der Picardie bereiteten sich vor meinem Blick aus, riesige sanft geschwungene Felder, die in Gold und Erdtönen trotz des Wetters leuchteten. Die Landwirtschaft dominierte das Bild und die Dörfer schienen kleiner, grauer und stolzer in der Weite zu stehen. Der Zug wurde schneller und die Bilder verschwammen zu impressionistischen Streifen. Es ist die Heimat der großen französischen Bauernhöfe, die oft von hohen Bäumen geschützt werden. Die Felder wurden größer und die Distanz zwischen den kleinen, steinernen Kirchtürmen wuchs. Eine typisch nordfranzösische Landschaft, eine Mischung aus Melancholie und ungebrochener fruchtbarer Kraft. Die letzten Kilometer waren der Übergang von Land in die Stadt. Die Felder wurden von Vorstadtgebieten abgelöst, die Geschwindigkeit reduzierte sich. Mauern, Gärten, dann Häuser, das Chaos der urbanen Peripherie, der Puls der Großstadt und mit einem letzten Ruck tauchte der Zug in das Gewirr von Paris ein, wo er mich im direkten Herzen der Stadt im Gare Du Nord pünktlich absetzte, einem Sackbahnhof mit endlos langen Bahnsteigen, schönen Gerüchen, hektischer Betriebsamkeit aber auch mediativer Ruhe in der Nähe im KMC Paris, dem buddhistischen Meditationszentrum neben geschäftiger Hektik der Strassen. Ich bin heute vom Rhein an die Seine gefahren, habe 3 Schichten Europas gesehen. Und jetzt wartet in Paris die Stadt der Liebe und die neue Notre Dame.