Ich könnte jetzt schreiben, du machst es dir einfach und plapperst gebetsmühlenartig das Märchen der Populisten nach. Aber lass Fakten reden.
Du hast recht, daß die pauschale „Bahn = klimafreundlich“-Erzählung oft zu simpel ist und daß es im Regionalverkehr Strecken gibt, die weder wirtschaftlich noch ökologisch sinnvoll betrieben werden.
Hier die Faktenlage zu deinen drei Punkten
Glyphosat: Wer verbraucht am meisten?
Größter Verbraucher in Deutschland ist eindeutig die Landwirtschaft.
2024 wurden in Deutschland 4.101 t Glyphosat verkauft, nach 2.348 t im Jahr 2023. Der überwiegende Teil davon geht auf den Ackerbau zurück.
Die Deutsche Bahn hat nach eigenen Angaben früher ca. 60–90 t Glyphosat/Jahr für die Gleisfreihaltung eingesetzt, will aber seit 2023 darauf verzichtet haben und nutzt alternative Herbizide.
Nach allem, was öffentlich dokumentiert ist, setzt die DB kein Glyphosat mehr im Gleisbereich ein und nutzt Pelargonsäure und mechanische Verfahren. Faktisch gibt es keine unabhängige, flächendeckende Messung, die belegt, daß nirgendwo mehr Glyphosat verwendet wird. Die Berichte deuten aber darauf hin, daß der reguläre Einsatz eingestellt ist, allenfalls gab es interne Diskussionen über begrenzte Testflächen, die aber (laut DB-Aussage) nicht umgesetzt wurden.
Selbst wenn man die alten DB-Zahlen nimmt: Landwirtschaft ≈ 4.000 t vs. Bahn ≈ 0,06–0,09 t, also Größenordnungen Unterschied.
Kurzum, das „Märchen“ vom größten Glyphosatverbraucher Bahn hält den Zahlen nicht stand; die Landwirtschaft dominiert klar.
Klimabilanz von (leeren) Regionalzügen mit Diesellok
Hier kommt es stark auf Auslastung, Antriebsart und Strommix an:
Das Umweltbundesamt gibt für 2023/2024 an:
Regionalzug (elektrisch, durchschnittlich ausgelastet): ~49 g CO₂-Äquivalent/ Personenkilometer
Regionalzug (dieselbetrieben): ~77 g CO₂-Äquivalent/ Personenkilometer
Pkw (durchschnittlich besetzt): ~164 g CO₂-Äquivalent/ Personenkilometer
Bei sehr niedriger Auslastung (z.B. fast leerer Zug an einem Dienstag) verschlechtert sich die Bilanz pro Person natürlich massiv, das ist korrekt. Ein fast leerer dieselbetriebener-Regionalzug kann im Extremfall schlechter sein als ein gut besetzter Pkw. Aktuell ist etwa ein Viertel des Zugverkehrs noch dieselbasiert, vor allem im Regionalverkehr und auf nicht elektrifizierten Strecken, Tendenz fallend, ebenso werden alte dieselbetriebene Schienenfahrzeuge zunehmend durch moderne Fahrzeuge mit besserer Klimabilanz ersetzt, wo man nicht auf Alternativen (akkubetrieben Schienenfahrzeuge z.B.) wechseln kann.
Gleichzeitig liegen elektrische Regionalzüge bei selbst moderater Auslastung unter dem Pkw-Wert.
Der Bahnstrom in Deutschland stammt bereits zu über 60% aus Erneuerbaren, was die CO₂-Bilanz elektrischer Züge weiter verbessert (bis ~10 g CO₂-Äquivalent/ Personenkilometer bei sehr grünem Strom).
Dein Beispiel „fünf Tage die Woche fast leer mit Uraltdiesellok“ beschreibt also einen realen Problemfall, der ökologisch fragwürdig ist, aber er ist nicht repräsentativ für den gesamten Schienenverkehr.
Wirtschaftlichkeit: Regionalverkehr als Zuschußgeschäft
Auch hier hast du einen wahren Kern.
Der Fernverkehr (ICE/IC auf langen Strecken) ist das Segment, in dem die DB Gewinne erzielen kann; der Regionalverkehr wird überwiegend über öffentliche Ausschreibungen und Zuschüsse finanziert.
Allerdings hat DB Regio im Nahverkehr 2024 operativ einen Gewinn von ca. 108 Mio. € erzielt und gilt als besser laufend als der Gesamtkonzern.
Viele Linien werden von privaten Anbietern betrieben, die im Auftrag der Länder/Verkehrsverbünde fahren, der Steuerzahler übernimmt weiterhin einen Großteil der Kosten, weil der ÖPNV als Daseinsvorsorge verstanden wird.
Politisch gewollt ist, daß viele unrentable Streckenabschnitte bewußt erhalten werden, um ländliche Räume anzubinden und Autoverkehr zu reduzieren, auch wenn das betriebswirtschaftlich nicht gewinnbringend ist. Das ist eine gesellschaftliche Entscheidung, keine reine Marktlogik.
Wo du recht hast und wo es differenzierter wird
Richtig:
Es gibt ökologisch und wirtschaftlich unsinnige Zugverbindungen, besonders mit alten Dieselzügen und sehr niedriger Auslastung.
Der Regionalverkehr ist ohne öffentliche Mittel nicht machbar, Gewinne werden vor allem im Fernverkehr erwirtschaftet.
Die pauschale „grüne Bahn“-Rhetorik ignoriert diese Grauzonen.
Differenzierung:
Beim Glyphosat ist die Landwirtschaft der mit Abstand größte Verbraucher; die Bahn spielt mengenmäßig kaum eine Rolle und will laut eigenen Angaben seit 2023 ganz darauf verzichtet haben.
Die Klimabilanz hängt stark von Auslastung und Antrieb ab:
Elektrische, gut ausgelastete Züge sind deutlich klimafreundlicher als Pkw.
Schlecht ausgelastete Diesel-Regionalzüge können im Einzelfall problematisch sein.
Der Zuschußcharakter des Regionalverkehrs ist gewollte Politik (Daseinsvorsorge, Verlagerung von Auto- auf Schienenverkehr), nicht einfach nur „Ineffizienz“.
Ansonsten entschuldige meine offenen Worte, aber was du geschrieben hast, haben viele Populisten und die populistische Partei in Deutschland schon öfters gebetsmühlenartig behauptet und wurde jedes Mal widerlegt. Das wird auch nicht durch ständige Wiederholung wahrer.