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Tipp Besuch beim Winzer | Natus Vini (Vidigueira)

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Hamilton Reis war viele Jahre als Önologe bei Cortes de Cima, seit 2020 dann bei der Herdade de Muchão. Gerne bin ich seiner Einladung gefolgt, ihn in Vidiguera zu besuchen um sein kleines, aber feines Familienprojekt Natus Vini kennenzulernen. Hamilton bewirtschaftet an den Ausläufern der Serra do Mendro insgesamt vier Hektar Rebfläche, aufgeteilt auf drei Parzellen.

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Die Natus-Rebanlage direkt am Haus der Familie ist bereits als biologisch / organisch zertifiziert. Die anderen beiden Parzellen sind seit geraumer Zeit in der Umstellung, so dass auch auch hier mit der baldigen Zertifizierung zu rechnen ist. 2008 hat die Familie das Grundstück gekauft und den Natus-Weinberg eigenhändig gepflanzt. Das Prinzip nachdem im Weinberg und in der Adega gearbeitet wird: So wenig wie möglich, dies aber mit der größtmöglichen Sorgfalt.

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Die Rebstöcke stehen auf kargen Schieferböden mit etwas Quarzanteil. Für die roten Rebsorten Castelão, Alfrocheiro. Tinta Miuda und Trincadeira wählte der Winzer eine buschförmige Erziehungsmethode. Die weißem Sorten wachsen an Pergolen wie man sie sie sonst aus dem Minho kennt. Cortes de Cima ist berühmt für seinen Syrah, Muchão für die Alicante Bouschet. Tinto-Boliden! Für seine eigenen Weine sucht der Winzer ein anderes Profil mit Rebsorten die zu seinem Terroir perfekt passen: Komplex und mineralisch.

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Wichtig für den Winzer: Gelebte Nachhaltigkeit. Ressourcenschonung (dry farming). So naturschonend wie möglich arbeiten. Verzicht auf Pestizide, organische Bodensubstanz aufbauen. Keine Floskeln: Schließlich lebt der Winzer mit Kind und Kegel mitten in seinem Weinberg.

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Alte Weinberge: Im Àguas de Lebre-Weingarten wachsen die Rebsorten Antão Vaz, Roupeiro, Trincadeira de Pratas und Perrum. Im Ribeira-Weinberg stehen die roten Rebsorten Castelão, Aaragonez, Tinta Grossa und Trincadeira. Der gemeinsame Rundgang durch den Natus-Weingarten, gespickt mit Fachsimpelei und vielen Anekdoten, neigte sich dem Ende zu. Schließlich stand noch eine Weinprobe in der Adega an, und Susana mit dem Abendessen wollten wir auch nicht warten lassen ...

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Oben im Gebäude befindet sich das Haus, in dem die Familie wohnt, unten die Adega. Hamilton lacht: "Ich schlafe im wahrsten Sinne des Wortes auf meinen Weinen." Im Herzen von Vidigueira gelegen, wie könnte es anders sein, Talhas stehen im Weinkeller.

Teil 2 folgt .......................................
 
... wie könnte es anders sein: Im Herzen von Vidigueira gelegen, dem portugiesischen Zentrum für Talhas-Weine, stehen die gewaltigen amphorenartigen Tonpötte auch in Hamiltons Weinkeller. Der Winzer nutzt die Tongefäße aber nicht in der regionaltypischen Art und Weise, bei der die Trauben "mit Stiel und Stengel" in den Talhas landen, dort vergären, reifen und der Wein direkt aus dem Hahn abgezogen wird (was den Weinen nicht selten eine spürbare Rustikalität mitgibt).

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Hamilton nutzt die Talhas eher als Gärbehälter. Die Trauben werden in kleinen Behältern mit den Füßen gestampft, bis die alkoholische Gärung beginnt. Danach geht der Most ab für die restliche Fermentation in die Tonamphoren. Die Weine der Natus-Linie reifen dann für 12 Monate in gebrauchten Eichefässern. Der weiße Natus fermentiert zu 35 % in Talhas, der Rest in gebrauchten Eichenfässern. Der Ausbau erfolgt im Holz auf der Feinhefe, bei sanfter Batonage.

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Ein klares Konzept: Hamilton produziert zwei Linien, Intus und Natus, und die jeweils in Weiß und Rot. Intus unterscheidet sich vom Natus insofern, als der Weinmacher auf strikten Einsatz von Edelstahltanks setzt. Reine, primäraromabetonte Weine mit starker Frucht und einer steilen Frische sind das Resultat.

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Dann die Weinprobe in der Adega, inmitten von Stahltanks, Amphoren und Eichenfässern, auf denen neben den üblichen Tags zu Rebsorte, Jahrgang usw. auch Familie samt den Hunden Talha und Pipo sowie Katze Uva per Kreidezeichnung verewigt sind.

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Intus @natusvini 2023 Branco - Aus dem alten Weingarten. Rebsorten: Roupeiro, Antão Vaz und Arinto. Klar im Glas mit grünen Reflexen. Spontanvergoren. Aprikose, Litschi, etwas Limette. Supersaftig, zupackende Frische am Gaumen. Geradlinig, mit viel Zug. Sehr animierend. 12,5 % ABV. 15 EUR in Portugal.

Natus 2023 Branco - Goldfarben im Glas. Rebsorten: Roupeiro, Antão Vaz und Gouveio. Fußgepresst, spontanvergoren. Die restliche Gärung in der Tonamphore und in gebrauchtem Holz. 8 Monate im Holzfass auf der Hefe gereift, mit einer ganz sanften Batonnage , damit der Wein nicht zu speckig wird. Steinfrucht, mineralisch, mit einer schönen Spannung am Gaumen. Komplex, gastronomisch. Hölle, ist der gut! 12,5 % ABV. Ein leidenschaftlicher Weinmacher, der es schafft, seine Passion in das Weinprofil zu transportieren. 2900 Flaschen wurden nur abgefüllt. Knapp 30 EUR/Flasche in Portugal.

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Intus @natusvini 2023 Tinto - Die Rebsorten? Trincadeira und Aragonez aus dem alten Weinberg, früh genug gelesen, um Frucht und Frische zu erhalten. Mit den Füßen gepresst. Sobald die Fermentation einsetzt, geht der abgepresste Saft in die Edelstahltanks, in denen der Wein auch reift. Im Glas noch jugendlich violett. Rotfruchtig. Beeren, etwas Kirsche. Leichte 12,5 % ABV. Knapp 15 EUR in Portugal.

Natus 2022 Tinto - Trincadeira und Castelão. Fußgestampft. In der Anfora vergoren, in gebrauchter Eiche für 12 Monate gereift. Das große Kino in der Nase und am Gaumen: Waldboden, Würze, all die Komponenten, die Trinkmarmelade von den großen, robusten Tintos unterscheiden. 12 % ABV. 30 EUR in Portugal! Sehr delikat!

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Besser geht es nicht mehr: Die zuvor verköstigten Weine mit nach oben genommen. Susana hat schon gerufen: „Das Essen ist fertig“ und Hamilton hat mir bedeutungsvoll signalisiert: „Besser nicht warten lassen!!!“ Zartes Kurzgebratenes, Kartöffelchen, Paprikagemüse. Auf der Terrasse im Kreise der Familie. Mit dabei: die Eltern Pai und Mãe Reis, die beiden Töchter (Supernase Mariana hat mich schwer beeindruckt), die Katze Uva. Wenn dann der Weinmacher die Sneakers abstreift und in Socken es sich mit seinen eigenen Weinen gemütlich macht, dann realisierst du, dass es authentischer und „näher dran“ nicht mehr geht. Danke, dass ich euer Gast sein durfte, obrigado, nicht nur für leckere Speis und Trank, mehr noch für die intimen Einblicke, z. B. wie es ist, als Tripeiro-Alien im tiefsten Alentejo zu landen, und vieles mehr. Nahbare Weinmacher, sauleckere Weine, nein, besser geht es wirklich nicht mehr.

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Natus Vini - Intus Branco 2023 - Der "kleine" Weiße, die Einstiegsdroge in die Wein-Welt des Hamilton Reis.

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Pisa a pé (mit den Füßen gestampft - yepp, und das selbst bei der Einsteigerlinie). Fermentation im Edelstahltank, und dort auch gereift. Feine Zitrusnoten vorweg, Aprikose, aber auch etwas grasiges, getrocknete Kräuter, in die Richtung halt. Ausgeprägte Mineralität. 15 EUR in Portugal. Hölle, der ist mal richtig gut bei dem Preis!

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Und dieser Jahrgang hat mich angefixt ...

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Natus Vini - Natus Tinto VR Alentejano 2021 - Ein "Alentejo-Tinto", den man blind verköstigt so gar nicht in der heißen Region des zentralen Alentejo verorten würde. Denke ich an delikate, saftige Alentejo-Rotweine, habe ich die Höhenlagen der Serra de São Marmede (Alto Alentejo) auf dem Schirm, aber niemals die Weine aus dem zentralen oder südlichen Teil dieser heißen Region Portugals.

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Runde Tannine, ausbalanciert. Kein Lautsprecher, eher ein Tinto für die leisen Töne. Würzig, saftig. Kräuter und Sauerkirsche. Hinter steckt Hamilton Reis, langjähriger Chefönologe bei Cortes de Cima, der bei seinem Familienprojekt auf Minimalismus setzt, auf jegliche Chemie verzichtet und die Weine so naturnah wie möglich erzeugt.

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Bei der kleinen Auflage werden die Trauben der regionalen Rebsorten Trincadeira und Castelão handgelesen, fußgestampft und mit natürlichen Hefen spontan vergoren. Der Rotwein gärte in traditionellen Talhas, bevor er für 12 Monate in Fässern aus portugiesischer Eiche und Kastanie reifte. 13 % Vol. Ungefiltert, ungeschönt. Schöne Frische. Knapp 30 EUR/Flasche. Toller Stoff!

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