Ich sitze gerne auf der Esplanada do Adamastor und lese. Meistens komme ich irgendwann am späten Nachmittag und bleibe bis zum Einbruch der Dunkelheit. Die Esplanada ist ein Aussichtspunkt, ein miradouro, was in der wörtlichen Übersetzung so viel wie »Gold anschauen« bedeutet. Und genau das macht jene Plätze Lissabons aus, die über den Dächern der Stadt liegen: Der Sonnenuntergang entfaltet hier die magische Anziehungskraft eines Lagerfeuers. Alle bleiben stehen, alle sehen zu, wie dieses große, leuchtende Etwas langsam hinter dem Horizont verschwindet. Und es fühlt sich an, als würden sich die Menschen wie in alten Zeiten rings um ein Feuer versammeln. -> zum Artikel Von Gonçalo M. Tavares