Der große Blackout in Portugal und Spanien im April 2025 - abschließender Bericht.
Fast 50 Energieexperten aus mehreren europäischen Instituten haben den Blackout auf der Iberischen Halbinsel untersucht.
Der 472-seitige Untersuchungsbericht zum schwersten Stromausfall in Europa der letzten 20 Jahre kommt zu dem Ergebnis, dass eine Kombination aus unglücklichen Umständen und vor allem veralteten sowie unzureichenden Sicherungssystemen für die großflächige Störung verantwortlich war.
Bericht als PDF (EN):
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Im Folgenden eine Zusammenfassung (mit KI-Unterstützung)
Auslöser der Störung
Es traten zwei unabhängige Ereignisse auf, die zu Spannungsschwankungen führten:
- Eine innereuropäische Oszillation
- Eine erzwungene Schwingung durch einen Umrichter, die sich ausschließlich auf die iberische Halbinsel auswirkte
Auf beide Ereignisse wurde zunächst korrekt reagiert: Exporte ins Ausland (insbesondere nach Frankreich) wurden reduziert und zusätzliche Leitungen zugeschaltet. Dadurch konnten die Oszillationen gedämpft werden – gleichzeitig stieg jedoch die Spannung im spanischen Netz weiter an.
Hauptursachen des Blackouts
1. Fehlerhafte Sicherheitseinstellungen
Der anhaltende Spannungsanstieg führte dazu, dass zahlreiche Kraftwerke und Umspannwerke sich vom Netz trennten. Dabei wurden weder die vorgeschriebenen Grenzwerte noch die geforderten Verzögerungszeiten eingehalten.
Auch viele kleine Solaranlagen schalteten sich deutlich früher als vorgesehen ab. Da diese Anlagen bis dahin Blindleistung aus dem Netz aufgenommen (und damit die Spannung gesenkt) hatten, verstärkte ihr plötzliches Abschalten den Spannungsanstieg zusätzlich.
2. Fehlerhafte Regelung und unzureichende Gegenmaßnahmen
Weitere Stabilisierungsmaßnahmen verzögerten sich oder blieben komplett aus. Die Zuschaltung von Drosselspulen erfolgte im spanischen Netz manuell – bei einem Ereignis, das sich innerhalb weniger Minuten abspielte, fehlte schlicht die Zeit für diese manuellen Schritte.
Zudem fehlte die eigentlich vorgeschriebene und eingeplante Blindleistungsstützung durch große konventionelle Kraftwerke. Laut Bericht erreichten weniger als drei Viertel der überprüften Kraftwerke die geforderten Werte.
Strukturelle Schwächen des spanischen Stromnetzes
Als zentrales Problem wurde die viel zu geringe Sicherheitsmarge im 400-kV-Übertragungsnetz identifiziert. In Spanien gilt bis 435 kV als sicher, ab 440 kV dürfen Generatoren abschalten. Im übrigen Europa liegt die Grenze bei 420 kV. Der Puffer ist damit extrem klein.
Hinzu kommt die Unflexibilität der erneuerbaren Energien: Viele Anlagen passen ihre Blindleistung nicht dynamisch an die Netzspannung an, sondern liefern sie proportional zur Wirkleistung. Große Anlagen (ab 5 MW), die eigentlich steuerbar wären, erhielten Regelbefehle teilweise per E-Mail, eine Anpassung in Minuten oder Sekunden war unmöglich.
Als die Spannung stieg, schalteten sich immer mehr Anlagen gleichzeitig aus Sicherheitsgründen ab. Der dadurch entfallende Verbrauch von Blindleistung ließ die Spannung unkontrolliert weiter ansteigen und führte zum vollständigen Kollaps des iberischen Stromnetzes.
Forderungen des Berichts
- Erhebliche Verbesserung der Spannungsregelung, insbesondere ein automatischer Spannungsregelungsmodus für erneuerbare Anlagen
- Angleichung der Grenzwerte an europäische Standards
- Schnellere und bessere Kontrollen der Schutzeinstellungen
- Ausbau dämpfender Anlagen (z. B. Statcoms und Phasenschieber)
- Realistische Netztests mindestens alle 3 Jahre sowie ausfallsichere Kommunikationssysteme (mind. 24 Stunden autark)
Fazit:
Der Stromausfall war nicht durch ein einzelnes dramatisches Ereignis ausgelöst worden, sondern durch eine Kette systemischer Schwächen: unzureichend ausgelegte und veraltete Schutzeinrichtungen sowie mangelnde automatische Regelungs- und Stabilisierungsmechanismen im europäischen Stromnetz.
