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Blog Die Nelkenrevolution

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Portugal hat eine über 40 Jahre dauernde Diktatur hinter sich. Dass es seit 50 Jahren ein demokratisches Land ist, hat vor allem mit seinen Streitkräften zu tun – aber auch mit Portugals Geschichte als Kolonialmacht.

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Quelle:

Warum nicht auch die Geschichte des Landes kennen, das man bereist? Wer sich mit der Geschichte Portugals beschäftigt hat, hat bestimmt schon von der Nelkenrevolution gehört. Mit dieser wurde am 25. April 1974 die faschistische Diktatur abgeschafft. Das Ereignis jährt sich heuer zum 50. Mal.

 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Zitat aus dem Beitrag:

"Mit einer Frage sollte sich Portugal allerdings auseinandersetzen: War es wirklich das portugiesische Heer, das die Demokratie gebracht hat? Oder haben nicht eher die Kolonien mit ihren Unabhängigkeitskämpfen das „Mutterland“ demokratisiert?"

Es gibt auch eine Theorie, die naheliegender ist:.
Salazar war gesundheitlich am Ende und damit nicht mehr "diktaturfähig"

Vielleicht war es auch das portugiesischen Volk "leid", ihre Soldaten in den Kolonien sterben zu sehen.

Ob die Kosten der Kriegsführung mit zur Revolution beitrug, ist umstritten.
Alleine der Erdölverkauf aus Angola deckte die Kosten bereits.
Wie zynisch dieser letzte Gedanke ist, muss jeder für sich selbst beurteilen.
 
Zitat aus dem Beitrag:

"Mit einer Frage sollte sich Portugal allerdings auseinandersetzen: War es wirklich das portugiesische Heer, das die Demokratie gebracht hat? Oder haben nicht eher die Kolonien mit ihren Unabhängigkeitskämpfen das „Mutterland“ demokratisiert?"
Das Zitat ist doch so eine Phrase aus dem postkolonialen Proseminar. Man dreht einfach ohne Kenntnis der Sachlage die (angeblich) geläufige Betrachtung (das Mutterland bringt den Fortschritt in die Kolonie, der Westen ist Träger der kulturellen Entwicklung) um und behauptet stattdessen, die »Kolonie« sei maßgeblich, was die kulturelle, politische Entwicklung im Mutterland angeht. Das kann als »Forschungshypothese« interessant sein, ohne nähere Ausführungen bleibt's halt einfach eine leere Behauptung, mit der man politisch gleich die Eintrittskarte für die passende Gruppe erwirbt.

Vergessen wird dann, dass z.B. viele der politischen Führer der Unabhängigkeitsbewegungen in Portugal studiert haben oder wie positiv (zumindest ambivalent, der widersprüchlichen Sache angemessen) sich Leute wie Amilcar Cabral über die »Entdeckungen« geäußert haben (»die Portugiesen haben der Welt in der Tat neue Welten gegeben und Völker und Kontinente einander näher gebracht, Kolonialismus und Faschismus haben sie wieder getrennt«).

(Und eigentlich ist doch schon die These, die kritisiert wird, eine, die von niemandem so eindimensional gebracht würde: natürlich hat der/die/das MFA nicht allein und wie von Zauberhand die "Demokratie" gebracht, man war sich ja nicht einmal einig, was man unter der Idee überhaupt versteht.)
 
Die Kolonialkriege waren sicherlich ein wesentlicher Treiber. Das geht auch aus den Aufzeichnungen der Köpfe der Revolution hervor. Die MFA Militärs, die in diesen Kriegen gedient hatten, wussten, diese sind nicht zu gewinnen. Sie trieben das einst reiche Portugal aber gleichzeitig in verheerende Armut, weil ein gigantischer Teil der Staatsfinanzen dafür aufgewendet wurde. Die Infrastruktur verkam, viele, viele Kinder galten als alkoholkrank, weil es nur noch Wein gab und kein Geld für genug Essen.

Nun ist die Frage, ob die Kolonien die Unabhängigkeit gebracht habe, dennoch etwas ambivalent. Am Ende des Tages war es natürlich das Militär, welches die entsprechenden Schlüsse daraus zog und den Coup plante und umsetzte. "Die Kolonien" konnten in Lissabon nicht auf die Straße gehen. Hier wird im Grunde also die Frage gestellt, ob die Ursache oder die Auswirkung entscheidend war. Beides war logischerweise notwendig, das eine bedingte das andere.
 
Naja... letztendlich haben die Menschen die Revolution vollbracht, vielleicht der göttliche Funke in uns, ein in uns wohnender Funken der Freiheit, ein Fehlen von Glücklichsein im Menschen (analog Marie Freifrau Ebner von Eschenbach, "Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit"), oder existenzialistisch "Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt“ (Jean-Paul Sarte), oder die wahre Freiheit Buddhas...
 
Bei aller Sympathie für die Freiheit: "Freiheit" ist das korrumpierteste Wort aus der Geschichte und der Gegenwart, was ich kenne....

Naja... letztendlich haben die Menschen die Revolution vollbracht, vielleicht der göttliche Funke in uns
...nachdem jedesmal ein teuflischer Funke Menschen dazu brachte, Diktaturen zu errichten.....?
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich komme total aus den Bergen. Ich verstehe nicht was das jetzt mit z.B. Existenzialismus zu tun hat. Ich verstehe jetzt auch nicht was du diesbezüglich über die Beweggründe der Nelkenrevolution sagen möchtest.
Da wir uns nicht kennen, kannst Du mich auch nicht persönlich meinen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Nein, dass war nicht persönlich gemeint.
Du hattest in deinem Beitrag das Wort "Freiheit" aus unterschiedlichen Bereichen vewendet.
Korrumpiert ist die Bedeutung in deinen Beispielen nicht.

Aber auch sonst kommt mir das Wort in politischen Debatten und der Werbung andauernd unter.
Selbst Dikatoren verkaufen ihre Diktatur als Befreiung, sprich: neue Freiheit.
Dementsprechend missbraucht ist dieses Wort für mich.

Mit der Nelkenrevolution ist das wie mit allen anderen Revolutionen.
Im Jubel, das mutige Menschen das möglich gemacht haben, mischt sich bei mir ein Gedanke:
Warum ist es uns seit Jahrtausenden nicht gelungen ist, neue Diktaturen zu verhindern,
obwohl sie immer nach den gleichen Prinzipien aufgebaut sind?
 
Danke für die Erläuterung... dieses Problem wirst Du genauso nicht klären können, wie Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau unterschiedliche Meinungen über den Menschen nicht überein kommen. Wir leben im Dualismus, denken in Gegensatzpaaren... Leben ist Leiden, sagt eine weltweit verbreitete Philosophie
 
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