
Der besondere Charme meiner portugiesischen Herzensweinregion (Dão) zieht kreative Weinmacher aus dem Ausland (Frankreich, Brasilien, Schweiz, Norwegen) an, die mit einer spannenden Mischung aus Tradition und Erneuerung dem Weinbaugebiet reichlich neue Impulse geben. Teil einer regelrechten "Graswurzelrevolution" sind das französische Winzerpaar Charlotte Hugel und Paul Chevreux.

Kennengelernt habe ich die beiden letztes Jahr im Michelin-prämierten Restaurant Flora (Food & Wine) in Viseu. Geerdete Vollblut-Weinmacher (Charlotte ist Teil der 13. Generation der elsässischen
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), unprätentiös, sympathisch, nahbar. Die beiden haben sich gegen das Burgund, gegen das Elsass und für den Dão entschieden, weil sie überzeugt sind, in der Region "den besten Wein Portugals" erzeugen zu können. Meine Verabredung startete in den Weinbergen am Fuße der Serra do Caramulo, wo mir Paul ausführlich seine Philosophie des Rebschnitts und der Reberziehung vorstellte ...
Die insgesamt lediglich 3 ha Rebfläche verteilt sich auf insgesamt 12 Parzellen, die das Paar gepachtet hat und organisch bewirtschaftet. Vorzeigeweingärten mit Charme und natürlich reichlich Bewuchs zwischen den Rebstöcken. Biodiversität pur! Paul lässt die Böden durch sein mehrere hundert Kilo schweres Ackerpferd Bonita bearbeiten. "Also können meine Weine niemals vegan sein", schmunzelt der Winzer. Aufs Tierwohl wird dabei streng geachtet. Das Pferd arbeitet niemals länger als maximal drei Stunden am Tag, um es nicht zu überlasten. Die Böden der Parzellen sind ebenso vielseitig wie die Rebsorten, die häufig im Mischsatz gepflanzt sind: Granit, Schiefer, Schluff.

Besonders viel Enthusiasmus hegt Paul für seine einzeln wachsenden Gobelet-Rebstöcke, deren Wuchsform an die namensgebenden Pokale erinnert. Bei den Spalieren bevorzugt er eine hochwüchsige Erziehungsvariante für eine gute Durchlüftung der Pflanzen. Mit viel Handarbeit hat er einige seiner Parzellen bereits mit neuen Pfählen und einer zusätzlichen oberen Reihe Spanndraht in seinem Sinne auf Vordermann gebracht. Ungewöhnlich: Die Triebspitzen schneidet Paul nicht zurück, sondern bindet sie zusammen. Dadurch wird das Wurzelwachstum gefördert und ein ausgewogenes Verhältnis von jungem und älterem Blattwerk sichergestellt. Jede Parzelle ein kleines Paradies für sich - eingerahmt von Pinien, Kiefern, Steineichen und Olivenbäumen.

So, genießt erst einmal die Weinberge, bevor es weiter in den Weinkeller geht ...
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