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Jan Windszus, Fotograf

Article in 'Portugal im Porträt' contributed by kailew, 6 November 2013. Current view count: 9310.

"Die Freundlichkeit der Lissabonner war immer spürbar."
Der renommierte Fotograf aus Berlin, Jan Windszus, hat zwei Monate in Lissabon verbracht, die portugiesische Hauptstadt abgelichtet und dabei kennengelernt. Am 24. September erschien im Hamburger mare-Verlag der Bildband über Lissabon von Jan Windszus. Das PortugalForum sprach mit dem Berliner Fotografen über seine Zeit in der Stadt am Tejo, übers Fotografieren und die Lissabonner Melancholie. In dem Gespräch, das Kai Lewendoski führte, wird deutlich, wie hoch auch der persönliche Aufwand sein muss, um eine Stadt im Bild einzufangen.

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Jan Windszus: "Drei Tage bereiteten wir uns auf den Helikopterflug vor. Der Hubschrauber war klein, nur für vier Personen gebaut. Als wir über Lissabon schwebten, konnten wir unsere Position nicht halten, da wir immer wieder dem Flugverkehr weichen mussten. Fünf Minuten warteten wir in der Luft, von weitem sah ich wie die Wolken aufrissen und die Sonne ihre Strahlen über den Christo legte. Der Pilot sagte, wir hätte die Chance für zwei Minuten näher heranzufliegen. Wir hatten Glück und konnten das Bild machen. Sehr eilig und mit einem achterbahnartigen Manöver mussten wir uns wieder aus der Fluglinie der großen Passagierjets bringen. Für mich und meine Assistentin Ingrid Murer war es ein aufregendes Erlebnis, bei dem nicht einmal Zeit für unsere Flugangst blieb." Foto © Ingrid Murer - Making of the book Lisbon
PortugalForum: Jan Windszus, Sie haben im mare-Verlag jetzt einen neuen Bildband zum Thema Lissabon veröffentlicht. Warum gerade die portugiesische Hauptstadt?
Jan Windszus: Nikolaus Gelpke, Verleger und Chefredakteur des mare-Verlages, rief mich im Sommer 2011 an und fragte, ob ich den nächsten mare-Bildband fotografieren wolle. Das Thema Lissabon stand zu diesem Zeitpunkt bereits fest. Natürlich sagte ich sofort zu und freute mich sehr über diese Herausforderung. Ich kannte die großartigen Bildbände des mare-Verlag der letzten Jahre und war dankbar für das Vertrauen, das Nikolaus Gelpke mir entgegen brachte.
PortugalForum: Wie muss man sich das vorstellen? Wie lange waren Sie von wann bis wann in Lissabon, wo haben Sie gelebt?
Jan Windszus: Meine erste Reise machte ich im Oktober 2011. Beim Anflug über dem Tejo begrüßte uns die Stewardess mit "Welcome to San Francisco!". Ich schaute aus dem Fenster und sah als erstes die eindrucksvolle Brücke über den Tejo, die Ponte 25 de Abril. Man hätte uns Passagiere auch in Rio begrüßen können, wegen des Christo. Ich will damit sagen, dass die ersten Eindrücke geprägt waren von den unterschiedlichsten Einflüssen, die diese Stadt ausmachen. Gelebt habe an verschiedenen Stellen, an der Estrela, an der Bica und in der Sta. Catarina. Ich war insgesamt vier Mal in Lissabon, zu allen Jahreszeiten, und für etwas mehr als zwei Monate.
PortugalForum: Kannten Sie Lissabon vorher?
Jan Windszus: Nein, ich war vorher noch nie in Lissabon gewesen. Bevor ich meine erste Reise plante, recherchierte ich und bestellte an Büchern und Bildbänden was ich bekommen konnte. Ich fand heraus, dass es nicht allzu viel gab. Ich sah Filme wie die "Lisbon Story" von Wim Wenders aus dem Jahr 1994 und meine Neugier und Vorfreude auf die Stadt wuchs. Dass ich Lissabon vorher nicht kannte, sehe ich sogar als Vorteil. Die ersten Eindrucke sind für mich als Fotograf immer sehr wichtig, so konnte ich völlig frei und unvoreingenommen meine Arbeit in der Stadt beginnen.
PortugalForum: Was fasziniert Sie an Lissabon, was unterscheidet die Stadt möglicherweise von anderen Hauptstädten Europas?
Jan Windszus: Da gibt es viel zu berichten. Fasziniert hat mich zum einen das Multikulturelle, wir haben uns intensiv mit verschiedensten Volksgruppen beschäftigt. In der Cova da Moure lernten wir die Menschen von den kapverdischen Inseln kennen. Außerdem verbrachten wir mehrere Tage in dem Viertel Ajuda, Bairii 2 de Maio und durften religiösen Kulten der Calé, der portugiesischen Roma, beiwohnen, was eine fantastische Erfahrung war. Lissabon fernab des touristischen Treibens ist exotisch. Dringt man tiefer in die Gesellschaft ein, sind die Einflüsse aus Brasilien, Afrika, Indien und China deutlich zu spüren. Die ehemaligen Kolonien haben Lissabon einzigartig geprägt. Aber dies ist nur eine der Seiten Lissabons, Lissabon hat viel zu bieten.
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"Lissabon fernab des touristischen Treibens ist exotisch. Dringt man tiefer in die Gesellschaft ein,
sind die Einflüsse aus Brasilien, Afrika, Indien und China deutlich zu spüren." Foto: Jan Windszus
PortugalForum: Sprechen Sie Portugiesisch?
Jan Windszus: Nein, ich spreche kein portugiesisch, die meiste Zeit habe ich mich, wenn möglich, auf Englisch verständigt. Ich hatte eine wunderbare Zusammenarbeit mit meiner Assistentin vor Ort. Ingrid Murer ist Architektin aus Österreich und lebt und arbeitet seit mehr als zehn Jahren in Lissabon. Sie spricht fließend Portugiesisch und kennt sich hervorragend in der Stadt aus, ohne sie wären viele Kontakte zu Einheimischen niemals zustande gekommen. Bei der Erstellung der Porträts war es mir sehr wichtig, das Projekt und mich vorzustellen. Wir führten zahlreiche Interviews und die Menschen erzählten uns aus ihrem Leben.

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