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Wilder Planet - Gefahr für Lissabon

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Tano

Gast
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Das [WIKIPEDIA]Erdbeben von Lissabon[/WIKIPEDIA] an Allerheiligen 1755 hatte ganz Europa in eine wissenschaftliche, politische und kulturelle Sinnkrise gestürzt. Voltaire, Kant und Lessing sowie der späte Johann Wolfgang Goethe, der zum Zeitpunkt der Katastrophe noch keine sechs Jahre alt gewesen war, hatten immer wieder dieses Ereigniss philosophisch thematisiert.

Auch physisch war es in ganz Europa zu spüren gewesen, wie auf der wiki zu entnehmen. Dort unerwähnt bleibt die Tatsache, daß in Berlin das Wasser des Wannsee plötzlich um vier Meter stieg und Teile der Burganlage im rheinischen Stolberg wegbrachen.

Das ZDF hat zu diesem Ereigniss auf Terra X eine Sendung ausgestrahlt



Begleitende Texte hierzu





Das zerstörte Lissabon in alten Stichen

Beeindruckt...

T.B.
 
...und wer die Sendung versäumt hat. Es wird Freitag, 17.07.09 um 19.30h dt. Zeit im ZDF Dokukanal wiederholt
 
Wilder Planet | Gefahr für Lissabon

Die Evangelische Wochenzeitung für Bayern - das - hat in seiner Ausgabe vom 16.Mai 2010 das im Jahre 1755 in ihrem Artikel



unter der Gesichtspunkt der Theodizee interpretiert.

"Der Begriff » «, geprägt vom deutschen Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz im Jahre 1710, leitet sich von der Kombination der griechischen Substantive »theós« (Gott) und »diké« (Gerechtigkeit) ab. Dabei geht es um die Frage der Rechtfertigung Gottes angesichts des Übels in der Welt."(Quelle:a.a.O.)

Auch die Gedanken des reiferen Goethe - der zum Zeitpunkt des Bebens sechs Jahre alt gewesen ist - werden skizziert,

" Gott, der Schöpfer und Erhalter Himmels und der Erden, den ihm die Erklärung des ersten Glaubensartikels so weise und gnädig vorstellte, hatte sich, indem er die Gerechten mit den Ungerechten gleichem Verderben preisgab, keineswegs väterlich bewiesen.« Goethe stellte die Frage, ob angesichts solcher Ereignisse noch allen Ernstes von einem gnädigen Gott gesprochen werden könne."
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Auch greift in ihrem etwas längerem Text



den Gedanken der Theodizee auf, erklärt die damaligen Geschehnisse in Portugal mit etlichen Augenzeugenberichten und beschreibt die Auswirkungen dieses Bebens auf das aufgeklärte philosophische Denken in Europa zu jener Zeit (mit umfangreicher Literaturliste).
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Wer ganz genau wissen möchte, was an jenem Allerheiligen im November 1755 geschah, kann sich in das umfassende und sehr detailreiche Werk



vertiefen, welches von Gerhard Lauer und Thorsten Unger im Jahre 2008 herausgegeben worden ist.

Alle Facetten des historischen Ereignisses werden beleuchtet.
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Schon etwas älter ist der von Rüdiger Suchsland geschriebene Artikel aus dem Heise-Magazin Telepolis vom 05.11.2005 zu diesem Thema, soll aber für die Interessierten nicht ungenannt bleiben

Als ob der jüngste Tag kommen sey...

Darin nennt er das Ereignis " ..."die" paradigmatische Katastrophe..." in der Geschichte der europäischen Denk- und Geisteshaltung schlechthin.

"Vor 250 Jahren zerstörte das Erdbeben von Lissabon die portugiesische Hauptstadt. Lissabon wurde zum Menetekel, das wie kein anderes Unglück das moralische und naturwissenschaftliche Denken verändert hat. Es war nicht eine weitere von vielen, es war "die" paradigmatische Katastrophe. Doch Lissabon erschütterte nicht etwa - wie oft behauptet wird - die Selbstgewissheit der Aufklärung, sondern vor allem den Glauben an einen gerechten Gott und eine harmonisch-gute Natur und bestätigte damit den Rationalismus des Zeitalters. Von einer Liquidierung des Optimismus kann keine Rede sein. Auf die Bestandsaufname der Fakten folgte zunächst ihre ästhetische, dann ihre theoretische Interpretation."(Quelle:a.a.O.)
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Tano
 
AW: Wilder Planet | Gefahr für Lissabon



vertiefen, welches von Gerhard Lauer und Thorsten Unger im Jahre 2008 herausgegeben worden ist.

Danke für den Tipp! Ich empfehle zudem: Horst Günther: Das Erdbeben von Lissabon. Materialreich, nüchtern und klug, und das für € 9,95.


Lissabon wurde zum Menetekel, das wie kein anderes Unglück das moralische und naturwissenschaftliche Denken verändert hat.

Wäre das Wetter nicht gerade so theoriefeindlich würde ich dazu etwas schreiben - so nur die Anmerkung, dass ich es nicht für sehr plausibel halte, im Erdbeben den Grund für eine geistige Krise, Abkehr von der Theodizee, vom Optismus der Aufklärung zu halten.
Das europäische Denken hat sicher kein Erdbeben von Lissabon gebraucht, um an der Gerechtigkeit Gottes zu zweifeln. Das Thema war längst auf der Tagesordnung. Und um erschüttert zu werden, muss das Denken schon für Erschütterungen empfänglich sein.
 
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