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Ein Abend mit Gisela João

Dieses Thema im Forum "Kultur und Freizeit in Portugal" wurde erstellt von Sir Iocra, 6 November 2018.

  1. Sir Iocra

    Sir Iocra Entusiasta Teilnehmer Stammgast

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    Das Licht geht aus. Auf der Bühne links steht ein rosa Sessel, daneben ein Tischchen mit Blumenvase und Tischlampe. Ein grosserTeppich in der Mitte und rechts 3 weisse Stühle auf denen 3 Musiker Platz genommen haben.
    Winkend kommt Gisela João auf die Bühne. Verhaltener Applaus.
    Sie sagt langsam Boa Noite. 'Ich komme aus Nord Portugal und war noch nie in Beja. Im Norden spricht man schnell im Gegensatz zum Alentejo', hat sie gehört. Keiner kapiert den Satz.
    Schwarz tragt sie. nein, nein nicht wie die Roben von Amália oder Mariza, Das Kleidchen ist sehr,sehr kurz, es bedeckt gerade so das Wichtigste. Ein Gürtelchen auf Höhe ihres Nabels hält es zu, wobei das Dekolleté beim Knoten endet. Irgendwie sieht es aus wie das Oberteil eines Judoanzuges. Die meiste Männer im Saal werden die nächste anderthalb Stunde die Augen nicht mehr von dem Dekolleté lassen, darauf wartend ob vielleicht eine der Brüste sich mal kurz aus der ‘Kulisse’ schleicht.
    Die Sängerin bewegt sich auf den Sessel zu. Jetzt kann man eigentlich davon ausgehen, dass vor der Vorstellung auch diesen Sessel mal ausprobiert wird. Das war heute aber nicht der Fall gewesen.
    Frau João setzte sich hin. Der Sessel war aber so weich, dass sie mindestens 30 cm in dem Gleichen versank und die Füsse den Bodenkontakt verloren. Breitbeinig sass sie da, Mikrofon in der rechten Hand, mit der linken Hand versuchend den äusserst kurzen Fetzen nach unten zu schieben, damit der Blick von unten auf den Bauchnabel verdeckt blieb.
    Geschafft. Sie hat sich aus der Tiefe des Sessels gewürgt und sass jetzt auf dem Rand, der Platz wo sie an dem Abend öfters sitzen würde.
    Jetzt fing sie an zu singen. Ein Fado. Gisela João hat eine rauchige Stimme und singt mit einer gewaltigen Intensität.
    Das lange Mikrofon hielt sie vor ihren knallroten Lippen. Der Mann neben mir wurde schon ganz unuhig und schaukelte auf seinem Sitz hin und her.
    Vorbei. Sie bewegte sich wieder auf den Sessel zu. Setzte sich auf dem Rand und guckte auf das Tischchen. 'O que vamos cantar agora'= Was singen wir jetzt. Dieser Satz sagte sie zwischen jedem Lied. Dann erzählt sie das Fado nicht nur traurig sondern auch fröhlich sein kann. Jetzt kamen also die heitere Fados. Ich wusste bis dahin nicht, dass man zu Fados auch tanzen kann. Das Publikum musste mitsingen oder mitsummen und sie tanzte von links nach rechts auf der Bühne und wieder zurück. Die rosafarbene glitzernde Schühchen mit Stilettoabsätzen hatte sie bereits ausgezogen. Das Haarteil, das sie am Hinterkopf befestigt hatte, leider in der Farbe nicht passend zu den restlichen Haaren, schwebte hinter ihr her, wie der Schweif eines galoppierenden Pferdes. Stünde noch eine Stange auf der Bühne, sicherlich hätte sie auch an dieser noch einige Künststücke ausgeführt.
    Es war wirklich bemerkenswert wie es ihr gelang das Mikrofon zu halten und gleichzeitig die Brüsten im Zaum zu halten und auch dafür zu sorgen, dass der Mikrofonsender auf dem Rücken den Gürtel nicht lockerte. Die Musiker spielten auf ihren Instrumenten und taten so als ob sie gar nicht dazu gehörten.
    'Die Musiker werden jetzt 2 Guitarradas spielen', sagt sie. Was jetzt kam, waren die 15€ die ich für den Abend bezahlt hatte, absolut wert. Ricardo Parreira und seine beide Kollegen spielten mit Inbrunst und bekamen ein Ovation für ihr Spiel.
    Gisela João hatte sich nicht umgezogen. Sie war wahrscheinlich am kleinen Buffet, das sich in den Kulissen befindet, hängen geblieben. Die Geschichten die sie zwischen den Liedern erzählte, waren belanglos. Von der Grossmutter, mit der sie einkaufen ging und ihr ein ‘bolo’ kaufte oder der Fan, der sie im Facebook gefragt hatte, ob sie ihre Lippen ‘aufspritzen’ liess.
    Wenn man anfängt zu denken:Geht es noch schlimmer?, dann kommt bald die Bestätigung: Ja, es geht noch schlimmer. Das Desaster hatte einen Namen und zwar Dinis.
    Gisela João war mal Jurorin in einer dieser Sendungen The Voice of ….Dinis, aus Beja hatte sich beworben. Angeblich hatte Frau João an den jungen Mann einen narren gefressen. Nachdem sie 3 mal in den Saal ‘Dinis ‘gerufen hatte, kam er. Dinis war gross und dünn wie einen Laternenpfosten.
    Nachdem er verkabelt worden war, durfte er sein eigens Lied singen. Er konnte keine Gitarre spielen noch konnte er singen. Dazu kam noch die Nervösität. Es ist gut, dass im Leben alles ein Ende hat. So auch dieser Auftritt.
    'O que vamos cantar agora'…. Es wurde noch 2 mal herum gehüpft und dann war es vorbei. Das Publikum klatschte lau, Frau João kam aber wieder auf die Bühne denn eine Zugabe, vom Publikum gewollt oder nicht, musste sein.
    Sie sagte ich werde jetzt im Gegensatz zu dem was ich mit den Musikern verabredet habe einen anderen Fado singen. Voltaste (=du bist zurückgekommen), Mit diesem Fado ist sie bekannt geworden.
    Sie stezte sich wieder auf dem Rand des Sessels und fing an zu singen. Mit solcher Intensität, dass sie vom Sessel glitt und singend auf den Knien quer über den Teppich robbte. ‘Voltaste, ainda bem que voltaste’rief sie uns zu. Wir,das Publikum, waren entsetzt, klatschten höflicherweise und flüchteten aus dem Saal. Sollte sie im Beja noch einmal autreten, dann werde ich nicht da sein und kann sie ihr ‘Voltaste’ daheim lassen. Das war ein Abend mit Gisela João.
    Johan
     
    Cristof, zip, Herbert und 4 anderen gefällt das.
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  3. gUNA

    gUNA Lusitano Teilnehmer Stammgast

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  4. zip

    zip Super-Moderator Mitarbeiter

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    Hört sich nach Juliette Lewis von Juliette & The Licks an. Bist du sicher, dass die nordportugiesische Fadista (von der ich bisher keinen blassen Schimmer hatte) nicht ein Auditorium weiter aufgetreten ist? :confused::fies:

    Danke für den Bericht!

    Zip
     

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