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Bedürfnisse der Kinder und das Schulsystem in Portugal

Also ganz so kritisch sehen, darf man das, denke ich, nicht.
Ich kann mir durchaus vorstellen, dass das deutsche Schulsystem eben nicht für alle Kinder geeignet ist.
Es sind ja nicht sehr viele Kinder, die laut Freilernern damit ein Problem haben. Bei der Menge an Schulkindern insgesamt finde ich es völlig Normal, das es einen kleinen Prozentsatz gibt, die damit nicht zurecht kommen.
Genau hier sollte ein Ansatz da sein, denn der deutsche Staat bzw. das Schulsystem verweigert einfach dieses Vorhandensein, es ignoriert sowas. Schon fast so wie, was nicht sein darf, kann nicht sein.
Es müsste hier tatsächlich eine Art Mediationsstelle geben, die evaluiert, warum und was das beste ist. Es gibt ja noch andere Arten von Schulen, die in D zugelassen sind. Wenn allerdings dann auch Namen tanzen nicht recht ist, was dann ?
Hier sollte man offener sein, auch andere Wege als zulässig zu erklären.

Was mir aber so dabei auffällt, das es eben auffällig viele Eltern des gleichen Typus sind, die so etwas an ihren Kindern feststellen.
Und, wie ich schon mal hier anmerkte, dieser Typus Mensch mit einem bestimmten Lebensstil und Vorstellung, schlägt immer wieder hier im Forum auf und glaubt, in Portugal das Grals-Land zu haben.
Das ist etwas, das ich persönlich nicht verstehe. Diese Zeiten sind doch vorbei. Die paar Kommunen, die es noch gibt, üben aber offenbar eine gradezu magnetische Wirkung auf diesen Typus Mensch aus.
Fazinierend, wie ein Spitzohr zu sagen pflegte.
 
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Was mir aber so dabei auffällt, das es eben auffällig viele Eltern des gleichen Typus sind, die so etwas an ihren Kindern feststellen.
Und, wie ich schon mal hier anmerkte, dieser Typus Mensch mit einem bestimmten Lebensstil und Vorstellung, schlägt immer wieder hier im Forum auf und glaubt, in Portugal das Grals-Land zu haben.
Das ist etwas, das ich persönlich nicht verstehe. Diese Zeiten sind doch vorbei. Die paar Kommunen, die es noch gibt, üben aber offenbar eine gradezu magnetische Wirkung auf diesen Typus Mensch aus.
Fazinierend, wie ein Spitzohr zu sagen pflegte.
Danke Ozzy für diesen Kommentar.

Aus meiner Sicht bietet das deutsche Schulsystem eine Vielzahl an Möglichkeiten (z.B. Waldorfschule), bis hin zur Inklusion. Meine Erfahrung mit Eltern, die ihre Kinder einem staatlichen Schulsystem entziehen möchten, ist die, dass sie meist große Vorbehalte gegenüber staatlichen Schulen und dortigen Lerninhalten haben (z.B. Aufklärungsunterricht), diese Vorbehalte und Abneigungen natürlich auch auf die Kinder projizieren. Oft geht es darum, selbst festzulegen bzw. auszuschließen was das Kind lernen soll/darf und was nicht. Was passiert mit dem Kind, wenn es dann mit einer Welt konfrontiert wird, in der diese "Freiheiten" fehlen? Wenn es den "Schutzraum" verlassen, irgendwann für sich selbst aufkommen muss. Für mich ist dieser Schulentzug Fremdbestimmung und eigentlich sollte Erziehung doch befähigen, irgendwann, im Rahmen sicher begrenzter Möglichkeiten, selbst zu bestimmen, eigene Entscheidungen zu treffen.

Ein Aspekt, der uns hier im Forum ja immer sehr wichtig ist, ist auch der Prozess der Integration und der läuft bei Kindern am besten über Kindergarten und Schule ab und nicht durch eventuelle Ghettobildung Gleichgesinnter.
Hier meine ich hauptsächlich die sprachliche Integration.

Ein Erwachsener kann selbst entscheiden, wieweit er sich innerhalb oder außerhalb des Systems sieht oder stellt. Er kann dies u.a. auch deshalb, weil er das System kennengelernt hat und eben irgendwann für sich entscheidet. Konsequenterweise müsste er dann aber auch staatliche Leistungen ausschlagen. Einem Kind, das von Anfang an außerhalb des Systems Schule steht/lebt, nimmt man auch diese Entscheidungsmöglichkeiten.

Eine ganz aufschlussreiche Seite der Freilerner:
 
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Wie ich schrieb, ich kann schon verstehen, das manche Kinder im Schulsystem "anecken".
Lehrer sind auch nur Menschen, da gibt es geeignete und nicht geeignete. Mitschüler können Freunde fürs Leben werden oder Feinde fürs Leben.
Alles denkbar und passiert.
Ich sehe auch deine Intension, das viel von den Eltern auf die Kinder projeziert wird. Aber ich denke wirklich, das es da eine Mediationsstelle geben sollte.
Bei Scheidungsverfahren gibt es Anwälte für die Kinder. Bei sowas gibt es meines Wissens nur die staatliche Keule.
Das stört mich daran.
 
Ich bin auch im Schulsystem angeeckt, 100% legastheniker, ich sehe und fange alles von hinten an, kann keine Betriebsanleitungen lessen und verstehen, habe Fotografisches Gedaechniss. Mathe entwickle ich im Hirn als ein Bild, das mir Ergebnisse gibt, aber keinen Weg.
Das zu einer Zeit wo sich keine Sau um so etwas kuemmerte. Schule war mehr als aetzend.
NA ja und, hat mich recht zaeh gemacht und gelehrt auf meine Art Konkurenzfaehig zu werden.

Homeschool oder Freilernen, entzieht das Kind vom echten Leben, das heist durchsetzen, Entaeuschungen weg stecken zu lernen, bewehren und auch im Konkurenzkampf zu bestehen.
Obendrein noch, Bildung ist der Weg durchs Leben, ohne Breitflaechige Bildung und gute Spezialisierung, kann man bei McD Hamburger flippen.
Jugend ist die Ausbildung zum Erwachsenen und dazu ghoert auch mal einen auf die Schnauze zu bekommen und auch mal einen auf die Schnauze zu hauen.
 
Hallo,

was ich in Portugal selber mit beobachten konnte, ist, dass Kindergarten und Grundschule sehr gut zur Integration beitragen. Die Kinder hatten das Glueck, in einer Dorfschule mit insgesamt nur ca. 20 Kindern eingeschult zu sein. Die Lehrer unterrichteten je 2 Klassen gleichzeitig, worin ich viele Vorteile feststellen konnte. Hausaufgabe wurde individuell verteilt. D.h. Kinder die in Mathe gefoerdert werden mussten, bekamen mehr Mathearbeitsblaetter mit bzw. die, die in Portugiesisch mehr Unterstuetzung brauchten, bekamen mehr Portugiesischhausi.

Die Konditionierung faengt nach meiner Beobachtung, anders als in D., erst ab der 5. Klasse an. Es kommt auch viel auf die Lehrer an und manche schaffen trotz des umfangreichen Lehrstoffes, den Jugendlichen was mitzugeben. Die Oberstufe ist heftig und da sehe ich nun leider das gleiche Problem wie´s bei meiner Vorbereitung auf´s Abi damals in D. schon war: Die Jugendlichen werden vollgestopft mit Wissen, das sie bei den Tests und den Examen abrufen koennen muessen. Sie werden dazu mit port. Literatur vollgestopft, die nicht gerade prickelnd ist. Da war der Stoff damals in Deutsch noch besser, aber ich denke, dass es daran liegt, dass D. nun mal das Land der Dichter und Denker ist und die Lehrer einfach mehr Auswahl hatten/haben als die Lehrer hier. Die Folge ist die gleiche: Die Jugendlichen haben keinen Bock, zusaetzlich noch ein Buch in die Hand zu nehmen. Ihnen wird so gut wie jegliche Energie durch die Schule rausgezutzelt, dass fuer eigene Interessen kaum eine bleibt.



Ich bin durchaus der Meinung, dass jemand der das Abi haben will, etwas dafuer tun muss. Aber die ganze Motivation und Lust auf ein Studium geht bei dieser Art des Unterrichts drauf.

Daher kann ich verstehen, wenn du, Carina, etwas anderes fuer deine Kinder willst.

Das Schulsystem in ganz Europa gehoert reformiert! Im Zeitalter des Internets ist es nicht mehr noetig, Jugendliche mit Wissen vollzustopfen. Zugang zu Wissen ist heutzutage einfacher denn je. Allerdings muss Information selektiert werden und diese Info angewandt werden und da seh ich ein Manko. Faehige Jugendliche wollen im Grunde nichts mehr mit diesem System zu tun haben, sobald sie ihren Abschluss in der Tasche haben. Das ist absolut bedauernswert! Dazu kommt noch, dass es in P. nicht mal eine Alternative zum Studium gibt. Denn die Ausbildung hier kann nicht mit dem dualen Berufsausbildungssystem in D. verglichen werden.

Andererseits seh ich es als sehr problematisch an, zusammen mit Kindern, noch dazu im Ausland, also eigentlich in einem Gastland, einen illegalen Weg einzuschlagen. Fuer sich selber ist jeder selber verantwortlich und trotzdem seh ich auch da die Gastfreundschaft verletzt. Wenn man die Verantwortung fuer Kinder hat, sollte man, finde ich, 2x nachdenken! Kinder, die in der Illegalitaet leben, haben keine Lobby, schon gar nicht in einem System wie in Europa. Und dazu gehoert auch Portugal. Auch wenn viele P. als einen Randstaat ansehen, er ist es im Grunde nicht. Es gibt viel Buerokratie und die Muehlen mahlen manchmal langsam. Aber wie im anderen Thema schon von Johan erwaehnt: Wenn die Behoerden draufkommen, zahlt man auch als Auslaender sein Lehrgeld. Und das nicht zu knapp.

Und selbst, wenn das illegale Leben gut gehen sollte: Portugal bietet, wenn gewisse Voraussetzungen erfuellt sind, eine gute, entspannte Lebensqualitaet. Und allein deshalb hat es unseren Respekt verdient, in dem wir einfach die Gesetze des Landes einhalten.

Gruss, Manuela
 
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Ich habe mir mal die Seite der Freilerner gründlicher angeschaut, viel gelesen und auch viel gefunden: verquere Ideen, Verschwörungstheorien, ein bisschen Kant (aus meinem Verständnis heraus selektiv und falsch gedeutet), ein bisschen Antiamerikanismus und Antisemitismus, ein bisschen Reichsbürger,ein bisschen Antikapitalismus, Ablehnung des Staates und seiner Organisationen, "Lügenpresse" (Spiegel, FAZ), .... Die Reihe ließe sich beliebig fortsetzen. Was ich kaum gefunden habe, sind Gedanken und Vorstellungen über die Kinder, deren Erziehung, dafür aber vieles über das, was die Eltern wollen bzw. ablehnen sowie deren Weltbild. Das Kind steht leider nicht im Vordergrund. Ich habe kaum darüber gelesen, wie kaputt die Schule Kinder machen würde, dafür aber wie die Eltern zu Staat und Gesellschaft stehen.

Für mich war nach dem Lesen klar, dass hier dem Kind von Anfang an ein Weltbild aufoktroyiert werden soll, es soll leider nicht dazu befähigt werden, sich ein eigenes machen zu können, sondern das der Eltern unreflektiert zu übernehmen.
Und selbst, wenn das illegale Leben gut gehen sollte: Portugal bietet, wenn gewisse Voraussetzungen erfuellt sind, eine gute, entspannte Lebensqualitaet. Und allein deshalb hat es unseren Respekt verdient, in dem wir einfach die Gesetze des Landes einhalten.
Danke Manuela für diesen schönen Schlusssatz.
 
Hallo Sibylle,
danke fuer die Zusammenfassung der Freilerner-website.

Hallo Carina,

weil in der website angeblich nicht genau steht, wie das Lernen ablaufen soll, kannst du nochmal genauer erklaeren, wie "Unterricht" stattfindet? In deinem Beitrag oben gehst du ja schon ein bisschen darauf ein.

Viele Familien die Freilerner sind oder Homeschooling betreiben verfolgen keine Utopie und sind nicht unbedingt von Anfang an gegen Schule und haben staatliche und auch freie Bildungseinrichtungen anfänglich auch nicht infrage gestellt. Das kam erst, als sie merkten, dass es ihren Kinder gesundheitlich schlecht geht und sie nicht mehr sie selbst sein können, weil Schule so viel Raum einnimmt. Dann ist es meiner Meinung nach die Pflicht der Eltern zu handeln und eine andere Lösung zu finden, um wieder glückliche, gesunde Kinder "zu haben"!!

Das finde ich im Falle von "Homeschooling" auch. Denn diese Alternative laesst den Schueler nicht aus dem System fallen und ermoeglicht ihm spaeter, wenn noetig/ erwuenscht einen Wechsel zur regulaeren Schule. Vor Eltern die erfolgreich ihre Kinder daheim im Rahmen des "legalen Homeschoolingprogramms" unterrichten, hab ich hohen Respekt! Vor allem, wenn viele Kinder gemeinsam unterrichtet werden, ist das sicher eine gute Alternative.

Freilernen oder Unschooling ist fuer mich keine Alternative, weil die Erfahrung des eigenen kleinen Lebensraums heutzutage nicht mehr ausreicht, um in einer globalisierten Welt Fuss zu fassen.

Du schreibst auch, dass das, was auf einen Menschen passt, nicht unbedingt auf einen anderen passt. Das kommt aber auch vor, wenn wir Eltern glauben, was fuer unser Kind gut ist. Z.B. waren meine Kinder in und ausserhalb der Schule schon mit Situationen konfrontiert, wo ich glaubte, es gaebe sicherlich Probleme. Anders als gedacht, kamen sie selbst bestens damit klar, weil sie eben anders sind als ich oder als ich denke. Dafuer gab es schon andere Probleme, wo ich dachte, dass es da wohl keine geben wuerde!

Gruss, Manuela
 
Zuletzt bearbeitet:
Hier einmal eine wichtige Passage aus dem Aufsatz "Widersprüchliche Freiheit-die Freilerner" von Lothar Kittstein:

"neue Medien begünstigen die Verbreitung selbstgebastelter, pseudokritischer Ideologien: Leute, die von Chemtrails überzeugt sind, Menschen, die sich den ganzen Tag damit beschäftigen, Fotos von Yogaübungen oder gesunden Rohkostmahlzeiten im Internet zu »liken«, so als könne die obsessive Pflege der eigenen Gesundheit und des eigenen Körpers irgendwie magisch all die komplizierten gesellschaftlichen Bedrohungen bannen, denen das eigene Leben ausgesetzt ist. Die auf Facebook sehr gut zu verfolgende personelle Überschneidung von Freilerner-, Esoterik- und alternativer Gesundheitsszene indiziert tatsächlich so etwas wie einen beunruhigenden, kollektiven Rückzug aus der Gesellschaft. Der politische Leerlauf, der hier stattfindet, zeigt sich gut in einer verbreiteten Facebook-Unsitte: Statt selbst einen Gedanken zu formulieren, werden romantische Landschaftsbilder geteilt, auf die jemand vorgefertigte Lebensweisheiten gephotoshopt hat, z.B. dass jeder (besonders: jedes Kind) doch einfach so sein soll, wie er »wirklich« ist! Dass jeder »seinen Weg« gehen soll, denn der führt ihn sicher an »sein« Ziel, wo er dann eben endlich so sein kann, wie er »wirklich ist« – obwohl man ja damit angeblich schon angefangen hat, und am besten entdeckt man am Ende dieses Weges auch noch sein eigenes »inneres Kind« wieder. Die ganze romantische Verklärung von Individualität und Kindsein führt zu einer scheinbar emanzipatorischen, eigentlich aber regressiven Propagierung einer durch und durch tautologischen Suche nach der »eigenen Identität«, zu einem Programm, das letztlich auf die totale Vereinzelung, auf unpolitische Gleichgültigkeit hinausläuft, bei aller zur Schau getragenen Empathie."

Gruß Sülzmeister
 
Ich kann Manuela da nur zustimmen, wie sagte ein Professor einmal in einer Vorlesung: Ich muss nicht alles wissen, aber ich muss wissen, wo ich es finden kann.
Wahrer den je in der heutigen, vernetzten Zeit.
Es gibt Basics, die sind ein Muss.
Aber anderes, wie Manuela schrieb, wird nur, weils schon immer so war und zur "Allgemeinbildung" gehört, in die Köpfe der Kinder gezwängt, bis diese platzen.
Er erinnere mich da an Mathethemen, die ich nicht mal mehr im Studium gebraucht habe.
Ich denke wirklich, das viele Lehrpläne entschlackt gehören und dafür um so etwas wie "Verhalten in und mit neuen Medien und deren Auswirkungen" ergänzt werden sollte.
Wenn ich gestern wieder gelesen habe, das irgendeine Berühmtheit jammert weil ihr Nackbilder vom Handy gestohlen wurden, versteh ich die Köpfe der Menschen nicht mehr.
Jeder kann machen, was er will. Aber offline. Wenn ich solche Bilder mag, dann speicher ich die nicht so, das sie öffentlich werden können.

Aber da sind so manche Sachen...
Da muss das Bildungssystem einfach mal aktualisiert werden.
Was hab ich mich mit der Interpretation von Bahnwärter Thiel gequält. Verstanden hab ich es bis heute nicht und gebracht hat es mir auch nichts ausser einer schlechten Note.
Aber so mal als Beispiel, welche Versicherungen sind nützlich und was leisten die, nix.

Der oft gebrauchte Vorwurf, man lernt nichts fürs Leben muss man einschränken, man lernt nichts für den Alltag. Nur sehr wenig.
Das muss geändert werden, gerade im Hinblick auf so manche Wahlergebnisse der letzten Zeit. Denn für mich gibt es da einen Zusammenhang.
 
Aus meiner Sicht ist es so, dass der Bildungsauftrag nicht nur dem Staat überlassen werden kann. Der Staat / die Schule sollte für alle Kinder ein sehr, sehr breites Angebot an theoretischen Inhalten bieten - ohne diese Breite können keine Talente entdeckt werden. Wenn nicht schon in der Schule zum Beispiel Themen in Physik und Mathematik unterrichtet werden, die "man niemals wieder gebrauchen kann", bleiben Talente unentdeckt und es wachsen keine theoretischen Physiker mehr heran. Die Bildung für den Alltag muss jemand anderes leisten - bestenfalls die Familie - und hier ist der Ansatz "es braucht ein Dorf um ein Kind aufzuziehen" auch sehr gut und angebracht. Für die Entdeckung von Talenten für wirklich komplizierte Zusammenhänge ist das Dorf nicht genug, die Wahrscheinlichkeit, dass ein zufälliger Bildungsinhalt im Dorf ein Kind möglicherweise neugierig auf Quantenmechanik macht, ist zu gering.

Ich bin auch der Meinung, dass die Bildungslandschaft in Deutschland eigentlich für jedes Kind ein Angebot bereit hält. Es gibt von leistungsorientierten Sportinternaten bis Waldorfschulen eine Auswahl. Auch für Kinder, die trotz der großen Vielfalt der Angebote aus dem System fallen und den Schulbesuch verweigern, gibt es alternative, außerschulische Angebote. Die Eltern müssen nur gemeinsam mit der Stadt oder Gemeinde überlegen, was gerade für dieses Kind ein sinnvolles Angebot ist.
 
Beist sich deine Aussage nicht etwas?
Der Bildungsauftrag sollte nicht nur dem Staat überlassen werden,aber das Dorf ist nicht genug, um Quantenmechaniker zu finden?

Es sollten eben noch andere Stellen Wissen vermitteln dürfen. Ich denke schon, das Kinder, die Freude an Mathematik haben, dann auch zur Physik finden können.
Nur muss es dafür Möglichkeiten geben, diese zu finden. Aber in Zeiten des Internets sollte sowas leistbar sein.
 
Hallo,

einen Aspekt, den ich noch als Anreiz zur Diskussion mit nennen moechte, ist die Tatsache, dass viele Eltern hier in P. ihren Kindern in der Oberstufe zusaetzlich Druck machen, anstatt sie zu unterstuetzen.

Wegen der hohen Jugendarbeitslosigkeit und dem Mangel einer dualen Berufsausbildung als Alternative zum Studium, stehen die Jugendlichen hier unter dem grossen Druck, gute Noten zu haben, um ueberhaupt einen Platz in der Uni zu kriegen. Der Druck in der Schule ist durch den aufgeblaehten Lehrplan, den die Lehrer durchkriegen muessen und auch das ranking zwischen den Schulen eh schon so gross. Wenn ein Jugendlicher dann noch mit Eltern zu tun hat, die nur auf Leistung pochen, geht der Schuss oft nach hinten los.

Die Eltern wissen gar nicht, dass ihr Kind z.B. regelmaessig schwaenzt und fallen aus allen Wolken, wenn dann nach Wochen die Schule in einem Brief ueber die Situation informiert. Es besteht oft kein Vertrauensverhaeltnis mehr zwischen Jugendlichen und Eltern. Und mit Kontrolle ist in dem Alter natuerlich nicht mehr so viel zu machen.

Ich, z.B. schreib auch mal ne Entschuldigung fuer den Nachmittagsunterricht, wenn sie noch auf einen Test fuer ein wichtiges Fach lernen muessen oder ich einfach seh, dass sie waehrend einer Testphase total gestresst sind. :pssst:

Gruss, Manuela
 
Beist sich deine Aussage nicht etwas?
Der Bildungsauftrag sollte nicht nur dem Staat überlassen werden,aber das Dorf ist nicht genug, um Quantenmechaniker zu finden?

Es sollten eben noch andere Stellen Wissen vermitteln dürfen. Ich denke schon, das Kinder, die Freude an Mathematik haben, dann auch zur Physik finden können.
Nur muss es dafür Möglichkeiten geben, diese zu finden. Aber in Zeiten des Internets sollte sowas leistbar sein.
Die Sache mit dem Internet, da wird viel zu oft nur ein kurzzeit Wissen erzeugt, ich brauch es nicht wirklich zu lernen, kann es ja wieder finden im Netz, wenn ich mich vielleicht erinnere. Vieles ist kompletter Mist.
Eine gute und breite Bildung, eroefnet den Talenten der jungen Menschen ihren Weg zu finden.
Ich habe keine Uni Bildung, aber das sehr grosse Spektrum meiner Lehre, Grosshandel Im und Export in einem produzierendem Betrieb hat mir Tor und Tueren geoeffnet. Da habe ich in den 3 Jahren vom Fliessband bis zum Fotografieren, von Buchaltung bis Druckerei, Materialkunde bis Einkauf, von Werbung bis Verkauf, von den Anfaengen der EDV bis zum Kundenberater alles gelernt. Physik, Chemie, English und das andere Zeuch in der Berufsschule.
Das war bis zum Anschlag.
Hat aber den Anreiz gebracht das Fachabitur in der Abendschule nachzuholen.

Was noetig oder unoetig ist findet man ja erst spaeter heraus. Ich weiss zwar wie Feuerverzinken geht und wie Materialien und Geraet dafuer vorbereitet werden muessen, habe das aber nie in meinem Leben gebraucht. Aber das was ich in Buchhaltung gelernt habe, oder Bueroorganisation, und was ich beim Fotografen gelernt habe und in der Werbung das hat mir beruflich genutzt.
Den Beruf den ich gelernt habe und meinen Brief gemacht habe, habe ich nie ausgeuebt.
 
Hi Schrott,
ich habe Ozzy so verstanden, dass man Infos zu den unterschiedlichen Schulformen, Bildungsmöglichkeiten etc. im Netz findet.

Hi Ozzy,
...dass der Bildungsauftrag nicht nur dem Staat überlassen werden kann. Der Staat / die Schule sollte für alle Kinder ein sehr, sehr breites Angebot an theoretischen Inhalten bieten - ohne diese Breite können keine Talente entdeckt werden. Wenn nicht schon in der Schule zum Beispiel Themen in Physik und Mathematik unterrichtet werden, die "man niemals wieder gebrauchen kann", bleiben Talente unentdeckt und es wachsen keine theoretischen Physiker mehr heran. Die Bildung für den Alltag muss jemand anderes leisten -

Ich denke nicht, dass sich die Aussagen beißen. Jerakeen beschreibt und fordert Ergänzung und das Zusammenspiel verschiedener Faktoren bzw. Einflüsse, die wichtig sind, um Kindern die besten Chancen zu bieten.
Dem kann ich nur zustimmen

LG irisb
 
Eben, mehr Möglichkeiten anbieten und unsinniges streichen. Natürlich kann man sich ewig streiten was unsinnig ist. Aber einfach immer mehr in den Lehrplan zu packen wie in Pt kann es auch nicht sein.
Schrott hatte da viel Glück mit seiner Berufswahl, andere Berufe sind nicht so vielfältig.
Aber das Problem ist ja, das so gut wie nur D das duale Ausbildungssystem hat. Viele versuchen das nun zu übernehmen, aber sowas muss ja wachsen.
In Pt gibt es das eben nicht und ich erlebe täglich, wie hier die Handwerker bswp. so drauf sind.
Gelernte Handwerker aus D schlagen da die Hände über den Kopf.
Und ich bin da auch sehr skeptisch, das ein Lehrer einem Schüler sowas wie praktisches Arbeiten beibringen kann. Ich sehe es an unserer Großen, sie geht auf so eine Schule.
Für sie genau das richtige, aber ich möchte da keinen Elektriker aus der Schule haben. Die Landwirte mögen da noch gut aufgehoben sein, aber Maintenance sehe ich da nur mit Stirnrunzeln.
 
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In Pt gibt es das eben nicht und ich erlebe täglich, wie hier die Handwerker bswp. so drauf sind.
Gelernte Handwerker aus D schlagen da die Hände über den Kopf.
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Wir sanieren ja gerade eine kleine, alte Quinta im Ribatejo und mein Mann ist Handwerksmeister, natürlich können wir deshalb vieles selbst machen - aber eben nicht alles. Und was wir bisher an Leistungen von Handwerksbetrieben in Anspruch genommen haben, war alles völlig in Ordnung. Gut, eine Wand ist nicht ganz gerade gemauert worden, aber das war auch kein Maurer, sondern ein Allround-Talent und die Mauer ist auch nur an der Wasserwaage nicht ganz gerade, das bloße Auge stellt die Schiefe nicht fest.
Alle anderen Handwerksleistungen (Elektrik, Tiefenbrunnen, Drainage ...) wurden sehr fachgerecht ausgeführt.
Ich sage nicht, dass es dabei keine Probleme gab, aber die lagen eher in nicht eingehaltenen Terminzusagen, kurzfristigen Anforderungen von Zwischenzahlungen bei sofortiger Arbeitsniederlegung, unvermittelten Kürzungen in der geleisteten Arbeit (weil ein Kollege Urlaub hatte) und so weiter. Das waren immer eher arbeitsmoralische und keine fachlichen Probleme. Bisher gab es noch keinen Grund, wegen der Ausführung irgendeiner Arbeit die Hände über die Augenlinie zu heben.

Das duale Ausbildungssystem in D ist weltweit praktisch einmalig, ich kenne zumindest kein anderes Land, das für einfachste Tätigkeiten z.B. im Verkauf eine Ausbildungsmöglichkeit anbietet. Natürlich neigen wir dazu, dieses uns so bekannte und System als sehr gut (oder vielleicht sogar das beste) anzusehen und wahrscheinlich ist es das auch. Aber in anderen Ländern wird auch gute praktische Arbeit geleistet, ohne dass nach zehn Jahren Schulbildung noch drei Jahre Ausbildung absolviert werden müssen. Ich möchte nur deutlich machen, dass nicht alles was anders als in Deutschland ist unbedingt schlecht sein muss.

Für mich ist die Aufteilung "praktische Bildung für den Alltag zuhause im Dorf - theoretische Bildung breitgefächert und auch mit teilweise uninteressanten und nicht direkt nützlichen Inhalten in der Schule" ein guter Weg gewesen.

Ein weiterer Aspekt, über den ich neulich noch eine Radioreportage gehört habe, ist auch, dass durch den Fortschritt in der Forschung die Inhalte für die Schulen, die z.B. vor Beginn eines naturwissenschaftlichen Studiums vermittelt werden müssen, in den letzen Jahrzehnten enorm zugenommen haben. Von Studienanfängern wird heute viel mehr Grundwissen verlangt, das bis zum Abitur gerlernt worden sein muss. Natürlich führt das zu einer Verdichtung des Stoffes in der Regelschule - man muss ja trotzdem von Anfang an lehren, es kommt ja niemand mit dem Grundwissen über die Vererbungslehre auf die Welt. Anstatt also die - mittlerweile ja auch in vielen Bundesländern in D wieder gekippte - Verkürzung der Zeit bis zum Abi sollte wohl eher über eine Verlängerung der Schulpflicht über 10 Jahre hinaus nachgedacht werden. Das würde vielleicht auch für die Jugendlichen ein Vorteil sein, die mit 16 oder 18 Jahren persönlich noch nicht so weit sind, sich den Realitäten von Ausbildung oder Studium stellen zu können.
 
Völlig richtig, die Verkürzung des Abis war ein Schuss in den Ofen. Da ist Pt tatsächlich weiter, hier gilt eine längere Schulpflicht. 12 Jahre entgen 10 Jahren in D.

Glückwunsch, das bisher gute Handwerker bei euch arbeiten. Womöglich liegt das daran, das ihr anwesend seit oder das sich die Qualität der arbeiten in den letzten Jahren doch erheblich gesteigert hat.
In meinem Haus war das noch nicht so.
Ich habe aber auch schon gute Erfahrungen gemacht, um das mal klar zu stellen. Bis auf die aufgezählten landestypischen Probleme wie Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit usw. :)
 
Ich habe das ja schon mal geschrieben und kann das nur wiederholen: Wir haben und hatten keinerlei Probleme mit Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit von Handwerkern - zu uns kamen sie in den letzten Jahren eher früher als ausgemacht :). Wir hatten bisher auch keinerlei Beanstandungen, auch wenn wir nicht vor Ort waren, wurde zuverlässig gearbeitet. Sicher gibt es hier wie in D "solche und solche", aber als typisch für ein Land würde ich das nicht ansehen. Ich schätze - auch im Vergleich mit Handwerkern in D - die Freundlichkeit und Hilfebereitschaft. So wurde z.B. unsere neue Spülmaschine in einem äußerst langwierigen und schwierigen Arbeitsvorgang eingebaut - schon der Ausbau der alten zeigte sich als nicht gerade ausbaufreundlich - und es wurde kein Cent mehr verlangt, keine Kosten für Anfahrt etc.. Die alte Maschine wurde mitgenommen, selbstverständlich ohne Entgelt. Wir leben hier sehr ländlich und man kennt praktisch jeden, ist vielleicht auch ein Bonus. Ach ja, in D musste ich beim Werksdienst von Miele erstmal 79 Euro als Anfahrtskosten bezahlen, da war noch nichts gemacht und sie mussten 3x kommen, da der Fehler bei keinem Mal behoben wurde. Erst nach langem Hin- und Herschreiben und dem Drohen mit einem Rechtsanwalt wurden gnädigerweise 1x Fahrtkosten auf die Reparaturkosten angerechnet.
 
Hallo,

dein letzter Beitrag, Sibylle, ist sehr informativ, allerdings kommen wir durch die Diskussion der Qualitaet von Handwerksbetrieben in D. und P. ziemlich weit vom Thema ab!

Ich bitte dich deshalb und alle weiteren, die an der Diskussion teilnehmen beim Thema "Beduerfnisse von Kindern und Schulsystem in P." zu bleiben.

Danke fuer euer Verstaendnis!
 
Manuela,hab's selbst gemerkt. Aber es juckt dann einfach in den Fingern und man möchte nicht immer ein neues Thema aufmachen. Sorry, gelobe Besserung, dass es nicht mehr passiert kann ich dir leider nicht versprechen :)
 
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