Mein einziges Problem mit Links-Regierungen ist, dass sie viel zu wenig links sind, oftmals im Grunde nur Parteien der Mitte. Parteinamen sind ja nur mehr ein Witz. In Portugal haben nur mehr kleine Parteien deutlich links von der PS das Attribut links verdient.
Sócrates hat durchaus auch Positives bewirkt, z. B. eine gewisse Modernisierung, die inzwischen auch Früchte trägt, z. B. Erfolge in Forschung und Entwicklung. Die stellen sich natürlich erst mit Jahren Verspätung ein, weshalb sich die jetztige Regierung mit diesen fremden Federn schmückt.
Und die Folgen der Kürzungen werden auch erst in ein paar Jahren zu beobachten sein.
Aber im Grunde sind alle zur Zeit wichtigen Politiker in diesem Land für die Tonne, da mache ich mir gar keine Illusionen.
Was die Qualität des Journalisten betrifft, scheinbar hat jedes Blatt solche rechten Schreiberlinge. Auf Spiegel gibt es auch einen, der wie eine peinliche Kopie von US-Republikanern wirkt. Inzwischen lese ich seine Beiträge gar nicht mehr.
Hallo Johan,
die Umfrage bei Allensbach bezog nicht auf den Austritt sondern auf das hohe Misstrauen der Deutschen gegenüber dem Euro. Dass die meisten den Euro behalten wollen, liegt an den unkalkulierbaren (mit Sicherheit zunächst negativen) Konsequenzen die die meisten nach einem Austritt befürchten.
Eben nach dem Motto: Lass uns so weiterwursteln, klappt ja vielleicht, solange ich noch lebe ...
Das gilt auch für die anderen Länder, von denen einige zudem noch vom Euro profitieren, weil durch den Euro ihre maroden Strukturen gestützt werden.
Der Artikel, auf den sich HVJ bezieht, ist zwar im Prinzip richtig, aber doch etwas überzogen. Der Crash, den viele Schwarzmaler schon seit Jahren erwarten, ist bis jetzt nicht eingetreten und wird auch in nächster Zukunft nicht eintreten. Dazu ist die gesamte Geldmenge in Europa einfach zu hoch. Allein in Deutschland liegen 5,6 Billionen Euro auf den Sparkonten, über die die Banken und Sparkassen kurz und mittelfristig verfügen können. Was aber wie das Amen in der Kirche mit Sicherheit der Fall sein wird, ist die immer weiter steigende Verschuldung der Staaten.
Deshalb kann ich auch deinen Optimismus bezüglich des Euros nicht teilen, denn letztendlich muss doch irgendwann mal die Zeche bezahlt werden. Es funktioniert einfach nicht, Staaten mit gewaltig unterschiedlichen Wirtschaftsleistungen und industriellen Strukturen in eine gemeinsame Währung zu zwingen. Das führt zwangsläufig zu extremen Wettbewerbsverzerrungen. Vermutlich muss die nächste Generation in Europa dafür büsen, dass zwar überall Geld hineingepumpt wird und Sparzwänge diktiert werden, aber die Ursachen nicht bekämpft werden. Wenn schon ein gemeinsames Europa, dann sollten auch alle Anstrengungen unternommen werden, das Niveau der Staaten auf dem wirtschaftlichen und industriellen Sektor anzugleichen. Das wird aber durch den Egoismus der besser gestellten Staaten nie der Fall sein.
Beispiel: ich kann mich noch sehr gut an das Gejaule der deutschen Airbus-Manager erinnern, die sich bitter darüber beklagten, das ein Großteil des Airbuses in Frankreich produziert wird - anstatt dass sie froh darüber gewesen wären, dass Frankreich dadurch wieder etwas besser in seiner industriellen Produktion dasteht. Ohne einen sinnvollen Verteilungsschlüssel der wirtschaftlichen und industriellen Produktion innerhalb Europas wird es auch in Zukunft weiterhin Verlierer in der Eurozone geben und Länder wie Portugal und Griechenland, werden auch bezüglich ihres menschlichen (intellektuellen) Potentials ausbluten.
LG
Traveller
Nachtrag: Deutschland hatte vor der Wende entlang der Grenze zur DDR wirtschaftliche Sonderzonen (geringere und z.T. überhaupt keine Steuern für industrielle Unternehmen, Aufbauhilfen für wirtschaftliche Zentren, usw.), da im Grenzbereich ein wirtschaftlicher Niedergang befürchtet wurde. Portugal und Griechenland könnten von der EU ohne weiteres zu wirtschaftlichen Sonderzonen erklärt werden. Das wäre eine wirkliche Hilfe für diese Länder.
Tja, die EU ist leider nicht sonderlich flexibel. Da ist nicht viel Raum für neue Wege. Europa sollte in zwei Hälften zerschlagen werden, die germanischen/slawischen LÄnder und die Mittelmeerländer, jeweils mit einer eigenen Währung. Diese beiden Blöcke wären in sich relativ ähnlich.
Die Nordländer taugen nicht als Vorbild für die Südländer. Der Charme der Südländer - der ja auch viele Touristen anzieht - ist ja gerade, dass wir nicht wie Deutsche etc. sind. Das sollte bewahrt, ja betont werden.
Für Portugal konkret wünsche ich mir eine neue Gewichtung der Wirtschaft, mit einer Stärkung der Landwirtschaft. Es ist grotesk, wie wenig hier produziert wird trotz des tollen Klimas. Jeder Depp will einen Bürojob oder Zeug verkaufen, das den Leuten eh schon zu den Ohren rauskommt, anstatt aufs Land zu ziehen und sich die Hände schmutzig zu machen und zur Selbstversorgung des Landes beizutragen, die auch das Handelsdefizit verbessern würde.
Zum obersten Ziel würde ich den Abbau der extremen Ungleichgewichte in diesem Land erklären. Portugal ist das EU-Land mit dem schlechtesten GINI-Index. Es gibt viel zu viele Raffhälse und Parasiten, und zugleich viel zu viele Arme und Geringverdiener.