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News Steuergesetz: Portugal will Bankgeheimnis lockern

kailew

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Die portugiesische Regierung plant, das Bankgeheimnis ab einem Vermögen von 50.000 Euro aufzuheben. Dieser Plan des sozialistischen Regierungschefs António Costa stößt aber vermehrt auf Kritik – nicht nur bei der konservativen Opposition, sondern auch bei Datenschützern. Diese befürchten, dass auch unschuldige Bürger kontrolliert würden, auch wenn keine Hinweise auf Fehlverhalten vorlägen.

Um die Steuerhinterziehung in den Griff zu bekommen, plant Portugals linke Regierung unter Premierminister António Costa das Bankgeheimnis ab einem Vermögen von 50.000 Euro aufzuheben, meldet der Deutschlandfunk. Für Ernesto Pinto, Steuerexperte von der Verbraucherschutzorganisation Deco, hat sich Portugal in eine "Diktatur der Zahlen" verwandelt. Seit der Finanzkrise habe jede Regierung nur noch das Ziel, so viele Steuern wie möglich einzutreiben, um die Staatsschulden in den Griff zu bekommen. Pinto bezweifelt, dass das neue Gesetz nötig ist. "Das Bankgeheimnis kann schon jetzt aufgehoben werden, und dafür braucht es nicht mal Beweise", sagt Pinto.

In den vergangenen Jahren hat Portugal mit einer Reihe von Maßnahmen versucht, das Steuersystem effizienter zu gestalten. Wer bei seinen Einkäufen etwa eine Rechnung mit Steuernummer verlangt, die den Verkäufer wiederum dazu zwingt, die komplette Summe abzurechnen, bekommt einen Teil der Mehrwertsteuer erstattet. Damit gibt das Finanzamt die Kontrolle an die Bürger des Landes weiter. Pinto: "Tatsächlich scheint es aber, als ob wir nun alles kostenlos fürs Finanzamt als Steuerfahnder arbeiten würden. Und das hat auch bedenklichen Folgen für uns Bürger: Denn auf dem digitalen Finanzportal können alle Rechnungen, die ich habe ausstellen lassen, aufgerufen werden und so entsteht ein Bild von all meinen Finanz-Bewegungen, die ich getätigt habe. Das zieht natürlich Fragen des Datenschutzes nach sich."
 
Hallo,

ja es ist tatsaechlich heftig, inwieweit der port. Staat sich Einblick in den Konsum der Buerger verschafft!

Sobald man die Steuernummer bei einem Einkauf, Restaurantbesuch etc. angibt, weiss das Finanzamt wann wo und was fuer Lebensmittel oder Klamotten einkauft wurden oder zum Friseur gegangen wurde etc. Den Gesamtbetrag dieser Ausgaben, der ein Jahreslimit hat, kann man als Kosten in der ESt-Erklaerung angeben und das senkt so das zu versteuernde Einkommen.

(siehe Punkt 10.!)

Dieser Betrag ist aber allein dadurch, dass man Lebensmittel kauft, schnell gedeckt. Strom, Wasser, Telefon, Maut, Versicherungen, Internet und vieles mehr werden sowieso automatisch mit Steuernummer abgerechnet. Da ist man gegenueber des Staates sowieso schon ein "glaeserner Mensch". Denn auf dem online-Portal erscheinen automatisch alle meine Einkaeufe, die unter meiner Steuernummer getaetigt wurden und sind so fuer das Finanzamt ersichtlich.

Durch das Kreuzen der Daten versucht das Finanzamt zu vermeiden, dass die Firmen Produkte oder Taetigkeiten "schwarz" anbieten. Die Schwarzarbeit ist aber nach wie vor an der Tagesordnung. Der Mehrwertsteuersatz von 23% ist der hoechste in der EU. Fuer viele lohnt es sich, zu versuchen, um ihn herum zu kommen!

Ach ja, beschlossene Sache ist ja schon folgendes: Am Jahresende muessen die Banken den Kontostand jeden Buergers ans Finanzamt melden!

Gruss, Manuela
 
Verzeiht meine Naivität bei dem Thema... bin sehr froh, dass es Steuerberater gibt, die mir diese Thematik abnehmen, aber durch meine Selbstständigkeit bin ich nicht ganz planlos, möchte ich behaupten.

Wenn bei Jahresende die Banken sowieso schon alles offenlegen, ist die Aufhebung des Bankgeheimnis ab 50k doch eigentlich obsolet? Als auch die Empörung darüber?

Wenn ich etwas von der Steuer absetzen will, muss ich die Rechnung doch sowieso deklarieren und mache mich damit genau so gläsern, wie es über die direkte Erfassung passieren würde. Wenn ich keinen Bock habe jeden Einkauf dem Finanzamt kundzutun, dann mache ich das ohne Steuernummer und kann dafür im Gegenzug eben nichts absetzen. Dass bei einer Absetzung die Quelle nachvollziehbar sein muss ist doch... nachvollziehbar?

Und wer ist denn wirklich gegen die Vermeidung von Steuerhinterziehung seitens der Firmen? Und warum ist er/sie das?

Datenschutz finde ich auch sehr wichtig, aber die offengelegten Daten sind in diesem Fall doch kaum, bzw. eigentlich gar nicht, umfangreicher, als zuvor. Aber belehrt mich gerne eines besseren!
 
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Reaktionen: HJV
Wenn bei Jahresende die Banken sowieso schon alles offenlegen, ist die Aufhebung des Bankgeheimnis ab 50k doch eigentlich obsolet? Als auch die Empörung darüber?
Hallo,

die Banken duerfen am Jahresende nicht alles offenlegen, sondern nur den Kontostand und das glaub ich schon, ab 5000 Euro. Vielleicht ann das já nochmal jemand bestaetigen?! Ich finde es ist schon ein Unterschied, ob nur dieser automatisch ans Finanzamt weitergegeben wird oder jeder einzelne Posten der ueber´s Konto lief. Denn somit waere das Bankgeheimnis und der persoenliche Datenschutz komplett aufgehoben.
Wenn ich etwas von der Steuer absetzen will, muss ich die Rechnung doch sowieso deklarieren und mache mich damit genau so gläsern, wie es über die direkte Erfassung passieren würde. Wenn ich keinen Bock habe jeden Einkauf dem Finanzamt kundzutun, dann mache ich das ohne Steuernummer und kann dafür im Gegenzug eben nichts absetzen. Dass bei einer Absetzung die Quelle nachvollziehbar sein muss ist doch... nachvollziehbar?

Und wer ist denn wirklich gegen die Vermeidung von Steuerhinterziehung seitens der Firmen? Und warum ist er/sie das?
Das ist richtig, dass man zuvor auch die Ausgabenzettel, deren Kosten man vom zu versteuernden Einkommen abziehen wollte, aufbewahren musste und auf Anfrage beim Finanzamt vorlegen musste.

Ich persoenlich sehe nicht, dass sich die Steuerhinterziehung bekaempfen laesst, indem man den Endverbraucher komplett kontrolliert und ueberwacht! Leider!!!

Wie gesagt sind die Limits fuer die abzusetzenden Kosten, siehe in meinem Beitrag Nr. 3 sehr schnell erreicht. Nur 35% der 23% Mehrwertsteuer einer Ausgabe kann vom Einkommen abgezogen werden. Sicherlich ist vielen immer noch lieber, die 23% erst gar nicht berechnet zu bekommen, als von dieser Verguenstigung Gebrauch zu machen.

Wie es in anderen Laendern auch ueblich ist, sollten meiner Meinung nach alle paar Jahre Betriebspruefungen stattfinden! Warum soll der Kunde bis auf die Unterwaesche durchleuchtet werden und nicht der Verursacher selbst?

Viele Unternehmen wie auch der Staat selbst(!) beschaeftigen staendig Selbstaendige auf recibos verdes. Das ist Scheinselbstaendigkeit und auf den Beschaefigten wird die komplette Sozialversicherung abgewaelzt und bekommt er dann ploetzlich keine Auftraege mehr, hat er nicht mal Anspruch auf Arbeitslosengeld. Das sollte verboten werden!

Es gibt so viele Vermietungen ohne offiziellen Mietvertrag!

Es gibt wohl noch viele Beispiele, wie man die Steuerhinterziehung in den Griff bekommen koennte.

Gruss, Manuela
 
Ich habe nichts gegen die Aufhebung des Bankgeheimnisses, bin für totale Transparenz. In Schweden wird das Einkommen der Bürger sogar im Internet veröffentlicht. Wäre doch ideal für ein Land voller Neider wie Portugal :D
Und ja, selbstverständlich ist jeder Bürger ein potenzieller Steuerhinterzieher.
 
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