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Massentourismus auf Madeira in der Deutschen Welle TV.

Magrinho

Amigo
Teilnehmer
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Sensationell, dass der Minister, egal wie hoch der Druck ist, immer noch brav dem Präsidenten nachplappert, dass alles unter Kontrolle sei.
 
Ich hatte in den 80ern und 90ern mit Tourismus nach Madeira zu tun. Damals hatte Madeira noch das Image die letzte Station vorm Himmel zu sein. Mir wurde gesagt, dass das Maximum an touristischen Betten 13.000 ist. Jetzt nach 30 nis 40 Jahren hat die Insel 45.000 touristische Betten.
Johan
 
Das Bild vom Video sieht aus wie unser Parkplatz damals vor 16!!! Jahren..."wandern"???....50 Leute vor Dir, 50 Leute hinter Dir...
das kenne ich hier aus der Gegend in Mosel/Saar/Ruwer/Eifel anders.
Keine Menschenseele (oder wirklich mal ganz selten) unterwegs auf den schönsten Wegen.
Diesen Hype konnte ich dann also so gar nicht nachvollziehen auf Madeira. So wunderbar die Landschaft auch sein mag.
Der ein oder andere "Kenner" hat da vielleicht noch Geheimtipps.
Und natürlich bin ich sowas von glücklich, dass wir "unsre" Azoreninsel gefunden haben, wobei sich auch da schon oft an den Lieblingsstellen
zu viel Menschen ansammeln. Aber immer noch kein Vergleich zu diesen andern Zielen..
 
Das Problem der heutigen Zeit. Zu viele Menschen und kaum noch ruhige Orte.
Da muss man halt in die Vor- und Nachsaison ausweichen.
 
Eines der Probleme sind die Influenzer. Die gehen sprichwörtlich über Leichen um an Likes und Impressions zu kommen.

@Farbenzeit die Azoren werden leider das gleiche Schicksal erleben wie Madeira. Nur etwas später. Wenn Madeira durch die geplanten Seilbahnen und Golfplätze, einem im Kopf der Regierung herumschwirrenden neuen Flughafen, eine geplante Tunnelverbindung des Nonnental in den Norden, einen Ausbau des Flughafens und Erweiterung des Golfplatz in Porto Santo den Zenit erreicht hat, werden die TicTocker, Instagrammer und Digital Content Macher, ausweichen. Und wohin? Genau, Azoren und Cabo Verde. Vielleicht erst in 5 Jahren, oder in 10 Jahren aber es wird passieren.

Es ist mehr als traurig aber mit dieser Partei und diesem Präses, ist Madeira hoffnungslos verloren.
Allen einen guten optimistischen Tag.
 
Madeira war schon lange eine Urlaubsinsel, aber das Forcieren durch Ausbau der Straßen und touristischen Infrastrukturen, eigene Werbung und Influencer hat sich vor allem in den letzten Jahren extrem ausgewirkt. Dazu kommt natürlich auch, dass viele sich mittlerweile nicht nur eine Flugreise/ Jahr leisten können und wollen. Wir sind da (was Reisen angeht) keine Ausnahme, versuchen aber, nur einmal zu fliegen.

Wir werden trotz allen Widrigkeiten den Sommerurlaub wieder einmal auf Madeira verbringen ( Nr 29! seit 1990). Die letzten Male waren wir im Winter unterwegs, da war auf den Wanderungen zum Glück wenig los. Allerdings wissen wir auch, wo man außer den Hotspots noch schöne Ecken und Touren findet.
Den empfohlenen Zugang ( Runde) zu den 25 fontes über den PR13 bzw. Pico Fernandes (oder umgekehrt) kennen noch/ schon wir aus unausgeschilderten (und nicht ausgebauten) Zeiten.
Auch wenn damals der Ort selbst schon seit Jahren überlaufenen ist, hatten wir sogar die Chance ein paar Minuten ganz alleine dort zu sein.
Die Spannung steigt...
 
Madeira ist ein Opfer seines Erfolgs geworden. Ein Ausverkauf der Insel ist ja in vollem Gange und hier schwärmen nun die Amerikaner rein und träumen davon, how cheap everthing is. Hab ich selbst erlebt. Die Amerikaner die sich hier Häuser kaufen, können mit den Dollars nur so um sich werfen. Marktübliche Hauspreise sind komplett obsolet und es wird jeder aufgerufene Preis gezahlt. Drinks für 6,7,8 Euro werden in Dorfkneipen schulter zuckend und lächelnd bezahlt, weil: how cheap everthing is.
Gerade erlebt wie ein US Bürger in einer Dorfkneipe eine Rechnung von 8,30€ auf 15€ aufgerundet hat.

Der geliebte Führer Madeiras möchte nun auch den nahen Osten Markt erschliessen, die haben noch mehr Kohle.

Mal sehen was meine Hütte in fünf Jahren wert ist.
 
@Magrinho und @Idealist, ihr denkt zu kurz und verwechselt Ursache mit der Wirkung. Das Problem sind die Konsumenten und nicht die Anbieter. Urlaub ist heute für die meisten nur noch, an möglichst prominenten Orten Selfies zu schießen und damit anderen eine virtuelle Scheinwelt/-persönlichkeit vorzugaukeln. Das eigentliche Ziel eines Urlaubs, sich zu erholen, sich zu entspannen, vom Alltag abzuschalten, sich einfach einmal etwas Gutes zu tun, kommt dabei regelmäßig unter die Räder. Der Urlaub wird zweckentfremdet. Aus dem Urlaub wird eine kleine, billige Reality Show, für die es nicht einmal Geld gibt und die niemand wirklich interessiert.

Was ihr „Influencer“ nennt, sind entweder ein paar wenige, geschäftstüchtige Unternehmer, die das erkannt haben und darauf reagieren, indem sie den Leuten das vorwerfen, was sie verlangen. So war es schon so im alten Rom. Brot und Spiele. Meistens sind es aber verwöhnte Loser, die glauben, mit ihrem TikTok Account, die schnelle Marie zu machen. Die wollen auch groß hinaus, schaffen es aber natürlich nicht. Am Gesetz der großen Zahl kommt einfach niemand vorbei. Der Markt ist übersättigt.

Hätten die Römer ihre Sklaven und „Bösewichte“ auch den Löwen zum Fraß vorgeworfen, wenn das Volk nicht danach geschrien hätte?

Da wir schon in der Antike sind, können wir noch das Orakel von Delphi besuchen. Ich prophezeien euch, dass in den nächsten wenigen Jahren restlos alles dran kommt. Überall, wo es offensichtlich schön ist (Kultur, Natur, Klima, Essen, …), werden die Selfie-Urlauber (das sind mittlerweile 90% ++) in Massen auftauchen. Es wird allerdings weiterhin weiße Flecken und Orte geben, die verschont bleiben. Die haben aber alle große „Defekte“. Leise Kultur, unspektakuläre Natur, härteres Klima, gewöhnungsbedürftiges Essen, …

Ehrlich gesagt, ob das alles gut oder schlecht ist, weiß ich gar nicht. Ich weiß nur, dass es anders wird, und dass ich mich auf meine alten Tage sicher nicht mehr daran gewöhnen werde.
 
Hi @Dom Estêvão ,
da muss ich dir jetzt (teilweise) widersprechen.
Es ist in meiner Beobachtung beides!
Es liegt nicht nur die Konsumenten. Es gibt auch diejenigen auf/von der Insel (und andernortes) die ihre Schäfchen gerne mit dem Tourismus ins Trockne bringen.
Oder evtl. tatsächlich denken, dass sie mit mehr Straßen-Beton, Hotels, Golfplätzen, Slackline und anderen "Highlights" der Bevölkerung (den Wählern) und sich etwas Gutes tun.
Was dabei jetzt Henne und was das Ei ist, sei dahingestellt. Verantwortung haben beide Seiten.
 
@irisb ja Verantwortung haben beide. Aber ohne Bedarf kein Händler. Als Gedankenmodell, würde keiner mehr Rindfleisch essen, gäbe es keins mehr zu kaufen, würden alle Hund essen, könntest du überall Hund kaufen. Ich persönlich gebe @Dom Estêvão recht. Interessanterweise habe ich mir hierzu vor Monaten schon einmal Gedanken gemacht.
Für mich hängt das Thema viel enger mit unserem allgemeinen Konsumverhalten zusammen, als man auf den ersten Blick denkt. Reisen wird heute oft so behandelt, als wäre es einfach nur ein normales Konsumgut: schnell gebucht, billig verfügbar, möglichst bequem und am besten noch mit möglichst vielen Erlebnissen auf einmal. Genau darin liegt für mich ein Teil des Problems. Es geht längst nicht mehr nur darum, irgendwo hinzufahren und einen Ort kennenzulernen, sondern oft darum, möglichst viel zu erleben, ohne sich groß Gedanken darüber zu machen, welche Folgen das eigentlich hat.
Was mich daran beschäftigt, ist, dass Massentourismus für mich kein isoliertes Phänomen ist. Er passt gut in eine Gesellschaft, die sehr konsumorientiert geworden ist. Wir wollen alles sofort, möglichst günstig und in großer Auswahl. Das gilt für Kleidung, Technik, Ernährung und eben auch für Reisen. Dazu kommt, dass Reisen heute viel stärker als früher als etwas Normales oder sogar Notwendiges gesehen wird. Wer nicht ständig unterwegs ist, wirkt schnell fast schon langweilig oder wenig lebendig. Ich glaube, dieser gesellschaftliche Druck spielt mit hinein. Urlaub ist nicht mehr nur Erholung, sondern oft auch Status, Selbstdarstellung und ein Teil der eigenen Identität.
Besonders deutlich wird das für mich auch beim Thema Umwelt. Wenn man über Massentourismus spricht, kann man aus meiner Sicht nicht so tun, als ginge es nur um ein paar volle Strände, volle Levadas oder überlastete Innenstädte. Dahinter steckt ein enormes Bedürfnis nach Energie, Mobilität, Infrastruktur und Ressourcen.
Flüge, Kreuzfahrten, Hotelanlagen, Straßen, Wasserverbrauch, Abfall, Versiegelung von Flächen, das alles hat Folgen. Und am Ende trifft es oft genau die Orte, die durch ihre Schönheit oder ihre Lage überhaupt erst attraktiv geworden sind. Das empfinde ich schon als ziemlich widersprüchlich. Man reist an einen Ort, weil er unberührt oder besonders wirkt, und durch die Masse an Besuchern verliert er genau diesen Charakter nach und nach.
Für mich ist das ein Denkmodell mit möglichst hohem Verbrauch, möglichst wenig Verzicht, möglichst viel auf einmal. Gerade im westlichen Lebensstil ist der Ressourcenverbrauch viel zu hoch. Die Vorstellung, wir würden so leben, als hätten wir mehrere Erden zur Verfügung, ist ja nicht einfach nur ein moralischer Vorwurf, sondern beschreibt die Realität. Und wenn man das ehrlich zu Ende denkt, dann ist Massentourismus eben nicht nur ein Reiseproblem, sondern Teil eines größeren Muster von Überbenutzung.
Ich will damit gar nicht sagen, dass Reisen grundsätzlich falsch wäre. Das ist mir zu einfach. Reisen kann inspirierend sein, den Horizont erweitern und echte Begegnungen ermöglichen. Ich finde nur, dass die Art, wie heute oft gereist wird, mit bewusster Erfahrung immer weniger zu tun hat und immer mehr mit Konsum auf Zeit. Vielleicht müsste man sich wieder stärker fragen, wie viel Reisen sinnvoll ist, wie man reist und was und wem man damit eigentlich unterstützt. Weniger Masse, mehr Bewusstsein, mehr Rücksicht, das wäre für mich ein deutlich besserer Ansatz als dieses dauernde höher, schneller, weiter.
Am Ende ist es für mich vor allem eine Frage der Haltung. Wenn wir weiter so tun, als wären Ressourcen unbegrenzt und jede Form von Konsum harmlos, werden wir die Probleme eher noch verschärfen. Massentourismus ist dafür ein sehr sichtbares Beispiel. Er zeigt ziemlich gut, wie eng persönlicher Lebensstil, wirtschaftliche Interessen und ökologische Belastung miteinander verbunden sind.

Nachtrag, sorry für den sehr langen Post, aber kürzer kann ich meine Gedanken nicht niederlegen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Schöner Beitrag, wir haben auch schon sehr oft und lange hier über diese Sachen diskutiert. Ein schwieriges und vielschichtiges Thema.
 
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