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Erfahrung mit auswandern

Anna H

Admirador
Teilnehmer
Stammgast
Es geht ja in diesem (und auch in dem anderen) Forum immer wieder um das auswandern. Ich finde den Begriff ja nicht so glücklich, aber ich werde ihn jetzt einfach mal verwenden. Ich dachte, es wäre vielleicht eine gute Idee, wenn wir hier einfach mal ein paar Tipps für das auswandern sammeln könnten, es sind ja viele unter uns, die den Schritt überlegen oder schon gemacht haben.

Ich sehe mir ziemlich oft diese Auswanderersendung am Sonntag an, obwohl sie unglaublich schlecht gemacht ist und die Redakteure oft wirklich viese Kommentare machen. Aber trotzdem - es ist immer wieder spannend zu verfolgen, wie es aussieht, wenn Leute diesen Schritt machen ..

Was mir am meisten auffällt, ist, wie wenig Zeit sich die meisten lassen. Sie kommen in einem neuen Land an, und wollen sofort ganz viel erledigen und erledigt haben. Viele sind enttäuscht, wenn sie nicht gleich in den ersten zwei oder drei Tagen eine Wohnung finden!

Ich lasse mir vielleicht ein bischen viel Zeit - selbst bei einem Flug nach Kanada gönne ich mir ein, lieber zwei Tage zum Ankommen. Zeitunabhängig ausschlafen, in die neue Zeit kommen, im neuen Land ankommen, und das, obwohl ich ja nur ein paar Wochen bleiben will.

Viele in der Auswanderersendung lassen sich praktisch keine Zeit, und daß, obwohl sie doch ein paar Jahre bleiben wollen!
Ich weiß nicht, ob das typisch deutsch ist, oder ob es daran liegt, daß die Leute unter vierzig sind???

Daher nun - langer Rede kurzer Sinn - hier mein Tipp:

Laßt euch Zeit
Plant nicht so wahnsinnig knapp, wenn ihr in dem neuen Land ankommt
Nehmt euch Zeit, das Land aufzunehmen, die Atmosphäre zu erschnuppern, die Umgebung wirken zu lassen und sucht mit Ruhe und Geduld

So und nun her mit weiteren Tipps!

Vielleicht können wir ja einigen "Neuen" damit ein bischen weiterhelfen und ihre Planung, Umzug, Ankunft erleichtern!

LG

Annegret
 
Erfahrung habe ich ja noch nicht - und außerdem ziehe ich ja nur um ;D - im Vorfeld habe ich aber schon sehr viele Sachen erledigt:

Ganz wichtig - weil ohne sie bist Du in Portugal "Anonymus" = beim Finanzamt (finanças) eine N° Contribuinte - eine Steuernummer besorgen. (auf meine Karte warte ich allerdings schon seit Dezember)
Erst dann kannst Du bei der Bank Deiner Wahl ein Konto eröffnen.
Eine Wohnung finden - auch zur Miete ist es nicht allzu schwer - es gibt sehr viele Webseiten, auf denen man fündig werden kann, ich stelle bei Gelegenheit mal Einige, die ich gut finde, zusammen, denn dort habe ich auch unsere jetzige Wohnung gefunden - von Deutschland aus!!
Es sollte aber jeder wissen, dass Wohnungen zur Miete zumeist möbliert angeboten werden - eine unmöblierte Wohnung zu finden ist dann nicht mehr ganz so einfach.
Hat man die Wohnung und die Nebenkosten sind nicht inklusive, muß man sich beim Stromanbieter anmelden, was unter Vorlage des Mietvertrages sehr unkompliziert vonstatten geht.
Schwieriger wird es schon beim Wasser - da muß der Vermieter ein Formular ausfüllen und eine Kopie seines B.I. (Bilhete Identidade) beilegen - sofern der Vermieter nicht vor Ort wohnt dauert dies einige Tage - oder port. Zeit! ;) Natürlich muß man selbst auch noch ein Formular ausfüllen.
Heiliger Bürokratismus! Der aber in Deutschland nicht weniger kompliziert ist bei allen Abmeldungen, die man durchführen und an die man denken muß.

Fortsetzung folgt...
 
Den Begriff "auswandern" fand ich auch schon immer unpassend - jedenfalls für mich. Ich bin ja nur von einem Ort zum anderen gezogen, innerhalb der EU - wenn ich mich da an die Erzählungen meines Ex-Mannes erinnere, dann war sein Umzug von Hamburg nach München (wenngleich ebenfalls innerhalb der EU :-*) seinerzeit schon anstrengender ... (die Sprache verstand er auch nicht wirklich und damals hatte ihn die Polizei bereits nach nur einer Woche in München am Wickel, weil er mit einem fremden (inländischen!) Kennzeichen fuhr - es wurde ihm bereits Strafe angedroht, wenn er bei längerem Aufenthalt sein Auto nicht ummelden würde! Hier in Portugal sehe ich ausländische Kennzeichen zuhauf und nicht selten über JAHRE! die Polizei ist hier aber bestimmt nicht so dämlich, daß die solche Autos nach einiger Zeit nicht auch schon kennen würden, die sagen dann halt freundlicherweise nichts.)

Im Grunde ist ja klar, was zu tun ist:
Unterkunft / Arbeit oder sonstiges Einkommen sichern / Papierkram - und alles ist genauso schwer oder einfach wie überall - nur die Sprache ist eben anders, möglicherweise hat man durch die fremde Sprache dann eher eine größere Hemmschwelle all diesen Bürokratenkram zu durchlaufen. Aber meine Erfahrung ist doch, daß man in Portugal ganz gut klar kommt mit all den Anmeldeschritten. Manchmal muß man halt Wartezeiten akzeptieren (andererseits hab ich in D. die Erfahrung gemacht: je ländlicher, desto weniger Warten, je städtischer desto länger, das scheint mir hier ebenso zu sein). Daher würde ich auch jedem Umzieher raten, daß er vorab sich einigermaßen vorzeigbare Portugiesischkenntnisse aneignet. Erleichtert einem das Leben hier sehr - die Portugiesen sind wirklich begeistert, wenn sie bemerken, daß ein Ausländer sich bemüht, ihre Sprache zu lernen.

Jedenfalls: Für EU-Bürger ist ein Umzug nach Portugal kein Thema - da bin ich schon anderes gewohnt von meinem ukrainisch-russischen Bekanntenkreis (die müssen halt ein bißchen mehr Papiere bringen, aber selbst das ist zu schaffen).
Ich denke, es liegt an der Person selbst, wie aufregend er diese erste Phase "Bürokratie" bewältigt. Und später, wenn man dann anfängt hier zu arbeiten, muß man sich schon ein bißchen einstellen, auf die portugiesische Arbeitsweise - aber selbst hier sage ich immer: In D. hatte ich auch sone und sone Kollegen / Kunden / Lieferanten ...

Zu den Auswanderersendungen: Ich sehe ja nicht so oft fern, weil meist mein Sofamitbenutzer sein russisches Fernsehen kuckt. Ab und an aber krieg ich auch so ein paar Auswanderer mit. Ich bin manchmal wirklich ziemlich erstaunt, mit welchen Vorstellungen (was, nach 3 Tagen noch keine Wohnung? Was - eine Wohnung mit Schnecken an der Außenwand vermieten Sie? Ich habe nicht gewußt, daß ich mich und mein Auto ummelden muß und ähnliches) die Leute so in die weite Welt ziehen.
Dann frage ich mich, warum eigentlich nicht auch einfach mal mit blindem Selbstvertrauen etwas völlig Neues wagen - ohne perfekte Vorplanung. Denn denen ist wohl klar: Ummelden und Papierkram wird anfallen - welcher, wieso sich schon vorab die Laune verderben???

Als wir uns entschlossen nach Portugal zugehen, hatten wir damals halt sehr viel geplant vorab, Häuschen renoviert, und ein kleines Finanzpolster für 2 Jahre Leben angeschafft. Das sollte uns Zeit geben, bis wir Jobs finden. Hat ja auch so ungefähr hingehauen. Daß dann (viel später) eine Scheidung wieder alle tollen Pläne über den Haufen schmeißt, konnte man ja zum Umzugsdatum noch nicht wissen ;D. Da dachte ich aber auch nicht ans zurückgehen. Denn alle Schwierigkeiten im Leben tauchen hier wie dort auf und man muß sie halt irgendwie meistern.

Also, ich guck mir die Leute in den Sendungen oder auch andere, die ich hier kennen lerne, mittlerweile mit mildem Anstaunen an und denke mir, die werden schon irgendwie irgendwas schaffen, wieso nicht? Mir sind letztens auch Dinge eher gelungen, die ich spontan annahm - und eben grad meine großen Pläne klappten nicht sooo wie ich das wollte.

Mit solchen Threads hier bin ich immer zwiegespalten. Es gibt eine Menge Leute hier, die eine Menge gute Tipps - weil viel Erfahrung - haben. Nur: Die "Neuen" hören sich das zwar häufig sogar noch an, machen aber dann doch alles anders. Ist aber dann manchmal auch wieder interessant, was dabei rauskommt.
 
Fast das wichtigste hat Anna ja schon erwähnt:
Zeit
Wer die hat, hat normalerweise auch Geld und muss nicht schon übermorgen einen Job finden (den es eh meist nicht gibt).

Man sollte sich zunächst das Land in Ruhe betrachten, und das nicht mit den Augen eines Urlaubers.
Sich in aller Ruhe überlegen, ob es das ist, was man will / kann, und das für "immer".
Kann man das bejahen, auch bei Regen, Sturm und im Winter, dann kann man auch überlegen, wie man sein Auskommen sichert, vor Ort, so man sich einen ausgesucht hat und abklären, ob die Ideen realistisch sind.

Spätestens wenn man soweit ist, muss man die Sprache sprechen können, zumindest ein wenig und dies kontinuierlich ausbauen.

Und man sollte sich im klaren darüber sein, dass alles etwas anders läuft, als man es von Deutschland aus gewohnt ist.
Schliesslich hat / will man ja Deutschland verlassen um etwas anderes zu finden, also sollte man sich auch nicht wundern, wenn es dann tatsächlich anders ist.

Man muss sich immer wieder fragen, ob die Bedingungen vor Ort für einen persönlich auf Dauer akzeptabel sind, und da kommt wieder die Zeit ins Spiel, denn so etwas kann man einfach nicht nach zwei Wochen Aufenthalt wissen.

Und natürlich sollte man sich über das Land selbst ausreichend informieren und nicht z.B. denken, dass Portugal eine spanische Provinz ist...

Mein kleines Fazit wäre:
Zeit, Geld, Informationen einholen (auch über Unterhaltskosten, Mindestverdienst!) und die Sprache erlernen.

Ein wenig offen sein für das "neue andere" Leben kann auch nicht schaden ;)

Viel Glück allen bei der Verwirklichung ihres Traumes.

LG
Sivi
 
AW: Erfahrung mit auswandern

Hallo allerseits,

ich bin wohl zwar Portugiese und insofern vermutlich von diesem Thema "meilenweit" entfernt, aber bin bereits selbst mehrere Male in diverse Laender ausgewandert (unter diversem Anderem auch nach Deutschland) und habe somit auch einige Erfahrungen ueber diese Thema sammeln koennen...

Abgesehen von der allgemeinen Auswander-Organisation die optimal vorbereitet werden sollte und dem ueblichen damit verbundenen Papierkrieg, Unterkunft finden, Auto ummelden etc. etc. etc. halte ich wohl speziell eine Sache fuer EXTREM wichtig:

Sprache lernen, mitmischen, regelmaessig "raus aus dem Haus", auf keinen Fall abschotten und zum Einsiedler werden!!!

Durch meinen Beruf habe ich tagtaeglich mit Auswanderern zu tun - solche die bereits ausgewandert sind und diejenigen die bereits die Entscheidung getroffen haben und dabei sind Alles vorzubereiten...
Generell habe ich die "gluecklichsten Menschen" und "erfolgreichsten Auswanderer" immer nur dort getroffen, wo tatsaechlich ein Wille zur Eingliederung bestanden hat - wir hatten Jahrelang auch an der Algarve zu tun und ich habe dort sehr viele Menschen getroffen, die total vereinsamt waren und eigentlich nichts Anderes mehr kannten als das "Haus zu renovieren oder umzubauen" und sich Abends in der Kneipe (oder Zuhause) zu betrinken...
Die meisten von diesen Menschen, haben es kaum laenger als 2/3 Jahre ausgehalten um dann frustriert nach Deutschland (oder Anderen Heimatlaendern) zurueckzukehren.

Ist natuerlich fuer mein Heimatland keine gute Werbung, denn meistens heisst es dann gerade von diesen ungluecklichen Heimkehrern "Portugal ist dies, und Portugal ist jenes und in Portugal ist das schlecht oder ist jenes total unmoeglich etc. etc. etc." - ich lebe vom guten Ruf "meines Landes" und somit versuche ich definitiv (wenn ich kann) diese Situationen zu vermeiden und unsere Kunden zu avisieren...

Also hier zum Abschluss mein "ganz persoenlicher Rat":
Eingliedern, ausgehen, in Dorfvereinen partizipieren (jede Hilfe ist normalerweise willkommen), Sprache lernen, - selbst wenn am Anfang viel Unsinn dabei rauskommt - es gibt Situationen in denen jeder Lachen wird, aber lachen ist gesund...und es foerdert die zwischenmenschlichen Kontakte!

Viel Erfolg an Alle - ich bin ueberzeugt davon dass Ihr das Leben in Portugal geniessen koennt und werdet...
 
AW: Erfahrung mit auswandern

Sprache lernen, mitmischen, regelmaessig "raus aus dem Haus", auf keinen Fall abschotten und zum Einsiedler werden!!!
Danke Antonio für diesen Beitrag, der endlich mal die richtige Sprache spricht.
Ich finde, dass sollte sich jeder hinter die Ohren schreiben, denn nur dann kann man sich wohlfühlen.
Ich habe immer gesagt, dass ich nie in ein Land gehen würden, dessen Sprache ich nicht kann - mais ou menos - und ich wäre dann auch nie nach Portugal gezogen.
Grüße nach SMdP, wo ich eine ganz tolle Zeit verbracht habe.
 
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