AW: Bleibt ihr, falls Portugal zusammenbricht?
Was soll DAS denn heissen?
LG Claudia
Naja, die Brasilianer sind in vieler Hinsicht so, wie Du z.B. Dir die Portugiesen vorstelltst. Aufgeschlossen, freundlich und gehen gerne auf andere Menschen zu.... jendenfalls so im allgemeinen....eigentlich will ich hier nicht mit diesem Schubladen anfangen...
Aber was Bürokratie, zugang zu Krediten, Korruption, mangelde Bildung etc. angeht ist es in Brasielien sicherlich noch viel schwieriger ein Unternehmen zu gründen wenn man zu der Mehrheit der Bevölkerung, nämlich zu den sog. "Armen" gehört.
Ansonsten denke ich, dass Portugal immer noch mit den Folgen der Diktatur, in der bis vor 35 Jahren ein paar wenige Familien sich den Reichtum aufteilten und alle andern dumm gehalten wurden, zu kämpfen hat. Nach der Diktatur kam dann das genaue Gegenteil als kommunistische Gruppierungen an die Macht kamen. Diese haben dann auf die heutige Zeit gesehen auch noch einmal einen grossen Schaden angerichtet.
Portugal hat die restriktivsten Arbeitnehmerschutzgesetze Europas - das erschwert die Gründung neuer Arbeitsplätze. Flexible Arbeitszeiten etc. wird sehr erschwert. So werden viele immer nur mit Recibos Verdes hingehalten und haben gar keine Chance richtig in den Arbeitsmarkt hereinzukommen. In den Firmen sitzen oft Leute, die gar keine Lust auf den
Job haben, aber nicht wechseln wollen, da sie inzwischen ja schon ein hübsches Sümmchen an Entschädigungsanspruch angesammelt haben und lieber noch ein paar Jahre ansitzen, wenn wenn man sie loswerden will, müsste man sie ja auszahlen (das habe ich leider selbst erlebt in meiner ehemaligen Firma, junge motivierte Leute haben höchstens noch mal Praktikantenverträge bekommen, mussten aber einen grossen Teil der
Arbeit und auch der Verantwortung tragen, haben aber nie einen festen Arbeitsvertrag bekommen).
Was das Festschreiben der Mieten in den Städten angerichtet hat sieht man ja in Lissabon an jeder Ecke. Die Häuser in denen noch die älteren Leutchen mit den 20€-Mieten (ja, für die ganze Wohnung) leben verfallen. Sind die alten Mieter dann gestorben, wird das ganze Haus renoviert und in ein Luxus-Kondominium umgewandelt.... Keine Ahnung werd das bezahlen kann...
Genauso ist es mit dem Ausbildungssystem - noch vor 35 Jahren war die Analphabetenquote in Portugal horrend hoch. Mittlerweile ist der Anteil der Studierenden sehr hoch geworden.
Das sind jetzt die Punkte, die mir so spontan eingefallen sind, aber es gibt sicherlich noch viel mehr. Jedes Land hat seine Geschichte, die ob man will oder nicht, immer noch Einfluss hat.
Trotz dieser schwierigen Vorraussetzungen gibt es in Portugal immer wieder erfolgreiche Unternehmensgründungen in viel Bereichen (und ich meine jetzt nicht die Shoppingcenter).
Diese ganze Diskussion ob man das sinkende Schiff Portugal verlassen sollte ist insofern schwachsinnig, da das Schiff dann auch Europa hiesse....
LG
Iris