• Gäste können im PortugalForum zunächst keine Beiträge verfassen und auch nicht auf Beiträge antworten. Das klappt nur, wenn man registriert ist. Das ist ganz leicht, geht schnell und tut nicht weh: Registrieren. Und dann verschwindet auch dieser Hinweis ...

Frage "Haus wird nicht verkauft. Oma lebt ja noch."

hjh

Admirador
Teilnehmer
Stammgast
12.11.2017 Wir haben in unserem Dorf eine nette und uns gut bekannte Familie. Es sind relativ arme Leute, wenig Geld, kein Auto, ein Sohn studiert in Lissabon, eine Tochter ist noch in der Ausbildung. Dennoch haben Sie sich vor einigen Jahren ein Haus gebaut und müssen jetzt den Kredit abstottern. In diesem Jahr haben sie ein Heilig-Geist-Fest ausgerichtet, sicherlich auch mit Unkosten verbunden.

Vorher wohnten sie im kleinen Haus der Großmutter, die mit ihnen ins neue Haus zog. Dieses Haus steht in der Ortsmitte, ist jetzt leer, aber in ordentlichem Zustand. Von großem Wert aber ist das Grundstück in bester Lage. Es würde sich durchaus für ein Geschäftshaus oder Restaurant eignen. Die Oma hat zwar noch einen weiteren Sohn, aber das Verhältnis ist gut und ich könnte mir vorstellen, dass es bei einer Erbteilung keine Schwierigkeiten geben würde.

In den letzten Jahren habe ich die Familie zweimal gefragt, ob sie nicht das leerstehende Haus und Grundstück zur Abtragung der Schulden verkaufen wollten. Ihre Antwort war jedes Mal: „Nein, das geht nicht. Oma lebt ja noch.“

Nun kenne ich die azorianische (und auch portugiesische)( Mentalität nicht so gut, um das verstehen zu können. Vielleicht kann es mir jemand erklären.
hjh
 
Wer hat das Haus gebaut? Oma und Opa damals? Wenn ja, vergiess es mit dem Kauf, dass ist ansonsten Oma's einstiges Lebenswerk und sollte es verkauft werden, solange sie noch lebt, bringt sie dies wohl direkt ins Grab. Gerade die alte Generation hängt am Besitz. Hat man ein Stück Land, wo Gemüse wächst, ein paar Hühner Eier legen, ein Schwein ernährt werden kann und ein Dach über dem Kopf, überlebt man irgendwie. Das bringt man nicht mehr aus dem Kopf dieser geschundenen Generation.
Ausserdem zwei Söhne = zwei Häuser, damit jeder was hat.
 
  • Like
Reaktionen: HJV
Lieber Lusitanus,
ich glaube, ich habe mich missverständlich ausgedrückt:
Ich habe keinerlei Interesse am Kauf des Hauses oder Grundstückes.
Ja, Oma hat dort zeitweise gelebt.
Die Oma ist Witwe und lebt jetzt recht angenehm im Hause ihres Sohnes. Ihr altes Haus hat sie wohl schon lange nicht mehr gesehen. Das Haus steht leer, der Garten liegt brach. Bei einem Verkauf müssten wohl Geschwister, die sich verstehen und jeweils ein Haus besitzen, in einer Teilung des Erlöses übereinkommen. Die jüngere Generation hätte großen Vorteil durch den Verkauf des Hauses, die Oma keine Nachteile.
Aber du magst mit Deiner Ansicht im Recht sein: So lange man lebt, trennt sich die ältere Generation nicht vom alten Besitz.
hjh
 
Ist bei unseren Nachbarn auch so, aber Oma ist schon tot.
Die konnten sich nicht einigen, was mit dem Haus passieren soll.
Einer blockierte immer.
Nun verfällt das Haus, kann man nur noch abreissen. Eine Ecke ist schon abgesackt, das Dach auch und neuerdings sind ein paar Ziegel so abgerutscht, das nun richtig Wasser eindringen kann.
Das kann Dir niemand erklären, genausowenig wie, das wenn ich was nicht zu dem Preis verkaufen kann, ich es billiger mache.
Oder wie manche Preise überhaupt zustande kommen. Marktwert? Was ist das?
Muss man nicht verstehen, aber akzeptieren.
Was solls.
 
Ja, so scheint es wirklich zu sein.

Zwei ähnliche Beispiele aus meiner azorianischen Nachbarschaft:

Vor über zehn Jahren wurde über einen Makler ein ordentliches Haus zum Verkauf angeboten. Der Preis war recht hoch und der Makler fand keinen Käufer. Doch der Preis blieb. Jahr für Jahr. Inzwischen ist es ruinös. Auch die Fenster wurden entwendet. Mir scheint fast so, als hätten die Eigentümer das Haus vergessen oder abgeschrieben.

Oder:
Die Eltern meiner Nachbarin verstarben vor einigen Jahren. Ein Testament gab es nicht. Die alten Leute hatten sich auch nie um die Besitzbereinigung ihres Wohnhauses gekümmert. Und jetzt treten etliche Geschwister als Erben auf, die sich leider nicht alle einig sind. Und es ist anscheinend niemand da, der die Sache in die Hand nimmt und das Erbe regelt. Folge: Das Haus steht leer und verfällt seit einigen Jahren.

Verstehe einer die azorianische (oder auch portugiesische) Mentalität! Gleichgültigkeit oder Unfähigkeit?
hjh
 
Solche Fälle gibt es hier bei uns auf den Dörfern auch.
Sogar in direkter Nachbarschaft.
Schade um die Häuschen.
Interessenten gäbe es (zum entsprechenden Preis).
Unser Nachbarhaus mit 2 Grundstücken ging dann unter der Hand (vor der nach vielen Jahren endlich mal angesetzten Versteigerung) zu einem Spottpreis an einen reichen Unternehmer. Der hat erstmal alle Bäume gefällt,
dann stand das Haus noch 2 Jahre leer,
dann wurde es komplett umgebaut,
man kann von dem alten nix mehr erkennen
und man hat einen Riesenanbau drangepackt,
auf dessen Wand wir nun gucken statt in die Weinberge...
Und für das Geld hätte man auf jeden Fall Jemanden gefunden,
der es liebevoll restauriert und selber einzieht mit seiner Familie.
 
Zurück
Oben