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Hans-Joachim Böhmer, Geschäftsführer

Article in 'PortugalPorträt' contributed by kailew, 6 November 2013. Current view count: 28458.


PortugalForum: Was schätzen Sie an Portugal besonders?
Hans-Joachim Böhmer: Da gibt es viel: wenn ich morgens aufstehe schon die Sonne und den blauen Himmel zu sehen – zumindest sehr oft –, dann das Meer, irgendwann am Morgen einen Kaffee in einem der vielen Cafés zu trinken, mittags oft frischen Fisch zu essen, die Schönheiten Lissabons zu entdecken, hin und wieder mal Fado am Abend, Portwein und den portugiesischen Wein überhaupt … die netten, hilfsbereiten Menschen, die meist guten Fremdsprachenkenntnisse und vieles, vieles mehr.
PortugalForum: Was gefällt Ihnen an der portugiesischen Mentalität und Lebensweise überhaupt nicht?
Hans-Joachim Böhmer: Den Verkehr und die undisziplinierte Fahrweise, die Notwendigkeit, oft nachfassen zu müssen, ehe man eine Antwort bekommt, die mangelnde Kompetenz mancher Gesprächspartner und die anscheinende Gleichgültigkeit oder den Fatalismus, auf die ich oft stoße.

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PortugalForum: Wie gestalten Sie Ihre Freizeit? Gibt es besondere Orte, zu denen Sie gerne fahren?
Hans-Joachim Böhmer: Ich liebe das Meer besonders. Das führt dazu, dass ich die Städte und Regionen am Meer besser kenne als diejenigen im Landesinneren – und das auch noch nach vielen Jahren in Portugal. Also Strand ja, Berge eher weniger!
PortugalForum: Sie sind ja viel in der Welt herumgekommen: Gibt es bestimmte "typisch deutsche" Traditionen, die Sie pflegen. Welche portugiesischen Gebräuche schätzen Sie?
Hans-Joachim Böhmer: Ja, auch wenn man lange aus Deutschland weg ist gibt es manches, wo man deutsch bleibt oder was man vermisst, dazu gehört bei mir auch die Weihnachtstradition, zum Beispiel vermisse ich hier die Weihnachtsmärkte. Aber es gibt sehr vieles, was ich hier genießen kann, was ich in Deutschland so nicht hätte: das Sitzen in Straßencafés oder Strandbars, das Strandleben überhaupt, die fischreiche portugiesische Küche und vieles mehr!
PortugalForum: Portugal steckt in der tiefsten Wirtschaftskrise seiner Geschichte. Macht da so ein Job noch Spaß?
Hans-Joachim Böhmer: Ja, Portugal ist in einer tiefen Krise und die Menschen hier leiden sehr darunter. Und das belastet natürlich auch. Dennoch gibt es gerade in dieser Zeit besondere Chancen und Herausforderungen in den bilateralen Beziehungen Portugal-Deutschland. Deutschland ist der wichtigste Industrie-Investor in Portugal – eine Ausweitung der deutschen Investitionen ist sowohl ein starker Wunsch der portugiesischen Regierung wie auch der Wirtschaft und würde bestimmt zum wirtschaftlichen Wachstum Portugals beitragen. Deutschland ist wichtiger Markt für Portugals Industrie-Exporte – eine Ausweitung der Exporte nach Deutschland ist wiederum sowohl ein starker Wunsch der portugiesischen Regierung wie auch der Wirtschaft und würde bestimmt zum wirtschaftlichen Wachstum Portugals beitragen. Und in beiden Fällen kann auch die deutsche Wirtschaft davon profitieren. Das alleine sind zwei Handlungsfelder, die in der jetzigen Zeit besondere Herausforderungen für die Kammer und meine Tätigkeit bedeuten und daher diesen Job gerade jetzt sehr interessant machen. Und es gibt noch andere solche Handlungsfelder, die Berufsbildung zum Beispiel, die besonders jetzt verstärktes Interesse in Portugal findet, nämlich als ein Instrument, die portugiesische Wirtschaft wettbewerbsfähiger zu machen. Es gibt viel zu tun …
PortugalForum: Worin sehen Sie die Hauptursachen für diese Krise?
Hans-Joachim Böhmer: Auch wenn ich Volkswirt bin möchte ich keine umfassende volkswirtschaftliche Abhandlung über dieses Thema machen – das haben andere schon getan und können es auch besser. Aber in kurzen Worten halte ich diese Faktoren für entscheidende Gründe der jetzigen Situation oder Krise:
  • Weitreichende – externe – Veränderungen im wirtschaftlichen Umfeld wie etwa die Öffnung Osteuropas, neue Technologien, EURO-Einführung und vieles andere.
  • Zu optimistische Erwartungen, was die Erreichbarkeit von Zielen angeht: Erreichung des durchschnittlichen EU-Einkommenslevels oder Finanzierbarkeit des Ausbaus des Sozialstaates.
  • Ungenügende Anpassungen des regulatorischen Instrumentariums: nicht ausreichende Wettbewerbsgesetzgebung, Arbeitsrecht, hohe Transaktionskosten durch Bürokratie und mangelnde staatliche Ausgabendisziplin.
Auch wenn sich diese Ursachen kritisch anhören, sie sind größtenteils vermeidbar gewesen und auch nicht unumkehrbar. Und gerade dies passiert im Augenblick, nämliche eine Umkehrung der Entwicklungen, die zur Krise geführt haben oder wenigstens eines Teils davon.
PortugalForum: Sie spüren ja die Auswirkungen der Krise ganz direkt. Das Investitionsklima wird offiziell als "schlecht" bezeichnet. Wie macht sich das bei der Tätigkeit der Kammer bemerkbar?
Hans-Joachim Böhmer: Sicher lässt sich am Investitionsklima vieles verbessern, und das muss auch wirklich gemacht werden. Aber es ist auch eine Realität, dass es dem überwiegenden Teil der deutschen Unternehmen im Lande, ganz besonders den exportorientierten Produktionsunternehmen, gut geht. Mit anderen Worten: Es gibt auch bei dem gegenwärtigen Investitionsklima in Portugal sehr erfolgreiche Unternehmen – neben den vielen deutschen auch weitere, auch viele portugiesische oder aus anderen Ländern.
Was sind die Kennzeichen dieser erfolgreichen Unternehmen? Sie sind fast ausnahmslos exportorientiert – was voraussetzt, dass sie international wettbewerbsfähig sind -, sie sind innovativ, sie haben gut ausgebildete Mitarbeiter, sie sind dynamisch – sie sind gut geführt.
Diese Firmen sind eine wichtige Zielgruppe der Kammerarbeit. Und insofern hat sich an der Arbeit der Kammer wenig substantiell geändert.

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