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News Sorgt die Wohnungsnot in Portugal für einen Rechtsruck?

Sehr interessant der Link.
Man sieht, dass es die meisten Überlegungen und Pläne einer lebenswerteren Stadt damals schon gab, obwohl es noch nicht mal den Verkehrskollaps gab.

Ich hab aber das Gefühl, dass das aktuell am Ausgangspunkt scheitert und der heißt: Zu viele Menschen und kein Geld oder Wille für bezahlbaren Wohnraum in Hotspots. Wie will man das nachträglich steuern oder neu planen?
Wo wäre überhaupt Platz für neue Wohnungen?

Mmh...und wenn man die ganzen Airbnb zumacht? Kommen dann keine Touristen mehr?
Oder werden einfach neue Hotels gebaut?

Spontaner Gedanke, der nur in meiner Fantasiewelt funktioniert:
Die Touristen-Tagessteuer zu erhöhen und Geld 1:1 in die "Enttouristifzierung" zu stecken
:-D
 
Da gibt es Tausende Konzepte und Ideen. Aber eines wird einfach nicht funktionieren. Den Status quo zu verteidigen, obwohl der Tsunami schon da ist.

Nimm einmal Almada in Portugal. Ein schrecklicher Vorort. Da will man echt nicht hin. Oder die Wohnblockbunker-Vororte nördlich von Lisboa. Horror, für meinen Geschmack. Aber muss das so sein? Ist es gottgegeben, dass es in der Innenstadt nette Penthäuser und Altbauten gibt und anderswo nur Betonklötze? Weshalb schafft man nicht moderne Strukturen mit öffentlichen Bereichen, kleine, bewohnbare und vielleicht sogar nachhaltige Bairros mit trockenresistenter Begrünung und Platz für dezentrale, kleine Einkaufszentren, Parkbänke und sogar lokale Märkte? Mal einen Holzspielplatz mit Grün drumherum oder mitten darauf, statt die Gummimatten-Plastik-Spielplätze? Ja, das kann (muss nicht immer) etwas mehr kosten. Menschen, die nett wohnen und zumindest von dieser Seite her zufrieden sind, können für eine Gesellschaft insgesamt einen großen Return of Invest darstellen. Und darum geht es ja allen.

Dummerweise träume ich manchmal von einer besseren Welt, obwohl ich ja die Bibel kenne und weiß, dass wir aus dem Paradies vertrieben wurden, und zwar aus eigener Schuld!
Gibt es ja alles. Viertel wie Bela Vista oder Amadora haben ihre dezentralen Malls. Große Wohnviertel wie Lumiar wurden mit schönen Parkanlagen angelegt.

Und es gibt natürlich auch in Vororten jede Menge hochwertigere Wohnraumentwicklung. Wir schauen zB. durchaus auf einige Projekte in Loures, weil dort viele neue Gebäude auch in gehobener Qualität, mit schönen Grünanlagen, Gemeinschaftspools und Fitnessbereichen entstehen, während der Ort in den kommenden Jahren auch an die Metro angeschlossen wird. Also es ist nicht so, dass die Vororte nur heruntergekommene Hochhaus-Brennpunkt-Siedlungen bieten.

Letztendlich sind die Wohnblock-Bunker aber auch notwendig, weil sie die Kosten pro Wohneinheit reduzieren und so sozialen Wohnungsbau überhaupt erst ermöglichen. Schönes Ambiente kostet am Ende auch viel Geld und das wollen viele Gemeinden halt nicht mit vollen Händen rausschmeißen.
 
Numa entrevista para o canal SIC, André Ventura afirmou que "eram necessários três Salazares para pôr ordem em Portugal".

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Ich hänge das mal hier ran, statt ein neues Thema aufzumachen, es geht ja allgemein um das »Wohnproblem« und die politischen Folgen.

Beim Frühstück haben wir zufällig Dlf gehört und zufällig im Dlf das gehört, ein sehr gutes, ausführliches Feature zum Thema → Wem gehört die Stadt? Wohnungsnot in Lissabon

(Bestätigt mich auch darin, den Leuten die Ferien im typischen Airbnb-Appartment weiter madig zu machen, oder auch im gerade wieder neuen Hotel.)
 
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Tourismus ist für die portugiesische Wirtschaft und den Arbeitsmarkt elementar. Aber immer mehr Hotels und Ferienwohnungen geht eben nur, wenn man auch kräftig neu baut. Ferienwohnungen zu deregulieren, damit zigtausende Wohnungen aus dem Miet- und Kaufmarkt zu nehmen, gleichzeitig aber nicht neu bauen und die Auswirkungen dieser Kombination nicht mal im Ansatz zu begreifen, war ein außerordentlich kurzsichtiges Kunststück der Konservativen unter Passos Coelho.

Ähnliches sieht man aber auch in Deutschland. Auch dort wurde lange tatenlos zugeschaut, bis das Kind längst in den Brunnen gefallen war und die Politik endlich mal zu der Einsicht kam: Wir müssen mehr bauen. Und dann stellt der durchschnittliche Politiker schockiert fest: Das ist mit Bürokratie und Handwerkermangel gar nicht so einfach kurzfristig zu schaffen.
 
Aber immer mehr Hotels und Ferienwohnungen geht eben nur, wenn man auch kräftig neu baut.

Ach, die lieben Märkte, man könnte dann ja auch sagen: der Markt wird's schon regeln und durch seine mächtige Hand neue Wunder wirken, wenn der Tourismus gedrosselt wird. Warum so wenig Vertrauen in seine unsichtbare Hand?
Aber das Problem ist natürlich, dass geglaubt wird, dass die Märkte »elementar« sind. Entsprechend begrenzt sind dann die Lösungsvorschläge.

Hauptsache bauen, wir haben ja genug Raum, der bewirtschaftet werden kann, dann wird's schon? Deregulierung mit noch mehr Deregulierung bekämpfen?

Aber da man sich die neuen Wohnungen leisten können möchte, heißt dieses "wir bauen" vermutlich, dass neue Wohnungen staatlich - wie auch immer - gefördert werden sollen? Also staatliche Tourismusförderung (indem die Schäden der für touristische Projekte vorgenommenen Deregulierung kompensiert werden) einerseits, andererseits staatlich gefördertes »bezahlbares« Wohnen? Weil ja auch gerade in Portugal die gut verdienende Mittelschicht, die immer meint, mit Leistung käme man schon weiter, so langsam panisch wird (womit wir wieder beim Titel dieses Threads wären). Was dann eben zeigt, dass dieser »Miet- und Kaufmarkt« reine Phantasie ist, weder gibt es einen funktionierenden Wohnungsmarkt, noch wird der »Markt« hier irgendwas Vernünftiges ausrichten.

Im Feature werden noch andere Erfahrungen & Idee besprochen, lohnt sich also wirklich reinzuhören → Wem gehört die Stadt? Wohnungsnot in Lissabon
 
Der Markt würde vielleicht reagieren, wird aber durch Bürokratie abgewürgt. Gerade selbst mitbekommen: Für das Gutachten zur Lizenzierbarkeit eines Hauses muss es ein Gespräch mit dem Bauamt geben. Es war drei Monate lang nicht möglich, einen Termin zu bekommen, weil die Mitarbeiter zu viel zu tun hätten, und es gibt auch keine Terminliste für die Zukunft. Der schriftliche Grundbuchauszug lag vier Monate später immer noch nicht vor. Es ist kein Wunder, dass so viel leer steht.

Das erinnert mich schwer an Deutschland, wo man Monate auf einen Termin bei der Führerscheinstelle wartet, der nur im 20-Minuten-Raster vergeben wird. Der Umtausch war in weniger als 5 Minuten fertig, danach gingen die Mitarbeiter bis zum nächsten Termin in die Kaffeeküche.
 
Es gibt einen neuen Beitrag von der DW zum Thema Wohnungsnot. Was ich ein bisschen bemängele ist, dass fast gar keine Portugiesen zu Wort kommen.

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