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Hans-Joachim Böhmer, Geschäftsführer

Article in 'PortugalPorträt' contributed by kailew, 6 November 2013. Current view count: 11257.


"Die Krise ist noch nicht ausgestanden."
Die Deutsch-Portugiesische Industrie- und Handelskammer (Câmara de Comércio e Indústria Luso-Alema) mit Sitz in Lissabon kümmert sich um die Belange deutscher Firmen in Portugal und auch um die deutsch-portugiesischen Wirtschaftsbeziehungen. Das PortugalForum sprach mit dem geschäftsführenden Vorstandsmitglied der Kammer Hans-Joachim Böhmer. Kai Lewendoski fragte Böhmer nach der Wirtschaftskrise, den Auswirkungen und den Aussichten, die Portugal zu erwarten hat.
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PortugalForum: Herr Böhmer, was macht eigentlich eine Auslandshandelskammer? Versuchen Sie bitte die Tätigkeit kurz zu beschreiben.
Hans-Joachim Böhmer: Die Deutsch-Portugiesische Industrie- und Handelskammer – oder AHK Portugal - gehört zum weltweiten Netzwerk der deutschen Auslandshandelskammern das 80 Länder mit 120 Standorten abdeckt. Die Kammern gibt es in allen Ländern, die für die deutsche Wirtschaft von besonderem Interesse sind.
Die deutschen Auslandshandelskammern – auch AHKs genannt – erfüllen an den jeweiligen Standorten vor allem drei Funktionen:
  • Sie vertreten erstens – zusammen mit den deutschen Auslandsvertretungen (Botschaften und Konsulate) – offiziell die Interessen der deutschen Wirtschaft gegenüber der Politik und Verwaltung im jeweiligen Gastland.
  • Zweitens sind sie Mitgliederorganisationen für Unternehmen, sowohl deutsche Unternehmen in Deutschland als auch deutsche Unternehmen im Gastland und einheimische Unternehmen.
  • Und drittens sind sie Dienstleister für Unternehmen und unterstützen mit ihren Dienstleistungen deutsche und einheimische Unternehmen bei ihren Export- und Internationalisierungsbemühungen.
Die AHK Portugal ist ein wichtiger und erfahrener Partner aller Unternehmen, die ihre Geschäftsbeziehungen zwischen Deutschland und Portugal auf- und ausbauen wollen. Mit unserem Dienstleistungsangebot das Themen wie Recht und Steuern, Marktberatung, Messen aber auch Aus- und Weiterbildung umfasst, bieten wir ein breites Lösungsspektrum an.
PortugalForum: Bitte stellen Sie sich unseren Lesern kurz vor: Seit wann leben Sie in Portugal, und warum sind Sie in das Land gekommen?
Hans-Joachim Böhmer: Mein Lebenslauf hat bereits vor Portugal viele Auslandsstationen gehabt – in insgesamt drei Kontinenten und das seit frühester Kindheit – und von meiner Ausbildung her bin ich Volkswirt: da liegt eine Tätigkeit zur Förderung der internationalen auch wirtschaftlichen Beziehungen Deutschlands nahe. Ich bin denn auch seit über 25 Jahren in vergleichbarer Tätigkeit in anderen AHKs gewesen, seit 1998 in Portugal – übrigens meine erste AHK-Tätigkeit in einem europäischen Land. Warum nach vielen anderen Ländern Portugal? Für jemanden, der lange in Übersee gelebt hat ist es ein guter Wiedereinstieg nach Europa: ein Land mit jahrhundertealter Geschichte in Südamerika, Asien und Afrika hat mich gereizt. Und natürlich die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern Portugal und Deutschland, die sehr stark sind. Und dann sind da noch die freundlichen Portugiesen, das angenehme Klima und das Meer!
PortugalForum: Haben Sie diesen Schritt einmal bereut, nach Portugal gekommen zu sein? Gerade dieses Land kann ja für einen hocheffizienten deutschen Manager ziemlich anstrengend sein.
Hans-Joachim Böhmer: Kurz und eindeutig: nein!
PortugalForum: Vorher haben Sie viel in Asien gearbeitet, auch in den so genannten "Tigerstaaten". Wie würden Sie diese Region mit Portugal vergleichen?
Hans-Joachim Böhmer: Die "Tigerstaaten" Südostasiens waren und sind seit vielen Jahren wirtschaftlich sehr dynamisch, viel dynamischer als Portugal, als ganz Europa. Das wird ja auch manchmal beklagt, dass die Dynamik jener Region in Europa nicht repliziert werden kann. Man muss aber auch bedenken, dass Europa und Südostasien eine ganz andere kulturelle, historische und soziale Grundlage haben, dass die dortigen wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen in Europa nicht akzeptiert werden würden. Man kann also Vergleiche ziehen, aber man kann kaum sagen, wenn man das eine oder andere von dort auf Portugal oder Europa überträgt, man hier ein vergleichbares Ergebnis, was wirtschaftliche Dynamik angeht erreichen würde – das wären theoretische Gedankenspiele.
PortugalForum: Sie vertreten ja deutsche Firmen in Portugal. Wie viele sind das derzeit und könnten Sie einige Beispiele nennen?
Hans-Joachim Böhmer: Etwa 300 mittlere und größere deutsche Unternehmen haben einen Standort in Portugal – die meisten davon Produktionsstandorte. Die meisten sind auch Mitglied der Kammer. Dazu kommt noch eine nicht genau bekannte Anzahl von kleineren Unternehmen, die in den verschiedensten Branchen tätig sind.
Die größten deutschen Unternehmen im Lande sind allgemein bekannt: Volkswagen, Bosch, Siemens, Continental und andere. Aber es sind auch die vielen mittleren und auch kleineren Unternehmen des Mittelstands, die die deutsche Wirtschaft in Portugal ausmachen, allen bekannte Namen wie Leica, Falke, Mahle oder Stihl gehören dazu genauso wie eher nur in Fachkreisen renommierte Namen wie Groz-Beckert, Kirchhoff, HUF, Fuchs Schmierstoffe oder Schmitt und Sohn.
PortugalForum: Was würden Sie sagen: Ist es leichter in Portugal oder in Deutschland eine Firma zu gründen – mit allem Drum und Dran?
Hans-Joachim Böhmer: Eine Firmengründung in Portugal ist denkbar einfach und schnell – das Programm "empresa na hora" hat bewirkt, dass man eine Firma in Portugal in weniger als einer Stunde gründen kann – und zu genau überschaubaren Kosten. Je nach Firmenzweck und Tätigkeit benötigt man aber Genehmigungen oder Lizenzen, diese zu bekommen kann teilweise sehr aufwändig sein und lange dauern. Insofern ist es immer wichtig sich vorher genau zu erkundigen, was für den beabsichtigen Unternehmenszweck notwendig ist, wie es erreicht werden kann und wie lange es dauert beziehungsweise was es kostet. Da gibt es aber keine allgemeingültige Antwort, ob es in Deutschland oder Portugal leichter ist.

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