• Gäste können im PortugalForum zunächst keine Beiträge verfassen und auch nicht auf Beiträge antworten. Das klappt nur, wenn man registriert ist. Das ist ganz leicht, geht schnell und tut nicht weh: Registrieren. Und dann verschwindet auch dieser Hinweis ...

Verlassene Dörfer in Portugal

K.P.

Lusitano
Teilnehmer
Stammgast
Aldeias abandonadas em Portugal

Der Thread tauchte gerade zur rechten Zeit wieder auf ... Broas ... das ist wirklich ein sehr schönes Fleckchen, vor allem im Frühjahr, wenn die Wiesen satt grün sind, die ersten Blätter an den Bäumen, und das verlassene Dörfchen oberhalb von Cheleiros dann buchstäblich aus dem Nichts auftaucht.

Als wir jetzt Anfang Februar bei traumhaftem Wetter wieder dort waren, hatte ich eine halbe Stunde vorher auf dem vorigen Hügel, wo ein paar gut erhaltene Windmühlen stehen, noch gewitzelt, dass sich das in ein, zwei Jahren garantiert in das Ressort »Windmühlenpark« verwandelt haben wird, dann stand kurz vor Broas erst ein Bagger in der Landschaft und schließlich wurde der Wanderweg durch Flatterband versperrt ... klar, ignoriert, ein paar getrocknete Feigen unter der Ulme gegessen und die nächsten 100 Fotos gemacht. Aber offensichtlich hatte dort jemand Größeres mit den Ruinen vor, die Grundmauern eines neuen Gebäudes standen schon.

Ein paar Tage habe ich dann erfahren, dass das auch anderen sauer aufgestoßen ist. Und jetzt wurde ein Baustopp verhängt, weil das Ganze, wer hätte das gedacht, illegal abläuft → Obra para alojar turistas numa aldeia-fantasma foi embargada

Die Frage ist, was dort in Zukunft passieren wird. An illegalen (Protz-)Bauten und Ferienunterkünften mangelt es in der Gegend zwischen Sintra und Mafra bekanntlich nicht. Vielleicht ein Museumsdorf? Aber es muss ja auch nicht alles »entwickelt« werden, warum nicht einfach ein Dorf in der Landschaft verschwinden lassen.

2017_04_05_12_18_01.jpg
2017_04_05_12_18_47.jpg
2017_04_05_12_20_15.jpg
2017_04_05_12_21_39.jpg
2017_04_05_12_25_40.jpg
2017_04_05_12_33_57.jpg
2017_04_05_12_34_25.jpg
2017_04_05_12_34_41.jpg
2017_04_05_12_39_54.jpg
2017_10_23_11_34_25.jpg
 
Ich war der Meinung, dass diese Bilder es wert sind, ein eigenes Thema aufzumachen. Muss sich ja nicht nur auf dieses spezielle Dorf beziehen, in Portugal gibt es genug Beispiele dafür...
 
Esche :(
Wenn jetzt schon ein neuer Tread aufgemacht wurde, schütte ich noch meinen Zettelkasten aus.

Zum ersten Mal erwähnt wurde das Dorf 1527 als »Aldea das Boroas«. Seinen Namen verdankt es den für die Landschaft typischen kegelförmigen Hügeln. Damals gehörte es zu »Chilheiros«, das bereits 1195 von D. Sancho die Stadtrechte erhalten hatte. Die römische Brücke über den Lizandro zeugt von der Bedeutung und Verkehrsfunktion, die der Ort einmal gehabt hat.
In der Ferne sieht man Penedo do Lexim, einen erloschenen Vulkan, um den herum reiche Funde vorgeschichtlicher Besiedlung gemacht wurden.
Wir stehen vor gut erhaltenen Strukturen dörflichen Lebens. Schäden durch den leider üblichen Vandalismus halten sich noch in Grenzen. Der Ort besteht aus neun Wohnhäusern, die Küchen sind alle mit einer Feuerstelle ausgerüstet, wir finden Ölpressen, Lager und Ställe, einen Taubenschlag, Brunnen und Weinkeller. Auf dem Dorfplatz steht eine mächtige Esche mit einer Steinbank.
Es gibt keine Kirche, auch Verwaltungsgebäude oder Läden fehlen. Für Geschäfte und Behördengänge war man an die Nachbargemeinden verwiesen.
Alle Häuser sind aus Feldsteinen gebaut.
Das letzte Gebäude stammt von 1888, dem Geburtsjahr Fernando Pessoas. 1955 hatte des Dorf noch 25 Einwohner. Seit etwa 40 Jahren lebt hier kein Mensch mehr. Zwischen 1969 und 1982 haben die letzten Einwohner ihr Dorf verlassen.
Dass Portugal im Februar 1969 von einem Erdbeben erschüttert wurde, dem stärksten seit 1755, hat gewiss zum Niedergang des Ortes beigetragen; aber auch, und das wird man im Moment einer solchen Katastrophe gemerkt haben, dass er von moderner Entwicklung und Infrastruktur abgeschnitten war. Von öffentlicher Wasserversorgung, Kanalisation oder Elektrizität konnten die Menschen nur träumen.
Seit 1834 ging die Grenze zwischen den Kreisen Sintra und Mafra mitten durch das kleine Dorf. Erst hundert Jahre später (1936) wurde es Cheleiros zugeschlagen.
Die Verkehrswege verschwinden langsam in der Vegetation, mit dem PKW hat man keine Chance, den Ort zu erreichen. Eine römische Straße, von der allerdings nur spärliche Reste erhalten sind, führt zum Nachbarort Almorquim.
 
Zurück
Oben