Quique - Quo vadis?
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen ein Fazit über die Leistung des Trainers erst nach der Saison zu erstellen, aber nach den sportlichen Misserfolgen bekomme ich so meine Zweifel ob die Personalakte Quique in zwei Wochen nicht sogar schon geschlossen ist.
Quique Flores kam als ambitionierter Trainer und hatte zu Beginn der Saison die Herzen der Fans erobert. Sein jugendlicher Stil, erweckte Hoffnung auf einen Aufbruch. Rui Costa als Sportdirektor, der Spieler wie Reyes, Aimar oder auch Suazo verpflichtete, tat sein übriges zur mittlerweile gewohnten Sommereuphorie, die aber nun, zum Saisonende, mal wieder zur Saisonende-Depression wird.
Quique Flores ist schon lange nicht mehr unumstritten. Gerade die letzten Heimspiele, haben ihm schwer zugesetzt. Niederlagen zuhause gegen Guimaraens, Academica und nun das Unentschieden gegen Trofense, dazwischen die 1-3 Niederlage bei Nacional Madeira. Für Quique wird es langsam eng, das beweisen auch die immer mehr werdenden weißen Tücher, die im Stadion nach Spielende geschwenkt werden. Ein deutliches Zeichen, das die Fans sich abwenden vom Trainer.
Von der Vereinsführung kommen keinen klaren Statements, das man auch im nächsten Jahr mit Quique rechnet und in den Medien ist der anstehenden Trainerwechsel interessanter als die Meisterschaft des FC Porto.
Schauen wir auf die "nackten" Zahlen so stellen wir, auch zwei Spieltage vor Saisonende, fest, dass Quique zwar schon jetzt mehr Punkte holte als Santos, Camacho und Chalana in der gesamten vergangenen Saison. Dazu kam der, zugegebenermaßen unbedeutende Gewinn des Ligapokal, aber auch dieser Titel kann diese Saison scheinbar nicht retten. Quique kommt nicht an die Punkte ran, die Fernando Santos oder auch Ronald Koeman am Ende ihrer Spielzeiten präsentieren konnten. Der Portugiese beendete die Saison damals zwar auch "nur" auf dem 3. Tabellenplatz, war aber nur 2 Punkte hinter dem Meister.
Es war sicherlich keine einfache Saison. Viele neue Spieler mussten in die neue Elf eingebaut werden, und man hat das Gefühl das Quique bis zuletzt noch nach der idealen Stammelf sucht. Ein Trainer der zu Benfica kommt muss sich von seinen "erfolglosen" Vorgängern abheben und fast alles anders machen, und scheinbar wurde das dem Trainer zum Verhängnis.
Rui Costa hat dem Trainer fast alle Wünsche im Bezug auf Neuverpflichtungen erfüllt, aber es gelang dem Spanier nicht daraus eine Einheit zu formen.
Es stimmt wenn Quique sagt, das eines der Erfolge der Saison der Aufbau einiger junger Spieler war. Die Abwehr in den letzten Spielen mit Maxi Pereira, Sidnei, Miguel Vitor und David Luiz war die jüngste der Vereinsgeschichte mit einem Durchschnittsalter von 21 Jahren.
Aber in meinen Augen hat der Trainer eher in der Offensive versagt und das wird mit jedem Spiel und vor allem mit jedem Tor von Cardozo deutlicher.
Zu lange hat er Spieler auf den falschen Positionen eingesetzt. Aimar als hängende Spitze war verschenkt, Cardozo auf der Bank sowieso, Ruben Amorim auf dem rechten Flügel ebenfalls.
Zu sehr hat Quique zu Beginn an seinem nicht funktionierenden System festgehalten und an "seine" Spieler. Damit meine ich Spieler die er sich von Sportdirektor Rui Costa gewünscht hat. Suazo kam in der Saison auf gerade Mal 4 Tore, Cardozo ist mittlerweile schon bei 15 Toren.
Ohne Suazo seine Qualitäten, und die hat er definitiv, absprechen zu wollen, so wurde doch schnell klar, das er kein Spieler für Benfica ist. Er ist schnell, wendig und dynamisch. Ein idealer Konterspieler, nur ist es in Portugal meist so, das Benfica das Spiel machen muss und der Gegner auf Konter lauert.
Vielleicht hat Leo in seinen Aussagen recht. Der im Januar weggemobbte (es wird immer klarer das es so war) Linksverteidiger, erklärte der Presse gegenüber, das Quique "die portugiesische Liga nicht versteht"...
Es wird schwierig sein, den Trainer über dieses Saison hinaus zu halten. Dafür müssen die letzten beiden Spiele unbedingt gewonnen werden, damit sich die Wogen wieder ein wenig glätten, und selbst dann bin ich mir nicht sicher ob die Zukunft von Quique Flores noch viel mit Benfica zu tun hat.
Auf der anderen Seite stehen natürlich Abfindungen in Höhe von ca. 3,5 Mio Euro für den Trainerstab des Spaniers, der noch einen Vertrag bis 2010 hat. Doch es geistern schon die ersten Namen durch die Medien. Kein gutes Zeichen für die Kontinuität des Projekts.
Heute waren es die Namen von Scolari und Jorge Jesus die in den Sportzeitungen des Landes die Verkaufszahlen in die Höhe treiben sollen. Wieviel an diesen Namen dran ist wird sich in der Zukunft zeigen.
Wenn Quique gehen sollte, muss Rui Costa als Sportdirektor dafür sorgen, das sein Projekt nicht ganz auseinander fällt und er wieder bei Null anfängt. Das soll heissen, das er dafür Sorge tragen muss, dass der Kern der Mannschaft erhalten bleibt egal wer Trainer wird. Es darf nicht passieren das ein neuer Trainer kommt der gibt wieder 10 Spieler ab und darf sich 10 neue aussuchen und das gesamte Spiel geht wieder von vorne los.
Nein, es muss jemand sein, der die Spieler die da sind zu einer Einheit formt. Denn Potential ist da, es muss nur genutzt werden. Dann wäre ein Trainerwechsel auch keine verlorene Zeit.
Von den beiden weiter oben genannten Trainern würde mir deswegen auch Jorge Jesus besser gefallen. Ein Scolari hat zwar die größere Erfahrung, aber sicherlich auch die größere Gehaltsforderung und dementsprechend auch größere Anforderung an neue Spieler. Jorge Jesus hingegen kennt die Liga und auch die Spieler die Benfica zur Zeit in den eigenen Reihen hat. Er wäre, in meinen Augen, der ideale Trainer um die Kontinuität dieser Mannschaft unter einem neuen Trainer zu gewährleisten.
Ich bin mir nicht sicher was das Beste für dieses Benfica ist. Aber unabhängig von meiner Meinung, sehe ich für Quique Flores, zur Zeit keine Zukunft in Lissabon. Er hat das Vertrauen von Medien, Präsidium und Fans verloren, und damit keine Basis um die Mannschaft eine weitere Saison zu führen. Ich denke das hinter den Kulissen bereits der Trainer 2009/10 gesucht wird. Hoffentlich ohne die Kontinuität der Mannschaft aus den Augen zu verlieren.