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Artikel Typisch portugiesisch und Geheimtipps, die nur Einheimische kennen

Dom Estêvão

Lusitano
Teilnehmer
Stammgast
Lesen auf eigene Gefahr oder »Don’t blame me, blame you!«

Wer sich nach der Lektüre dieses Beitrags seiner Urlaubsträume beraubt fühlt, sollte sich nicht bei mir beschweren, sondern bei seiner eigenen Naivität. Gebratene Tauben oder kostenlose Grüße aus der Küche gibt es bei mir bekanntlich nicht. Dafür vielleicht einen Realitätscheck?

Geheimtipps

Wer hier nach Geheimtipps fragt und ernsthaft eine Antwort erwartet, hat vermutlich die letzten 40 Jahre geschlafen. Und falls es wirklich noch den letzten Geheimtipp gibt, dann sollte man die Verräterin oder den Verräter teeren und federn, aufhängen, kielholen – und bitte alles gleichzeitig.

Der Tod des Geheimtipps ist genau diese dumme, öffentliche Frage und die noch dümmere öffentliche Antwort. Ich habe in den 70ern und 80ern einige vermeintliche Geheimtipps an enge Freunde weitergegeben. Nun ja, damals war ja ganz Portugal noch ein Geheimtipp. Später waren es Regionen, dann (Fischer-)Dörfer, Städte, coole Bars, schöne Strände, Restaurants usw. Seit dem Jahrtausendwechsel gibt es aber auch hier nichts mehr zu »tippsen«. Google findet alles; jeder Spacko, der zufällig mal in ein drittklassiges Dorfrestaurant gestolpert ist, schreit es als Geheimtipp in die Welt hinaus. Geheim? Es wissen nur wenige? Das war einmal!

Wenn es 1975 noch ca. 15 % »weiße Flecken« auf der Weltkarte gab, waren es 2025 0 %. Satelliten haben jeden Winkel auf der Erdoberfläche erfasst. Das Internet hat in Bezug auf Portugal und andere Länder dasselbe bewirkt. Es gibt keine weißen Flecken mehr, es gibt keine Geheimtipps!

Typisch portugiesisch

Wir sind in Portugal. Hier ist alles typisch portugiesisch. Allem voran die Portugiesen selbst. Fado ist typisch portugiesisch. Sardinen und Bacalhau auch. Sagres und Macieira sind typisch portugiesisch. Einfach mal einen Reiseführer aufschlagen, einen der zwei Millionen Portugal-Blogs lesen, einmal durchs Forum blättern oder die KI seiner Wahl befragen.

Nicht typisch portugiesisch ist hingegen, in einer schön hergerichteten, typisch portugiesischen Airbnb-Wohnung ein paar Tage in Lisboa oder Porto abzuhängen. Typisch portugiesisch ist dagegen, ein Hotel oder eine Unterkunft seiner Wahl zu buchen, wenn man Urlaub macht. Das kann die Altstadt-Bude sein. Das kann aber auch ein beliebiges Hotel, ein luxuriöses Resort oder eine einfache Pension neben dem Bahnhof sein. So machen es Portugiesen. Folglich ist es typisch portugiesisch.

Was ist an dem »typisch« überhaupt so geil? Wird eine klamme Bude angenehmer, wenn sie »typisch klamm« ist? Wird ein billiger Lappen Schwein mit triefenden Pommes besser, weil er in einem »typisch portugiesischen« Restaurant serviert wird? Oder schmeckt ein gut zubereitetes Essen mit Zutaten aus der Region nicht viel besser, auch wenn es untypisch ist?

Einheimische

Je nachdem, wo man in Portugal unterwegs ist, trifft man mehr oder weniger auf Einheimische. Das hat Portugal so an sich. Unter Einheimischen versteht man vermutlich Menschen – und vor allem Portugiesen –, die in Portugal aufgewachsen sind, ihr Leben in Portugal verbracht haben und in Portugal sesshaft sind. Eben der José aus dem Alentejo oder die Maria aus Trás-os-Montes.

Viele von diesen Einheimischen kennen sich in ihrer Region gut aus, sind dort bekannt und jeder kennt jeden. Ganz wie in Deutschland auf dem Land oder im Großstadt-Kiez. Ein Alentejano aus einem kleinen Dorf ist aber ziemlich verschieden von einer Lisboeta aus der Baixa. Allen gemeinsam ist, dass sie ganz normale Menschen sind: schlau, dumm, aggressiv, liebenswürdig, ehrlich, falsch, geduldig. Genau wie die Nichteinheimischen, genau wie die Besucher, Touristen und Einwanderer.

Ist ein Strand, ein Restaurant oder ein Hotel besser, weil man dort einige Einheimische trifft? Die Antwort ist einfach: Nein, es kommt auf dich an! »Einheimische« wissen nicht, was dir schmeckt, wie viel Geld du hast oder welche Art Strände du magst. Sie nutzen einfach das regionale Angebot. Oft haben sie viel weniger Vergleiche als du. Manche sind mit Gerichten groß geworden, die dir vielleicht gar nicht schmecken. Arroz de Cabidela oder Sarrabulho mit einem roten Vinho Verde beispielsweise ist nicht jederfraus Sache. Açorda oder Migas empfinden manche als »schon einmal gegessenes Brot«.

Ich sehe täglich Einheimische, die beim Lidl alten Fisch kaufen. Auch ich kaufe ausnahmsweise mal im Supermarkt Fisch. Der kommt dort auch manchmal frisch an, und auf den Märkten wechselt auch so manch zweifelhafter »Peixe« den Besitzer.

Sei ein ehrlicher Tourist

Ich empfehle allen Touristen und Reisewilligen, die Portugal besuchen wollen, erst einmal gründlich nachzudenken, was man überhaupt will. Dann die Pläne erstellen oder einfach ohne Plan hinfahren.

Ihr bekommt alles, was ihr sucht. Ihr müsst nur die Augen öffnen.

Man entdeckt eine nette, helle, sonnige Ecke in einem Café und eine hübsche und freundliche Bedienung lächelt einen an. Wenn sich das am nächsten Tag wiederholt, hat man seinen Geheimtipp selbst gefunden.

Wer Portugal kennenlernen will (typisch portugiesisch), muss sich nur umschauen und seine Umgebung beobachten. Das Beste: Alles ist typisch portugiesisch. Ihr seid doch in Portugal. Typische Bauwerke (Geschichte), typische Bepflanzung (durch Gassen, Natur und Städte schlendern), typische Gewohnheiten (im Café sitzen und zuschauen, am Ufer entlanglaufen), typisches Essen (an jeder Ecke, oft schlecht). Alles kann man mit ein paar Mausklicks hier und anderswo nachlesen.

Wer heute noch davon faselt, „wie ein Einheimischer“ wohnen oder essen zu wollen, sollte diese vollkommen naive Idee vergessen. Ihr seid keine Einheimischen. Ihr seid Touristen, die ein Land besuchen – und genau so solltet ihr euren Urlaub auch verbringen. Lasst die Instagram-Welt mit ihren inszenierten „Live like a local“-Märchen hinter euch; das ist nichts als billiges Marketing für Naive.

Einheimische wohnen hier, weil sie hier arbeiten und ihren Alltag bewältigen müssen; ihr seid hier, um Portugal zu sehen. Akzeptiert eure Rolle, statt Euch wie Disneyland-Besucher aufzuführen. Wer Portugal wirklich sehen will, schaut hin, beobachtet und genießt seinen Status als Gast, anstatt einer Identität hinterherzujagen, die ihm nicht gehört, oder ein Rollenspiel im Vergnügungspark zu spielen.

P. S.: Führt die Unterhaltung gerne konstruktiv weiter. Mir geht es hier um die vielen Facetten unrealistischer Träumereien, entstanden aus einer oberflächlichen Selfi-Kultur, einer Kultur der geschönten, öffentlichen Selbstdarstellung, die ich gerade hier im Forum auch immer wieder zwischen den Zeilen herauslese (oder es mir zumindest einbilde). Wir hatten schon andere Themen mit ähnlichen Themen. Da war mal was vom gelobten Land, von Leuten, die hierherkamen, und alles war nur noch rosa, und nach ein paar Monaten sind sie wieder nach DE zurück etc.
 
Alles, was der Dom hier schreibt, ist richtig.
Aber ist gibt naürlich unterschiedliche Herangehensweisen, ein Land zu entdecken. Ob nun der Besuch großer Städte mit vielfältigen kulturellen Angeboten der "richtige" Weg ist oder aber man lieber zu Fuß über miserabel markierte Wanderwege stolpern möchte, das kann nur der Reisende entscheiden.
Letztendlich findet man aber für jedes Interesse in Portugal schöne Urlaubsziele - und oft auch Portugiesen. Von denen ist jeder typisch und zwar immer.
Wenn es nicht sehr, sehr viele Menschen gäbe, die immer Sommer gerne an den Strand gehen, wären die Strände im Sommer nicht so voll. Und weil es nicht viele Menschen gibt, die gerne mit Rucksack im Regen im Winter durch das Hinterland marschieren, ist es dort eher ruhig. Typisch ist aber beides und typisch sind auch die Menschen die einem hier wie dort begegnen.
 
Ihr bekommt alles, was ihr sucht. Ihr müsst nur die Augen öffnen.
Oder man merkt, wenn man ehrlich zu sich selber ist, dass die Realität nicht den eigenen (Traum)vorstellungen entspricht.
Wenigstens nicht immer und nicht ganz.
Man entdeckt eine nette, helle, sonnige Ecke in einem Café und eine hübsche und freundliche Bedienung lächelt einen an. Wenn sich das am nächsten Tag wiederholt, hat man seinen Geheimtipp selbst gefunden.
Und beim nächsten Urlaub, oder schon in einer Woche, trifft das nicht mehr zu, warum auch immer.
Vieles ändert sich, manches langsam und schleichend, manches überrumpelnd schnell.

Haste schön geschrieben, lieber @Dom Estêvão. PS: ich mag Açorda und Migas :-D
 
Wirklich sehr schön von dir geschrieben @Dom Estêvão. Der Schnitt fing genau wie du es geschrieben hast, mit Satelliten und vor allem GPS an. Die Zeit der Umstellung habe ich erleben müssen. Ich durfte noch mit Tachymeter, Theodolit, Geodimeter, Tellurometer, Prisma, Reflektor, Dreifuß...arbeiten.
Aber, der Genauigkeit halber, deine Aussagen betreffen nur das Land. Fast die gesamte Landfläche der Erde (ca. 29%) ist kartiert, aber über 80% des Meerbodens, also circa 71% der Erde sind unerforscht und nicht hochauflösend kartiert. Aktuell gibt es für unter 20% der Tiefsee hochauflösende Daten, und nur winzige Bruchteile wurden visuell erkundet, wobei der Großteil der Kartierung durch Satellitenfernerkundung und nicht durch direkte Vermessung geschieht.
 
Richtig - ein Geheimtipp ist sobald im Internet gepostet keiner mehr.

Wer das typische sucht , solche sich nach gut besuchten Restaurants der Einheimischen umsehen,
auch abseits der Hauptstrassen , auch in kleinere Orten oder abgelegen Stränden.

Das typische findet man oft abseits der Hauptrouten. Alte Häuser , typische Cafes , Herbergen usw.

Für die Gegend nördlich Porto - bei Vila do Conde - Alternative Route in -Grün- für Entdecker - eine Art Geheimtipp - von uns . Vamos
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