Klein, klein, Null Fantasie, Null Visionen. Hätte die Welt nur solche Flachmaten geschaffen, würden wir heute noch Hexen verbrennen und Kranke zur Ader lassen.
Jeder Fuggler will in seinem eigenen Blechkasten sitzen und den knappen öffentlich Raum in Städten verbrauchen. Es kommt einmal eine Zeit, in der wir spätestens (oder viel früher) unsere Blechkästen vor Ballungsgebieten stehen lassen werden (müssen).
Ob uns nun elektrische Mietroller, Mietfahrräder, kollektive elektrische Kleinbusse, überirdische und unterirdische Schienenfahrzeuge oder was auch immer in und durch Innenstädte bringen wird, sei dahin gestellt. Mit einer cleveren App wird die Nutzung solcher Angebote geschmeidig und komfortabel. Uber gibt uns schon einmal eine Idee, was man alles aufs Handy zaubern kann.
Bereits vor 30 Jahren hat mich auf Trinidad diese Taxi-/Busmischung beeindruckt. Fette Ami-Schlitten sind wie Taxis überall herum gegurkt. Die hatten so halbwegs abgesteckte, aber flexible Routen. Man wurde direkt an die gewünschte Adresse gefahren. Bei Frauen hat der Fahrer nachts sogar gewartet, bis die Dame sicher in der Wohnung war. Quasi Kleinbusse ohne feste Haltestellen mit "extended" Service. Bus 5.0, schon Ende der 80er Jahre.
Damals gab es noch keine Handys. Man musste manchmal zwei, drei Bus-Taxis stoppen, bis man eines gefunden hatte, das die gewünschte Route abfuhr. Heute könnte das nach Uber-Vorbild eine App optimieren. Ich tippe ein, von wo ich nach wo will und die App schickt mir ein passendes Sammeltaxi.
Auf Trinidad saß man manchmal mit einem Schenkel auf Onkel Toms Big Mama (oder umgekehrt). Dafür wurde man das nächste Mal durch einen netten Smalltalkt mit der hübschen unbekannten Nachbarin entschädigt. Wäre das so schlimm? Hängt unser Glück wirklich an der isolierenden Wirkung eigener faradayscher Käfige ab? In modernen Kleinbussen müsste man heute übrigens weder von Big Mama erdrückt werden, noch müsste man der hübschen Nachbarin vor lauter Platzmangel zu nahe kommen.
Was für eine Befreiung unserer Innenstädte wäre so ein Szenario! Lisboas und Portos Zentren ohne Autos, ohne zugeparkte Seitenstreifen. Lautlose und emissionsfreie Elektro-Transportmittel gleiten auf viel kleineren Wegen kontrolliert durch die Innenstädte. Gehalten wird nur zum Aus- und Zusteigen. Hoch- und U-Straßen entlasten neuralgische Gebiete. Eine integrierte App stellt uns alle Bewegungsmöglichkeiten auf Kopfdruck zur Verfügung. Sei es für den Rückweg von Lisboa nach Setúbal oder nur vom Rossio zum Castelo. Selbst charmante Trams wären Teil des App-Angebots und könnten stressfrei abgerufen werden, wenn Plätze verfügbar sind.
Wenn wir alle das Richtige machen, dann wird es so oder so ähnlich kommen.
Vision ist die Kunst, Unsichtbares zu sehen.
Jonathan Swift (u.a. Gullivers Reisen)
Also macht bitte die Augen auf, auch Du
@bunny