Hallo
@Iris_K, generell würde ich gerne wissen wollen, in welchem Alter Deine Kinder nach Portugal kamen und wie es mit der Anpassung lief, man sagt ja immer, je kleiner/jünger desto unkomplizierter geht es. Vom portugiesischem Schulsystem habe ich bisher nur gehört, dass es sehr traditionell sein soll, also so in etwas: Kapitel 3 Seite 46 aufschlagen... und weniger offene Kommunikation/Diskurs. Auch die Kommunikation Lehrer/Eltern ist wohl eher zurückhaltend?
Wie sind die Erfahrungen mit Eurer privaten Schule?
Grüße
Bernardo
Hallo Bernardo,
Unsere Tochter ist hier in Portugal geboren. Aber Deutsch ist ihre Muttersprache und sie ist mit Deutsch aufgewachsen, weil auch ihr portugiesischer Vater zu Hause viel Deutsch spricht. Als sie in den Kindergarten gekommen ist, war es am Anfang schon ein bisschen schwierig und die Erzieherinnen haben gesagt, dass sie hauptsächlich „Nein“ gesagt hat. Ich habe dann angefangen, ihr auch mal portugiesische Bücher vorzulesen – mit dem Ergebnis, dass sie gut Portugiesisch, aber mit deutschem Akzent sprach.
Als sie in die Schule gekommen ist, war sie im ersten Halbjahr in einem Kurs „Portugiesisch für Nicht-Muttersprachler“. Da wurde sie dann aber gleich wieder rausgenommen.
Sie kommt in der Schule gut mit. Lesen kann sie gut in beiden Sprachen, aber das Schreiben ist natürlich schwer auf Deutsch. Die Schule geht aber jeden Tag sehr lange und daher ist es auch nicht so leicht, Deutsch zu üben. In der Grundschule hatten sie nur am Wochenende Hausaufgaben oder angekündigte Diktate, für die sie üben musste.
Was mir sehr positiv aufgefallen ist, ist, dass sie schon in der 1. Klasse immer kleine Präsentationen machen mussten und so geübt haben, vor den anderen Schülern etwas vorzustellen. Auch kommen die älteren Schüler manchmal zur Übung in die Klassen der jüngeren und stellen ihre Projekte vor. Zu Weihnachten und zum Sommer gibt es ein großes Schulfest, bei dem alle Schüler mitmachen können und gemeinsam jahrgangsweise einen Tanz oder ein Lied einüben, das den Eltern und Gästen vorgeführt wird.
Mir ist aufgefallen, dass sie dadurch keine Scheu hat, vor anderen zu reden oder auch mal spontan etwas in ein Mikrofon zu sprechen.
Was so mittelgut ist, ist, dass sie seit der 1. Klasse ein iPad nutzen und viele Übungen auf dem iPad zu machen sind. Einige Schulbücher haben sie dieses Jahr wohl auch nur digital. Gestern gab es extra eine Online-Schulung für die Eltern, da es immer komplizierter wird nachzuvollziehen, was denn nun wo auf dem iPad zu finden und eventuell noch zu machen ist.
Englisch wurde schon seid der 1. Klasse unterrichtet.
Die Kommunikation mit den Eltern hängt denke ich immer von den Bedürfnissen ab. Man kann immer einen Termin machen, um online oder vor Ort mit der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer zu sprechen. In der Grundschule durften die Eltern die Kinder noch bis ins Klassenzimmer bringen, da konnte man immer mit den Lehrern reden.
Außerdem gibt es WhatsApp-Gruppen – teilweise mit Lehrern – oder die Kinder können die Lehrer über Teams ansprechen.
Am Anfang des Schuljahres gibt es einen Elternabend, da wird eine PowerPoint-Präsentation gezeigt und es gibt nicht viele Diskussionen.
Als es bei uns mal ein Problem mit einer neuen Lehrerin gab, wurde dazu ein Elternabend veranstaltet.
Der Umgang zwischen Lehrern, Schülern und Auxiliares (Hilfskräften) ist sehr liebevoll. Die Kinder umarmen oft die Lehrer und Lehrerinnen und die Auxiliares. In der Grundschule hatte jede Klasse ihre eigene Auxiliar, die z. B. beim Mittagessen oder dem Haareföhnen nach dem Schwimmen etc. geholfen hat und auch ganz viel mit den Kindern, die Lust hatten, in den freien Stunden gebastelt hat. Es gibt ständig ein neues Fest und dafür wird immer viel gebastelt.
Die Kinder werden dort bis 19:00 Uhr betreut, wenn die Eltern das wollen. Unsere Tochter will meistens auch nicht sofort nach der Schule abgeholt werden, sondern bleibt gerne noch dort, um mit den anderen Kindern zu spielen. Verabredungen mit anderen Kindern finden eh eher am Wochenende statt, weil die Schule so lange geht und die Eltern meistens auch spät von der
Arbeit kommen.
Das ist, was mir so spontan zu unserer Schule eingefallen ist.
Gruss
Iris