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Stefan Stalling, Pfarrer

Article in 'PortugalPorträt' contributed by kailew, 5 November 2014. Current view count: 7851.


"Es klopfen mehr Menschen an unsere Tür mit der Bitte um etwas zu essen"
Das PortugalForum sprach mit Stefan Stalling, Pfarrer an der Deutschen Evangelischen Kirchengemeinde in Lissabon über sein Verhältnis zu Portugal, die Gemeinde und die Auswirkungen der Wirtschaftskrise im Land. Das Gespräch führte Kai Lewendoski.
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Das Pfarrerehepar Anke und Stefan Stalling betreut seit 2009 die Deutsche Evangelische
Kirchengemeinde in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon.
PortugalForum: Herr Stalling, Sie sind jetzt seit Anfang 2009 zusammen mit Ihrer Frau in Lissabon Pfarrer an der Deutschen Evangelischen Kirchengemeinde (DEKL). Fühlen Sie sich in Lissabon immer noch zu Hause?
Stefan Stalling: Ja natürlich. Es hat zwar etwa ein halbes Jahr gedauert - aber dann waren Kirche sowie unser Pfarrhaus unser Zuhause. Wenn wir in Deutschland sind, dauert es nicht lange, dann fehlen mir schon Licht und Sonne, die Menschen - und natürlich meine eigenen vier Wände.
PortugalForum: Bitte beschreiben Sie in drei, vier Sätzen Ihre Gemeinde.
Stefan Stalling: Unsere Gemeinde ist eine der ältesten evangelischen Auslandsgemeinden überhaupt: 2011 feierten wir unser 250-jähriges Bestehen. Wir unterhalten den einzigen deutschen Friedhof auf der iberischen Halbinsel – und wir haben das Glück, dass in unserem Kirchturm die einzige Glocke einer evangelischen Kirche in Portugal zum Gottesdienst ruft. Der sonntägliche Gottesdienst in deutscher Sprache ist das Herzstück unserer Gemeinde. Klassische und moderne Gesangbücher verdeutlichen: wir haben Freude an traditioneller Kirchenmusik und an neuen Liedern. Unsere Gemeinde ist weltoffen und tolerant - das kommt mit daher, dass hanseatische Kaufleute sie gegründet haben. Wir freuen uns über jedes neue Gesicht. Viele unserer Gemeindemitglieder kommen aus Familien, die schon seit Generationen in Portugal leben. Manche Familie ist nur für ein paar Jahre in der Stadt und sucht Anschluss. Es verbindet uns die Freude an der gelebten Vielfalt unseres christlichen Glaubens. Wir wollen Menschen eine geistliche Heimat bieten.
PortugalForum: Wie und warum ist der Entschluss bei Ihnen gefallen, nach Portugal zu gehen?
Stefan Stalling: Meine Frau und ich waren während des Studiums für ein Jahr in Brasilien. Dort haben wir ein wenig (brasilianisches) Portugiesisch gelernt und zudem haben wir mehrere evangelische Pfarrhäuser kennengelernt. Als die Pfarrstelle in Lissabon ausgeschrieben war, sagten wir uns: "Versuchen können wir es. Wir werden eh nicht genommen." Es kam zum Glück anders.
PortugalForum: Haben Sie diesen Entschluss mal bereut?
Stefan Stalling: Nein, nie, ganz im Gegenteil. Ich bin bis heute dankbar, dass wir in Lissabon leben und arbeiten dürfen.
PortugalForum: Sind sie und ihre Frau beide gleichmäßig gut "angekommen", oder gibt es da Unterschiede? Portugal ist schließlich ein südeuropäisches Land, in dem die Rolle der Frau teils noch anders definiert wird.
Stefan Stalling: Meine Frau brauchte zum Ankommen etwas länger - das liegt aber nicht an der Frauenrolle in Portugal, das liegt daran, dass sie ein stetigerer Mensch ist als ich. Aber das hat sich alles bald gegeben. Sie lebt heute genauso gerne in Lissabon wie ich.
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Die vom berühmten Sakralarchitekten Otto Bartning erbaute Kirche in Lissabon. Das
Gebäude wurde zwischen 1932 und 1934 errichtet.
PortugalForum: Wie oft sind Sie im Jahr etwa in der Heimat beispielsweise in Hammelwarden oder in Nürnberg und Cloppenburg?
Stefan Stalling: Im Brake-Hammelwarden hatten wir unsere erste Pfarrstelle betreut. Dort waren wir zwei- dreimal in den vier Jahren. Unsere Eltern in Cloppenburg bzw. in Nürnberg sehen wir aber öfter.
PortugalForum: Gibt es große Unterschiede zwischen der Gemeindearbeit in Portugal und der in Deutschland?
Stefan Stalling: Ja und Nein. Die Arbeit an sich unterscheidet sich nur unwesentlich: Gottesdienste, Konfirmandenarbeit, Seelsorge - die klassischen Felder sind ähnlich. Unterschiede gibt es aber doch: die Entfernungen sind größer. Ein Besuch dauert in einer norddeutschen Gemeinde manchmal nur eine Stunde, in Portugal oft drei Stunden. Manche Gottesdienste sind zweisprachig zu halten - oder ganz auf Portugiesisch. Die Grundstrukturen sind jedoch durchaus ähnlich. Es ist ja auch eine deutschsprachige Gemeinde mit Menschen, die die Traditionen aus Deutschland mitgebracht haben - oder es waren schon ihre Eltern oder Großeltern

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