Hallo zusammen,
ja, durchaus. Zu Beginn der Pandemie ist die chinesische wissenschaftlich-medizinische Szene (so nenne ich das mal) von hiesigen Wissenschaftlern vor allem für das zögerliche Melden der Zahlen kritisiert worden. Das hat sich nach ein paare Wochen geändert, dann wurden die Chinesen für die Gründlichkeit gelobt. Ich habe recherchiert und bislang keine wirkliche Kritik an der Seriosität der Zahlen gefunden. Natürlich gibt es hier und da Stimmen, aber grundsätzlich werden die Zahlen
nicht angezweifelt. Wer etwas Konkretes andereres kennt - immer her damit.
Was mich an dieser Stelle
nicht interessiert, sind die Zeugnisse für einen schlechten Leumund: Uiguren, Hongkong, Seidenstraße usw. Das mag alles so sein, ist mir aber insofern in Sachen Corona egal, als dass das erstmal auf einem anderen Blatt steht. Dass China eine üble Diktatur ist, braucht man nicht anzuzweifeln, darum geht es aber nicht in erster Linie. Wer hier den Gegensatz Corona-Maßnahmen und Demokratie grundsätzlich konstruiert, baut Scheinalternativen auf, die es so nicht gibt.
Ich bleibe dabei: China macht vieles richtig und setzt richtige Prioritäten sehr konsequent um. Das ginge bei uns auch, würden erstmal einfach nur bestehende Gesetze umgesetzt! Das Infektionsschutzgesetz sieht harte Maßnahmen vor – es wird sehr lasch umgesetzt. Nach der Einreise nach Deutschland aus einem Risikogebiet soll man in Quarantäne – es wird an den Grenzen allerdings praktisch nicht kontrolliert. Private Kontakte sollen reduziert werden – was sicher nicht in ausreichendem Umfangt passiert, es soll Homeoffice gemacht werden – was ausgeweitet werden könnte, usw. usw.
Schon jetzt gibt es auch bei uns Forderungen, den Lockdown light, den wir immer noch haben, für einen kurzen Zeitraum zu deutlich verschärfen, um die Zahlen endlich wirklich zu drücken. In anderen europäischen, demokratischen Ländern gab es sehr weitgehende Ausgangsbeschränkungen, Reiseverbote und Einschränkungen der Produktion – bei uns ja auch.
Dass man das jetzt nicht macht, hat nichts damit zu tun, dass es vernünftig ist. Dass etwa XT600 reisen kann, was er falsch als "sinnvoll erlaubt" interpretiert, ist eine von vielen Konzessionen an "die Wirtschaft". Faktisch ist es natürlich so, dass die ökonomische Komponente eben unser Leben und Überleben garantiert, aber die Frage nach dem Preis sollte man ja doch noch ein bisschen gründlicher diskutieren. Wir haben in Europa in der ersten Welle geschätzt 200.000 Tote durch Corona, in der zweiten Welle werden es wohl deutlich mehr sein. Und das vor allem, weil man eben vor den neoliberalen Propheten, die seit 30 Jahren seit Reagan und Thatcher unser Leben bestimmen, immer wieder einknickt. Und das eben weltweit. Wie man mit Corona fertig werden kann, wenn man die Prioritäten anders setzt und (sicher nicht aus Menschlichkeit, sondern ebenfalls aus ökonomischen Motiven, aber eben aus anderen), kann man an China eben sehen.
Wir mit unserer individuellen Liberalität opfern die Alten und die Schwachen – wie immer. Das Kapital darf nicht aufhören zu produzieren und geht eben notgedrungen über Leichen. Es erscheint uns so undenkbar, einen harten Lockdown für ein paar Wochen zu machen, und wenn jemand das vorschlägt, dann ist gleich die Demokratie in Gefahr. Dabei sind die Demokratie und unsere Werte deutlich mehr in Gefahr, wenn wir weiterhin herumeiern und bestimmte Teile der Gesellschaft opfern. Das ist in dieser Form fast schon unzivilisiert und könnte sich am Ende als die schlimmere Lösung herausstellen, als die chinesische.
Denn ist das wirklich Euer Ernst, dass man wegen Portugal-Trips, Restaurants, ein paar Monaten Schule usw. hunderttausende Tote hinnehmen kann und will? Hätte man sehr schnell sehr einschneidende Maßnahmen gemacht, europaweit und weltweit, wenigstens zu Beginn der zweiten Welle, hätte man sich die ganzen langwierigen Maßnahmen, die sehr einseitig Kultur und Gastronomie, vor allem aber Künstler treffen, sparen können. Was jetzt passiert, ist schlimmer als China, jedenfalls für diejenigen, die man hopps gehen lässt.
Mir auch, definitiv, aber darum geht's nicht
kann man nicht alles unter den Teppich kehren
sehe ich auch so, und es gibt eben keinen Anlass, das zu glauben.
Und in Asien sind Menschen generell anders erzogen und ordnen sich eher dem "Allgemeinwohl" unter.
kommt dazu
Die Methoden der Chinese können wir nicht übernehmen, das wird hier nicht durchsetzbar sein.
Warum nicht? Welche denn? Wir haben deren Methoden zu Teilen im Gesetz stehen, setzen sie nur nicht um.
Natürlich kann man das alles ausblenden,
Macht aber keiner, es geht nur um etwas anderes.
Zahllosen Firmen geht mittlerweile auf, dass durch deren "Wissenstransfer" mittlerweile eine Ungleichheit entstanden ist, die die eigenen Firmen stark benachteiligt.
Dein Ernst? Das Problem war schon vor 15 oder 20 Jahren bekannt. Wenn es den Firmen erst jetzt aufgeht ... Die Gier an den günstigen Produktionskosten und den guten Produktionsbedingungen in einer Diktatur teilhaben zu können, war hier wohl größer als die Liebe zur Demokratie. Das ist doch Bigotterie, bei uns die Demokratie verteidigen zu wolle und in China von deren Fehlen zu profitieren.
die Maßlosigkeit, wie auch die Offensichtlichkeit, wie China fremdes geitiges Eigentum stiehlt, trifft immer mehr ausländische Konzerne.
Ist alles bitteschön nicht neu.
Klar, auch bekannt aber nicht relevant. Man könnte ohne jede Gefährdung der Demokratie den chaotischen Liberalismus für ein paar Wochen einschränken. Es würde schon reichen, geltende Gesetze anzuwenden. Aber diese, unsere Gesetze, gelten ja als "nicht durchsetzbar" ...
Kai